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Sternenhimmel im Oktober : Der Mond steht schwarz und schweiget

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Lichtspiel am Nachthimmel: Der Mond tritt in der Nacht zum 28. Oktober den Erdschatten ein, Deutschland erlebt die zweite Mondfinsternis des Jahres.

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          Die zweite totale Mondfinsternis des Jahres ereignet sich in der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober. Die totale Phase ist in ihrer gesamten Länge in Europa, Nord- und Südamerika sowie dem größten Teil Afrikas sichtbar. Um 3.14 Uhr beginnt der Mond in den Kernschatten der Erde einzutauchen. Zwischen 4.23 Uhr und 5.45 Uhr ist die Verfinsterung total. Trotzdem wird die Mondscheibe fahl in schmutzigrötlichem Licht leuchten. Erzeugt wird dieses Leuchten durch das in der Erdatmosphäre gebrochene Sonnenlicht. Um 6.54 Uhr verläßt der Mond dann den Kernschatten der Erde. Etwa eine Stunde vor Eintritt des Mondes in und nach Austritt aus dem Kernschatten befindet sich die Mondscheibe im Halbschattenbereich. Sie ist dann zwar vollständig, aber gräulich verfärbt zu sehen.

          Am Monatsletzten werden die Uhren wieder um eine Stunde auf die mitteleuropäische Zeit zurückgestellt. Das macht sich in der scheinbaren Stagnation der Aufgangszeiten sowie in dem Sprung von zwei Stunden bei den Untergangszeiten der Sonne in der nachfolgenden Aufstellung bemerkbar: 1. Oktober: Sonnenaufgang: 7.25 Uhr, Sonnenuntergang: 19.03 Uhr; 31. Oktober: Sonnenaufgang: 7.14 Uhr, Sonnenuntergang: 17.03 Uhr. Insgesamt schrumpft die Tageslänge im Oktober um nahezu zwei Stunden, von elf Stunden 38 Minuten auf neun Stunden 49 Minuten zusammen.

          Abschiedsvorstellung des Sommerdreiecks

          Zu Beginn des letzten Jahresviertels beherrscht immer noch das große Sommerdreieck das westliche Himmelsareal. Das aus den Sternen erster Größe bestehende Sternendreieck Wega-Deneb-Atair ist zwar dem Horizont etwas nähergerückt, hält aber immer noch eine halbhohe Position. Die zugehörigen Sternbilder Leier, Schwan und Adler haben noch einen komfortablen Horizontabstand und sind gut aufzufinden. Das südwestlich vorausgehende Doppelbild Schlangenträger/Schlange ist jedoch schon größtenteils unter die Horizontlinie gesunken. Unmittelbar nach Ende der Abenddämmerung steht es aber während des gesamten Monats noch über dem Horizont.

          Im südlichen Teil des Schlangenträgers wurde am 8. Oktober 1604, also vor genau 400 Jahren, die bisher letzte Supernova in unserer Milchstraße entdeckt. Der Astronom Johannes Kepler beobachtete das Aufleuchten und langsame Verlöschen dieses neuen Sterns in Prag und verfaßte darüber ein Buch mit dem Titel „De stella nova“ („Über den neuen Stern“), das 1606 publiziert wurde. Die maximale Helligkeit dieser Supernova war vergleichbar mit der von Jupiter. Noch heller war die nur wenige Jahre vorher, im Jahre 1572, von Tycho Brahe beobachtete Supernova im Sternbild Kassiopeia, die Venushelligkeit erreichte. Obwohl lichtschwächer, erregte Keplers neuer Stern doch mehr Aufmerksamkeit, vor allem da er nachwies, daß diese Erscheinung der Welt der Fixsterne zuzuordnen war.

          Die Sphäre der Fixsterne, die sogenannte achte Sphäre, galt seit Aristoteles als ewig und unveränderlich. Durch die zwei kurz hintereinander auftretenden neuen Sterne wurde das aus der Antike stammende Bild des Universums zum ersten Mal stark in Zweifel gezogen. Kepler glaubte im Aufleuchten die Entstehung eines neuen Fixsterns zu beobachten. In Wahrheit wurde er Zeuge der Vernichtung einer Sonne, von der heute nur noch eine sphärische Schale expandierenden Gases übriggeblieben ist. Erst in den dreißiger Jahren erkannte man das Wesen der Supernova. Es sind gewaltige Sternexplosionen, wobei die Leuchtkraft einer Supernova kurzzeitig auf das Zehnmilliardenfache der Sonnenleuchtkraft ansteigen kann. Das führt entweder zur Zerstörung des Ursprungssterns oder zur Bildung eines superdichten Neutronensterns.

          Steinbock zeigt sich als erstes Herbststernbild

          Im Westen ist jetzt der Bootes mit dem hellen Arkturus von der Himmelsbühne abgetreten. Dort sind nun die Nördliche Krone und der Herkules in eine recht horizontnahe Position gelangt und nur noch bei guten Sichtverhältnissen zu erkennen. Der Wagenkasten des Großen Wagens hat den Nordpunkt erreicht. Als erstes Herbststernbild hat der Steinbock den Südmeridian schon überschritten. Ihm folgen die nassen Sternbilder Wassermann, Südlicher Fisch, Fische und Walfisch im horizontnahen Gebiet von Süd bis Ost. Das Pegasusviereck hat sich darüber ebenfalls fast bis in die Südlinie vorgeschoben. Ihm schließt sich die Sternenreihe der Andromeda an, die zum Perseus hinüberführt. Dort befindet sich auch der Andromedanebel (M 31), der bei guten Sichtbedingungen schon mit bloßem Auge als kleines Fleckchen erkennbar ist. Unterhalb der Andromedasterne ist das Tierkreisbild Widder als kompaktes Sternbildchen erkennbar. Östlich davon ist der hübsche Sternhaufen der Plejaden auffällig, dem Stier und Fuhrmann als erste Boten des Winters folgen.

          Mit Ausnahme der nur mit optischer Hilfe erkennbaren Planeten Uranus und Neptun ist der Abendhimmel planetenfrei. Erst gegen Monatsmitte wechselt Saturn auf die erste Nachthälfte über. Sein Aufgang erfolgt am ersten Oktobertag kurz vor ein Uhr, gegen Monatsende jedoch schon zwei Stunden früher. Die Venus bleibt strahlender Morgenstern. Ihre Aufgangszeiten verspäten sich im Monatsverlauf zwar um mehr als eine Stunde, da die Sonne aber ebenfalls immer später über die Horizontlinie tritt, ändert sich an ihrer Sichtbarkeitsdauer nur wenig. Wie Merkur steht auch Mars in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sonne und bleibt daher im Oktober verborgen. Dagegen erscheint Jupiter nach dem ersten Monatsdrittel wieder am Morgenhimmel am Osthorizont. Bis zum Monatsende hat er seine Sichtbarkeitsdauer schon auf nahezu zwei Stunden ausgedehnt. Die schmale Mondsichel hält sich in den Morgenstunden des 12. in der Nähe des Riesenplaneten auf und kann als Aufsuchhilfe für den östlich stehenden Jupiter dienen.

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