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Stars und die Medien : Misstrauen ist gut, Kontrolle ist besser

„Es gibt auch Leute, die schreiben Fragen um“

Das Verhältnis zwischen Medien und Prominenten beruht auf gegenseitiger Abhängigkeit. Ohne einander können sie nicht, miteinander manchmal aber auch nicht. Die Medien wollen gute Geschichten, die Prominenten gute Presse, was beileibe nicht dasselbe ist, und beide haben handfeste Geschäftsinteressen: Die Journalisten wollen ihr Produkt verkaufen, die Stars zunächst einmal sich selbst, meist aber auch einen neuen Film, ein Album oder ein Buch. Manchmal kommt die Anfrage von den Medien, manchmal - über Unterhändler - von den Stars. Und am Ende wird bisweilen gewaltig gefeilscht: Dann entscheiden die Interviewten, welches Wort, welcher Satz stehenbleiben soll und was sie, auch wenn es das Aufnahmegerät festgehalten hat, im Nachhinein nicht mehr gesagt haben wollen. Nicht selten heißt das: Zittern bis kurz vorm Redaktionsschluss. Die Praxis, Zitate autorisieren zu lassen, hat hierzulande „Der Spiegel“ eingeführt - als Lockmittel für die Politiker, sich beim Gedankensparring des „Spiegel“- Gesprächs nicht zurückzunehmen. Ein solches Gespräch, sagt der „Spiegel“-Autor Hans-Ulrich Stoldt, habe den Vorteil, dass es oft „offener und spontaner“ sei - und den Nachteil, dass die Befragten alles, was ihnen nicht behagt, wieder einkassieren könnten.

Auch bei Gesprächen mit deutschen Showgrößen ist die Autorisierung inzwischen Usus - und kann sich als hilfreich erweisen, wenn der Befragte die Chance ergreift, seine Aussagen zu präzisieren, zu straffen, zu pointieren. So wurde ein Gespräch, das der Autor dieser Zeilen vor Jahren mit Wigald Boning führte und diesem zugegebenermaßen in großer Eile zum Gegenlesen schickte, erst durch das gründliche Redigat des Comedians zum lesenswerten Interview. Unangenehm wird es, wenn etwa in einem Gespräch mit Michael Ballack plötzlich dessen „Berater herumfuhrwerken“, wie sich der „Spiegel“-Ressortleiter Lothar Gorris erinnert. „Es gibt auch Leute, die schreiben Fragen um“, weiß der legendäre „Bunte“-Interviewer Paul Sahner, „und machen daraus eine Frage, die ihnen sympathischer ist.“ In so einem Fall ist es eine Frage der journalistischen Ehre, hart zu bleiben.

Auch Fotos freigeben

Bei welchem Medium man sich auch umhört: Alle behaupten, sich auf derartige Spielchen nicht einzulassen und die Versuche der Stars, in die journalistische Arbeit einzugreifen, abzuwehren. Und doch muss es sie geben, die schwarzen Schafe, die Zugeständnisse machen und damit die Position der gesamten Zunft schwächen; anders wäre es kaum zu erklären, dass die Forderungen immer dreister werden.

Fast schon die Regel ist es, dass Schauspieler, vor allem aber Schauspielerinnen nicht nur ihre Worte, sondern auch die Fotos freigeben wollen; die Sängerin Annett Louisan hat einmal ein offenbar eigenhändig und dilettantisch retuschiertes Bild zurückgeschickt, und auch die bösen Jungs von Rammstein scheinen großen Wert darauf zu legen, dass sie auf Fotos nicht zu lieb aussehen. Manche bestehen darauf, nicht nur Zitate, sondern das komplette Porträt abzusegnen, einschließlich Überschrift und Bildunterschriften. Vor Interviews mit Schauspielern wie Martina Gedeck werden gern Vereinbarungen zur Unterschrift vorgelegt, die bei Zuwiderhandlung mit hohen Geldstrafen drohen. „Diese unverschämten Ansinnen kommen ja meistens vom Management oder von den Anwälten und Beratern“, sagt Sahner. „Man muss denen auch mal die Grenzen aufzeigen.“

Besondere Druckmittel

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