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Stars und die Medien : Misstrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Die PR-Arbeiter von Damien Hirst boten einmal ein Interview an, bei dem der - mit dem Künstler vermutlich wohlbekannte - Interviewer Teil des Pakets war. Gern werden auch Themen festgelegt, die nicht angesprochen werden dürfen: So will die Modemacherin Stella McCartney keine Frage über ihren noch berühmteren Vater hören. Aufmerksame PR-Wachhunde unterbinden bei Star-Interviews jede ungewollte Wendung. Bei kritischen Geistern bedient man sich besonderer Druckmittel: Da wird der missliebige Modekritiker von einer Schau ausgeschlossen oder dem Blatt, das den Film nicht mochte, das Gespräch mit der Hauptdarstellerin verweigert. Eine weitere Variante führte kürzlich der Schauspieler Martin Wuttke vor, als er ein zur Autorisierung vorgelegtes Interview mit dieser Zeitung auch nach zweieinhalb Wochen nicht freigab - wegen „Arbeitsüberlastung“. Schon gar kein Journalistenfreund ist Til Schweiger, der, wie Lothar Gorris erzählt, „nach Monaten des Bemühens“ dem „Spiegel“ doch noch ein Gespräch bewilligte - aber dafür sorgte, dass die beiden Interviewer seinen neuen Film vorab nicht sehen konnten. Was diese dann gleich anfangs zum Thema machten. „Für das Gespräch war das wunderbar“, sagt Gorris, „ein Geschenk des Himmels.“

Nicht, dass man die Prominenten nicht verstehen könnte; natürlich wird mancherlei Unsinn geschrieben, natürlich überschreitet der Boulevard Grenzen, natürlich ist es legitim, sein Privatleben zu schützen. Mit ihren zum Teil grotesken Auflagen für die Berichterstattung setzen sie die Medien jedoch unter Generalverdacht und erwecken den Eindruck, die eigene Bedeutung extrem zu überschätzen - gerade im Vergleich zu den Kollegen aus Hollywood. Autorisierungen verlangt von ihnen keiner. Ein Weltstar wie Jodie Foster, kritisch beäugt wegen ihrer lesbischen Beziehung und beliebtes Ziel von Stalkern, beantwortet unbekümmert jede Frage des Interviewers und fragt danach freundlich, ob man auch zufrieden sei. Was im fernen Deutschland geschrieben wird, kümmert die internationalen Stars meist herzlich wenig. Nur wenn es gar zu abenteuerlich wird wie jüngst bei dem gefälschten Interview, in dem der „Neon“-Autors Ingo Mocek mit Beyoncé Knowles über den Butterpreis und ihren angeblichen Ehevertrag diskutierte, fragt man doch mal nach.

Text ohne wörtliche Zitate und statt der Fotos Weißraum

Die Allüren der deutschen Prominenten hingegen zeugen von mangelnder Professionalität, von Unsicherheit, vom Bemühen, ja nicht anzuecken und stets nett zu wirken. Die Leserschaft bekommt vom elenden Geschacher um die Interviews nur dann etwas mit, wenn die Journalisten es öffentlich machen - was, ein schwacher Trost für Eckart von Hirschhausen, immer häufiger geschieht. Irritierenderweise entstehen daraus oft Texte, die sich weit spannender lesen als eines der üblichen Gespräche. Das „Zeit-Magazin“ nahm ein nicht freigegebenes Interview mit Oliver Kahn zum Anlass für ein brillantes Psychogramm eines Mannes zwischen Erfolgsdruck und Enttäuschung, die „Welt“-Geschichte über ein zurückgezogenes Interview sagte mehr über Katja Riemann als deren eigene Worte. Die „taz“ und die Zeitschrift „uMag“ sorgten mit dem Abdruck von Gesprächen mit dem SPD-Politiker Olaf Scholz und der Schauspielerin Hannah Herzsprung für Aufsehen, in denen die umfangreichen nicht freigegebenen Passagen geschwärzt waren. Zuletzt war es ausgerechnet die im Umgang mit störrischen Stars geübte „Bunte“-Chefredakteurin Patricia Riekel, die durch Freigabeverweigerung von Zitaten und eigens geschossenen Fotos ein Porträt mit, wie sie fürchtete, „tendenzieller Richtung“ zu verhindern suchte. Das „Zeit-Magazin“ druckte daraufhin einen Text ohne wörtliche Zitate und statt der Fotos Weißraum.

Die Autorisierung der Zitate Eckart von Hirschhausens für diesen Artikel war nach keinen zwei Stunden erledigt. Mit dem Autor des „SZ“-Beitrags hat er inzwischen ein versöhnliches Gespräch geführt; es ist anzunehmen, dass seine Managerin eine derartige Mail nicht mehr verschicken wird. Die „Bunte“-Chefin Riekel haben wir am Telefon nicht erreichen können. Sie hatte keine Zeit.

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