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Statistik : Immer mehr Frauen bleiben kinderlos

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Immer weniger Frauen entscheiden sich dafür, Kinder zu bekommen. Bild: dpa

In Deutschland verzichten immer mehr Frauen auf Kinder. Besonders hoch ist die Zahl in Hamburg: Ein Drittel der dort lebenden Frauen ist kinderlos, teilte das Statistische Bundesamt mit.

          In Deutschland bleiben mehr Frauen kinderlos. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin mitteilte, hatten im Berechnungsjahr 2012 zirka 22 von 100 Frauen im Alter zwischen 40 und 44 Jahren kein Kind geboren. Bei Akademikerinnen ist die Kinderlosigkeit besonders ausgeprägt. Der Anteil der kinderlosen Frauen im früheren Bundesgebiet ist mit 23 Prozent deutlich höher als in den neuen Ländern mit 15 Prozent. Dort stieg er allerdings in jüngster Zeit deutlich an. Diese Entwicklung bestimmt nach den Worten des Präsidenten des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, auch maßgeblich das Geburtenniveau. Der entsprechende Mikrozensus wurde 2008 erstmals erhoben.

          Kinderlosigkeit besonders in Stadtstaaten ausgeprägt

          Nach Angaben der Statistiker betrug der Anteil der Frauen in der gleichen Altersgruppe ohne Kind im Jahr 2008 noch 20 Prozent. Der für das Jahr 2012 ermittelte Mikrozensus zeigt auch, dass bei den Frauen, die rein statistisch ihre Familienplanung abgeschlossen haben (ab 49 Jahre), der Anteil der kinderlosen Frauen zunimmt. Liegt dieser bei den Frauen, die zwischen 1937 und 1942 geboren wurden, noch bei 11 Prozent, so beträgt er bei den Frauen, die zwischen 1958 und 1962 geboren wurden, 18 Prozent.

          Besonders ausgeprägt ist die Kinderlosigkeit demnach in den Stadtstaaten. In Hamburg war der Anteil der Frauen ohne Kind mit rund einem Drittel am höchsten. Die Quote stieg in den vergangenen vier Jahren besonders stark in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Betrugen die Quoten 2008 noch rund 10 Prozent lagen sie 2012 bei 15 Prozent. Die geringsten Kinderlosenquoten verzeichneten Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 14 Prozent. Unter den westlichen Flächenländern war der Anteil im Saarland mit 20 Prozent und in Baden-Württemberg mit 21 Prozent am niedrigsten.

          Mütter bleiben zuhause, Väter bleiben erwerbstätig

          Deutschlands Mütter bringen durchschnittlich zwei Kinder zur Welt. Die Verteilung der Mütter nach Zahl der Kinder ist laut Statistischem Bundesamt seit mehr als dreißig Jahren stabil. Nach der Geburt, beziehungsweise in den ersten Lebensjahren eines Kindes sind es vor allem die Mütter, die ihre Erwerbstätigkeit für die Familie unterbrechen oder ganz aufgeben und sich um die Kinderbetreuung kümmern, erläuterte Egeler. Im Jahr 2012 war demnach nur rund jede dritte Mutter mit Kindern unter drei Jahren erwerbstätig. Die Quote der erwerbstätigen Väter lag 2012 bei bis zu 85 Prozent.

          Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sieht mit Blick auf die Entwicklung vor allem die Wirtschaft in der Pflicht. Die Arbeitswelt müsse familienfreundlicher werden und nicht die Familien arbeitsfreundlicher. Derzeit werde jeder zweite neue Arbeitsvertrag nur noch befristet abgeschlossen. Zugleich sei der Niedriglohnsektor deutlich gewachsen, prekäre Beschäftigungsformen hätten zugenommen. Eine Familienplanung sei unter diesen Umständen kaum möglich, so Schwesig, die bei den Koalitionsgesprächen für die SPD die Vorsitzende der Arbeitsgruppe Familie ist.

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