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Sternenhimmel im April : Venustransit: Dunkler Punkt auf der Sonne

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Zwei Gestirne ziehen im April die Blicke der Sternbeobachter auf sich: Jupiter und Venus. Besonders Venus glänzt so auffallend, daß manche Zeitgenossen den Planeten wohl für ein Raumschiff halten könnten.

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          Ein helles Gestirn zieht jetzt am Abendhimmel die Blicke auf sich. Es leuchtet so auffallend glänzend, daß manche Zeitgenossen meinen es könne sich nicht um ein Gestirn handeln, sondern es sei vielleicht ein Raumschiff oder gar ein Ufo. Doch es ist die Venus, unser innerer Nachbarplanet, die jetzt besonders hoch am westlichen Abendhimmel steht und Anfang Mai im größten Glanz leuchtet.

          Am Osthimmel taucht ebenfalls ein heller Lichtpunkt auf, der manchen Laien Kopfzerbrechen bereitet. Es handelt sich um Jupiter, den größten Planeten unseres Sonnensystems. Mit Einbruch der Dunkelheit beherrschen somit Venus und Jupiter die abendliche Himmelsszene. Nach Sonne und Mond sind sie die hellsten Gestirne am irdischen Firmament, wobei Venus noch deutlich leuchtkräftiger als Jupiter ist.

          „Venustransit“ extrem selten

          Venus wird sich Mitte Mai vom Abendhimmel rasch zurückziehen und am 8. Juni als dunkler Punkt vor der Sonne vorbeiwandern, ein Ereignis, das extrem selten ist. Letztmals fand ein solcher „Venustransit“ im Dezember 1882 statt.

          Zu Monatsbeginn wandert Venus durch den offenen Sternhaufen der Plejaden im Stier, ein reizvoller Himmelsanblick besonders im Fernglas. Die Plejaden sind die sieben Töchter des Atlas und der Pleione. Mit bloßen Auge sind sechs bis neun Plejadensterne zu erkennen, im Fernglas kann man über hundert ausmachen. Bei uns spricht man auch vom Siebengestirn.

          Als dritter heller Planet ist Saturn am Abendhimmel zu sehen. Der ringgeschmückte Planet wandert gemächlich durch das Sternbild Zwillinge. Mit beginnender Dunkelheit steht er hoch im Westen.

          Fünf Planeten sichtbar

          Auch Mars ist noch am Abendhimmel vertreten. Allerdings ist er längst kein auffälliges Gestirn mehr. Dennoch kann man ihn gut sehen, ist er doch immer noch eine halbe Größenklasse heller als der Polarstern. Gegen Mitternacht verschwindet der Rote Planet von der Himmelsbühne. Mars und Venus stehen am Himmel nahe beieinander. Venus verfolgt Mars, kann ihn aber nicht einholen. Am 23. April wandert die Sichel des zunehmenden Mondes zwischen beiden Nachbarplaneten hindurch - ein besonders reizvoller Himmelsanblick gegen 22.00 Uhr.

          Der sonnennahe und flinke Merkur kann gerade noch in den ersten drei Apriltagen in der Abenddämmerung tief im Westen aufgespürt werden. Damit ergibt sich die Chance, alle fünf mit bloßen Augen sichtbaren Planeten zu Monatsbeginn am Abendhimmel zu beobachten.

          Papierdrachen oder Eistüte

          Am abendlichen Fixsternhimmel hat der Winter endgültig Abschied genommen und den Frühlingsbildern Platz gemacht. Der Himmelswagen steht fast senkrecht im Zenit. Folgt man mit den Augen dem Schwung der Wagendeichsel, so trifft man hoch im Osten auf den orange-roten Arktur, den Hauptstern des Rinderhirten, von den alten Römern Bootes genannt.

          Das Sternbild Bootes ist recht markant. Es hat die Form eines Papierdrachens, den man an windigen Tagen gerne steigen läßt. Die Amerikaner sehen in dieser Sternenkonstellation eine Eistüte. Arktur selbst gehört zu den sechs hellsten Fixsternen am irdischen Firmament - neben Sirius, Kanopus, Toliman, Wega und Kapella. Der Name Arktur bedeutet Bärenwächter. Arktur folgt nämlich dem Großen Bären ständig bei seinem Lauf um den Polarstern ähnlich einem Wärter.

          Frühlingsdreieck

          Ein Blick nach Süden läßt den frühlingshaften Charakter des Sternenhimmels schnell erkennen. Das mächtige Bild des Löwen passiert zur Monatsmitte gegen 23.00 Uhr den Meridian. Die Basislinie des Löwentrapezes verläuft nun fast parallel zum Südhorizont. Die beiden Sterne an den Enden der Basis heißen Regulus und Denebola. Regulus ist der hellste Stern im Löwen. Sein Name bedeutet so viel wie „Kleiner König“. Denebola wieder stammt aus dem Arabischen und heißt „Schwänzchen“, nämlich das des Löwen.

          Dem Löwen folgt im Südosten die Jungfrau, die ebenfalls zum Tierkreis zählt. Der bläuliche Hauptstern der Jungfrau heißt Spica, die Kornähre. Sie gilt als Symbol der Fruchtbarkeit. 260 Jahre ist das Licht von der heißen Spica-Sonne zu uns unterwegs, während es von Regulus 77 Jahre benötigt, die Erde zu erreichen, und Arktur 37 Lichtjahre von uns entfernt ist. Die drei Sterne Arktur, Regulus und Spica bilden das so genannte Frühlingsdreieck, das leicht einzuprägen ist.

          Sternschnuppen am Monatsende

          Vom 15. bis 23. April tauchen die Sternschnuppen der Lyriden auf. Ihr Ausstrahlungspunkt liegt im Sternbild Leier, lateinisch Lyra genannt. Es handelt sich um schnelle Meteore mit Geschwindigkeiten um 50 Kilometer pro Stunde. Die günstigste Beobachtungszeit liegt zwischen 22.00 Uhr und 4.00 Uhr morgens. Pro Stunde sind etwa 20 Meteore zu erwarten.

          Der Ostervollmond tritt am 5. April ein, am 19. April ist Neumond. Die Sonne verläßt am 18. April das Sternbild Fische und wechselt in das Sternbild Widder. Am 19. April tritt sie in das Tierkreiszeichen Stier. Die Mittagshöhe der Sonne nimmt im Laufe des Aprils um rund zehn Grad zu, die Tageslänge wächst um mehr als eineinhalb Stunden.

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