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St. Petersburg : Am Meere lassen wir uns nieder

  • -Aktualisiert am

Putin lädt in den barocken Konstantin-Palast Bild: dpa/dpaweb

Das Fest hat begonnen. Mit Lasershows und Wasserspielen, Feuerwerk und Schachturnieren, Gottesdiensten und Banketten feiert St. Petersburg seinen 300. Geburtstag und hofft auf dauerhaften Ruhm.

          Das Fest hat begonnen. Mit Lasershows und Wasserspielen, Feuerwerk und Schachturnieren, Gottesdiensten und Banketten feiert St. Petersburg seine 300 Jahre währende Existenz. Man ist bestens gerüstet: Die Polizei hat englisch-russische Sprachführer erhalten, damit sie den Touristen etwa bedeuten kann: "It's late, please be quiet." Zehn Flugzeuge der russischen Luftwaffe stehen bereit, um mit Geschossen aus Trockeneis jedes Wölkchen, das die Feier stören könnte, frühzeitig zum Abregnen zu zwingen. Am Wochenende werden 45 Staatschefs aus aller Welt erwartet, unter ihnen George Bush, Tony Blair, Jacques Chirac und Gerhard Schröder. Die Stadt an der Newa wird zumindest für einige Tage das sein, als was sie gegründet wurde und was sie 200 Jahre lang war: die Hauptstadt Rußlands.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          An diesem Dienstag ist Geburtstag. Am 27. Mai 1703 hatte man den Grundstein für die Festung "Sankt-Piter-Burch" gelegt, nachdem Peter der Große zu Beginn des Nordischen Krieges den Schweden das Gebiet abgenommen hatte. An dem strategisch günstig gelegenen Platz, einem eisfreien Ort am Finnischen Meerbusen, ließ der russische Zar seine neue Hauptstadt errichten - 1712 ließ er von Moskau in sein "Paradies" umziehen. Leibeigene mußten die Stadt in einer Sumpflandschaft errichten.

          Putin lädt alle Regierungschefs der EU

          Allein beim Bau der Peter-und-Pauls-Festung kamen 100 000 Menschen um. Doch die Empörung über das grausame Großprojekt wich bald der Bewunderung für die von französischen und italienischen Baumeistern entworfene Imperiale. 130 Jahre nach dem Beschluß, die Kapitale im nordischen Morast zu bauen, verherrlichte Alexander Puschkin den Gründungsakt in seiner Verserzählung vom "Ehernen Reiter", dem Standbild Peters des Großen, das dieser Tage in neuem Glanz am Newa-Ufer steht: "Von nun an drohen wir dem Schweden, hier wird's in Zukunft eine Stadt zum Trotz des eitlen Nachbarn geben. Hier stoßen wir im Zeitenlauf ein Fenster nach Europa auf, am Meere lassen wir uns nieder. Wir werden durch den neuen Strand bei allen Völkern rasch bekannt, hier feiert man, kommt gerne wieder."

          Das wünscht sich auch Wladimir Putin, der aus Petersburg stammende Präsident. Als Gastgeber lädt er seine Besucher nun in den barocken Konstantin-Palast ein - darunter alle Regierungschefs der Europäischen Union, natürlich auch die Schweden. Noch vor einem Jahr war der mehrfach ausgebrannte Palast, mit dessen Bau noch 1720 unter Peter dem Großen begonnen worden war, vollkommen heruntergekommen, die Parkanlage verwildert. Doch zeitweise bis zu 7000 Bauarbeiter und Restauratoren schafften es in einer typisch russischen Kraftanstrengung, aus dem verfallenen Komplex ein luxuriöses Kongreßzentrum zu machen. Dafür hat man 280 Millionen Dollar verbaut. Rußlands Superreiche, die Oligarchen und großen Ölkonzerne, wurden vom Bauherrn, der Präsidialverwaltung in Moskau, dafür zur Kasse gebeten - sie wissen, daß man es sich mit dem Kreml besser nicht verdirbt. Nun, so sagt des Kremls Chefverwalter Wladimir Koschin, sei sogar schon der Tokajer im Keller des 9500 Quadratmeter großen Palastes eingelagert. Für die Regierungschefs wurden neben dem Palast Villen mit Schwimmbad und Sauna errichtet. Das diplomatische Gefolge muß mit einem Fünf-Sterne-Hotel, dem "Baltischen Stern", vorliebnehmen.

          Das Jubiläum hat Sankt Petersburg Geld gebracht

          Das Jubiläum hat Petersburg seit Jahrzehnten wieder das gebracht, was die Stadt schon lange dringend braucht - Geld, um seine einmaligen Baudenkmäler zu erhalten. Seit 1914 habe die Stadt keine ihren Bedürfnissen entsprechende Finanzierung mehr erhalten, sagte am Montag ein Kreml-Sprecher. Damals hatte die Stadt ihren ersten Bruch mit ihrer europäischen Tradition erlebt: Der deutsch klingende Name "Sankt Petersburg", so die russische Bezeichnung, wurde im Zuge der antideutschen Kriegsstimmung im August 1914 in Petrograd umgewandelt. Drei Jahre später war die Stadt der Schauplatz eines Staatsstreiches, der später als Große Sozialistische Oktoberrevolution mit allerlei unpassenden Adjektiven belegt wurde. In der Nacht zum 11. März 1918 siedelte die Sowjetregierung unter dem Vorsitz des Revolutionsführers Lenin nach Moskau über, in die alte russische Hauptstadt, die im Gegensatz zu Petersburg für russische Selbstbezogenheit statt für Offenheit nach Europa gestanden hatte. Fünf Tage nach dem Tod Lenins, am 26. Januar 1924, wurde Petrograd dann in Leningrad umbenannt.

          Schauplatz des Großen Terrors

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