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Krise der Männlichkeit : Kein Mann ist ein Mann

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Wie wär’s mit etwas Lip Balm, Buddy?

Oh, Tony, du Ideal von einem Krisenmann, wie viele Chancen hast du versemmelt! Würdest du jetzt mit mir durch dieses Kaufhaus streifen, du würdest von einer Ohnmacht in die nächste fallen. Zu Tonys Zeit, als die Männer sich noch rasierten, bestand ihr Rüstzeug aus Schaum und ein bisschen Rasierwasser. Inzwischen sind sie reif für das Komplettprogramm. Man hört es förmlich rufen: „Komm schon, Buddy, gönn deinem Gesicht einen Purifying Face Cleanser, pfleg es mit Anti Fatigue Eye Treatment und leg etwas Hydrating Lip Balm auf, bevor du dir mit dem Beard Conditioner das Gesichtsgemächt formst."

Noch vor ein paar Jahren hätten die Verantwortlichen der Beautykonzerne bei dem Gedanken an Männerkosmetik abgewinkt. „Schön wär's“, hätten sie geseufzt, „aber too bad, denn leider schätzen die Männer ja gerade die Tatsache, dass sie solchen Schnickschnack nicht haben.“ Bis David Beckham ein neues Geschlecht erfand. Als Metrosexueller konnte er Mannschaftskapitän sein und Pfau, Athlet und Fashion Victim, Muskeln haben und einen Haarreif. Die Gegensätze verpufften einfach, und die Branche bekam einen neuen Milliardenmarkt. Nur der Absatz von Schaum und Rasierwasser ist im Keller. Und die Mode? Ist jetzt immer öfter genderless. Viele Designer haben das traditionelle Mann-Frau-Konzept abgeschafft. Keine andere Branche ist so zügig mit der Gleichheit vorangekommen.

Als ich mein Hotel erreiche, loungen ein paar Gäste vor dem Haus in der Abendsonne, rauchen, trinken Kokosnusswasser und essen veganes Bananenbrot. Vom Gesicht der Männer erkennt man wenig. Sie tragen enge Jeans, karierte Filzhemden und Boots und sehen aus, als wünschten sie sich Holzscheite und eine Axt herbei. Das Hipster-Lexikon nennt sie Lumbersexuelle. Nach der Metrosexualität war ja nicht Schluss. Übrigens sitzt auch eine Frau in der Gruppe, sie trägt Boxershorts und Adiletten. Es ist alles schrecklich vertrackt.

Überhaupt, wenn man erst mal damit anfängt, die Männlichkeit zu beobachten, verfolgt sie einen bis in die letzten Winkel. Im Hotel zum Beispiel hängen auf allen Etagen mehrere Bildschirme, und auf jedem läuft der großartigste aller Anti-Männlichkeitsfilme, nämlich „The Big Lebowski“, die Geschichte über den „Dude“, dem es komplett egal ist, welche Rolle irgendeine Gesellschaft von ihm erwartet. Einmal wird er von einem reichen Wichtigtuer gefragt: „Was macht einen Mann zum Mann, Lebowski? Ist es die Fähigkeit zur richtigen Entscheidung, koste es, was es wolle?“ Darauf der Dude relaxt: „Vielleicht. Das und ein paar Klöten.“ Der Film läuft hier im Hotel in Endlosschleife, jeden Tag, immer wieder, das ganze Jahr.

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