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Steigende Flug- und Hotelkosten : Preiswucher zur WM verärgert die Fans in Brasilien

  • -Aktualisiert am

Eine teure Angelegenheit: Für einen Ausflug in das Maracana-Stadion müssen Fußball-Fans tief in den Geldbeutel greifen Bild: obs

Die hohen Kosten für die Fußball-Weltmeisterschaft haben in den vergangenen Monaten für Massenproteste in Brasilien gesorgt. Nun steigen auch noch die Preise für Tickets, Flüge und Hotelbuchungen an.

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          Von São Paulo nach Rio de Janeiro sind es rund 450 Straßenkilometer, Luftlinie gut 100 Kilometer weniger. Mit dem Auto ist die Reise von der brasilianischen Wirtschaftsmetropole nach Rio selten in weniger als fünf Stunden zu schaffen, oft dauert es erheblich länger. Die Pendelflüge zwischen den Inlandsflughäfen der beiden größten Städte Brasiliens sind kaum eine Stunde unterwegs, sind aber verhältnismäßig teuer. Pläne für eine Schnellzugverbindung zwischen São Paulo und Rio gibt es seit Jahrzehnten, wahrscheinlich werden sie aber niemals verwirklicht.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Wer einen Flug von São Paulo nach Rio de Janeiro zum Finale der Fußball-Weltmeisterschaften am 13. Juli 2014 im Maracanã-Stadion buchen will, kann an jenem Tag für den gleichen Preis auch nach New York oder gar Paris fliegen. Bis dorthin sind es im Flugverkehr gut 7700 Kilometer beziehungsweise rund 9950 Kilometer. Gegenüber den ohnedies schon hohen Preisen bei normalem Reiseverkehr haben die vier Fluggesellschaften, die von São Paulo nach Rio fliegen, ihre Preise für die Zeit der WM von Mitte Juni bis Mitte Juli 2014 teilweise mehr als verzehnfacht. Die Gesellschaft Avianca etwa verlangt für den Endspiel-Flug nach Rio und zurück 2923 Real (etwa 990 Euro), in der Economy-Klasse versteht sich. Den gleichen Flug bekommt man dieser Tage für 223 Real (etwa 75Euro).

          Hotelkosten steigen im Extremfall um das Sechsfache

          Nach Erkenntnissen des staatlichen Fremdenverkehrsamtes Embratur werden auch Hotels in den zwölf WM-Städten ihre Preise massiv anheben: im Durchschnitt um 200 bis 350 Prozent, im Extremfall um das Sechsfache. In Rio wird ein Hotelzimmer während der WM durchschnittlich umgerechnet 336Euro kosten. Ein Hotel in Salvador im Nordosten Brasiliens verlangt für ein Zimmer, das in der vergangenen Woche für rund 75 Euro zu haben war, am Tag eines WM-Spiels mehr als 370 Euro.

          Die Massenproteste vom Juni und Juli in zahlreichen Städten Brasiliens hatten sich auch an den Milliardenausgaben aus dem Steuersäckel für eine Fußball-WM entzündet, die wegen der Wucherpreise für Hotels, Flüge und auch Tickets für den brasilianischen Durchschnittsverdiener unerschwinglich sein wird. Die Regierung in Brasília hat deshalb auf die jüngsten Meldungen über Preiswucher sofort reagiert: Sie hat eine Kommission eingesetzt. Richtpreise oder gar Preisgrenzen will diese zwar nicht festsetzen, dafür aber „Instrumente“ nutzen, um die Rechte der Verbraucher zu schützen, versicherte die Kabinettschefin von Präsidentin Dilma Rousseff. Die Präsidentin hatte den Finalsieg der brasilianischen „Seleção“ mit ihrem Superstar Neymar beim Konföderationen-Pokal – dem Probelauf zur WM – im Maracanã in Rio am 30.Juni nicht im Stadion miterlebt. Denn schon beim Eröffnungsspiel in der Hauptstadt Brasília am 15. Juni war Dilma Rousseff auch wegen der Milliardenausgaben für die Fußball-WM 2014 ausgebuht worden.

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