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Stars und die Medien : Misstrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Oliver Kahn steht nicht zu jedem seiner Worte Bild: dpa

Die Medien brauchen Prominente, Prominente brauchen Medien. Manche Stars aber versuchen, deren Arbeit zu steuern - mit zum Teil absurden Auflagen. Einblicke in eine komplexe Beziehung.

          Manchmal kann Journalismus so herrlich unkompliziert sein. Da hat man nur ein, zwei kurze Fragen an die Managerin eines deutschen Stars, wartet auf einen Rückruf, und als das Telefon klingelt, ist der Künstler höchstpersönlich am Apparat. Hat Zeit für ein ausführliches Gespräch, ist freundlich, charmant und zu Scherzen aufgelegt. Wenn alles immer so angenehm verliefe wie jenes Telefonat mit dem Bestsellerautor, Komiker und Fernsehmoderator Dr. Eckart von Hirschhausen, dann wäre der Journalismus, der sich um Prominente dreht, tatsächlich der Traumberuf, der er für Außenstehende sein mag.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tatsächlich aber ist der Alltag für jene, die mit Stars, Sternchen und Sternschnuppen zu tun haben, oftmals ziemlich unerquicklich. Glamour verweht recht schnell, wenn die Reporter sich die Hotelzimmertürklinken in die Hand geben, um jeweils für zwanzig Minuten einem von argusäugigen PR-Leuten umringten Hollywood-Star gegenüberzusitzen, der ihre Fragen, die er schon Hunderte Male gehört hat, mit branchenüblichen Floskeln quittiert. Wer es mit deutscher Prominenz zu tun hat, kommt sich wiederum gelegentlich vor wie ein mittlerer Verwaltungsbeamter, der reichlich Schriftverkehr betreiben und Details von einer höheren Instanz absegnen lassen muss; so ist es hierzulande üblich, dem Gesprächspartner ein Interview oder die wörtlichen Zitate in einem Porträt vor Abdruck vorzulegen und autorisieren zu lassen.

          Autorisierung des gesamten Beitrags

          In manchen Fällen aber wird nochmal deutlich mehr verlangt. Zum Beispiel von - Eckart von Hirschhausen. Ihn hatte die „Süddeutsche Zeitung“ interviewen wollen. Statt eines Interviews jedoch erschien am Montag ein Artikel, in dem der Mann, der ein volles Jahr die Bestsellerliste mit seinem Glücksbuch anführte, ziemlich unglücklich herüberkommt. Das Stück trägt den Titel „Angst und Wahn“ und zitiert eine E-Mail, die Hirschhausens Managerin an die „SZ“-Redaktion geschickt hat. Aufgeführt werden die Voraussetzungen, unter denen das Interview geführt werden sollte, nämlich: Es dürften keine Fragen zum Privatleben gestellt werden; es müsse der gesamte Beitrag, nicht nur die Zitate, zur Autorisierung vorgelegt werden; außerdem hätten Hirschhausen und sein Management das Recht auf eine Textänderung, sofern seine Person nicht korrekt dargestellt werde. Diese „wirklich spektakulären“ Bedingungen nahm die „Süddeutsche“ zum Anlass, das Interview abzusagen und stattdessen zu fragen, warum Hirschhausen „sein Bild derart manisch kontrollieren“ wolle. Und tatsächlich ist es kaum begreiflich, wie jemand, der so erfolgreich und omnipräsent in den Medien ist wie der stets gutgelaunt auftretende Hirschhausen, solche Scheu vor einem Artikel mit womöglich kritischem Unterton haben kann.

          Eckart von Hirschhausens Managerin schreibt Mails

          Der Versuch jedenfalls, das Unheil abzuwenden, ist gründlich missglückt. Nun bemüht sich Hirschhausen um Schadensbegrenzung. Die E-Mail, räumt er ein, habe es wirklich gegeben, sie sei allerdings im Zusammenhang zu sehen mit einem Vorgespräch zwischen dem „SZ“-Autor und seiner Managerin, die darin den Eindruck gewann, im Artikel könnten Details aus Hirschhausens Privatsphäre verbreitet werden. Wie andere Kollegen auch halte er sein Privatleben komplett aus den Medien heraus, so Hirschhausen: „Es war mein Wunsch, dies zu respektieren.“ Daraus und aus der schlechten Erfahrung in einem früheren Fall entstand die, wie er zugibt, „missverständliche und missverstandene Mail“ der Managerin. Keinesfalls aber habe man die Meinungs- oder Pressefreiheit in Frage stellen wollen. Die Entscheidung der „SZ“, die Mail zu veröffentlichen, findet er nicht korrekt, den Artikel über sich unverhältnismäßig: „Ich will nicht als der paranoide Kontrollfreak bezichtigt dastehen, der ich überhaupt nicht bin.“ Direkt nach der Interview-Absage habe seine Managerin noch einmal das Gespräch mit der Zeitung gesucht, aber da, so Hirschhausen, sei die „SZ“ wohl schon „auf der Palme“ und nicht mehr zu stoppen gewesen; der Autor sei nicht mehr zu erreichen gewesen. „Ärgerlich für mich war, dass ich nicht früher involviert war: Ich hätte den Autor einmal angerufen, und die Sache wäre aus der Welt gewesen.“ So aber muss Hirschhausen wenigstens den „SZ“-Lesern als Inbegriff der Hybris gelten, die deutsche Prominente im Umgang mit der Presse an den Tag legen.

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