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SS-Symbol auf Lastwagen : Schwarze Sonne

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Das Ornament der „Schwarzen Sonne“ wurde in der Wewelsburg von der SS angebracht. Bild: LAIF

Die Stadt Waltrop streitet sich mit einem Spediteur. Dieser hat seine Lastwagen mit großen, schwarzen Sonnen geschmückt - ein Symbol, das einst die SS verwendete und heute in rechtsextremen Kreisen beliebt ist.

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          In Waltrop, einer kleinen Stadt am Rand des Ruhrgebiets, sind die Lastwagen einer örtlichen Spedition seit geraumer Zeit mit einer „Schwarzen Sonne“ geschmückt. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, würde die schwarze Sonne nicht von der rechtsextremen Szene in Deutschland als Ersatzsymbol für das verbotene Hakenkreuz benutzt. Sie besteht aus drei übereinandergelegten Hakenkreuzen.

          Die SS brachte das Ornament an der von ihr genutzten Wewelsburg an, dem ehemaligen Residenzschloss der Paderborner Fürstbischöfe. Seit Beginn der neunziger Jahre entstand in der rechten Szene eine Art Kult um diese Zeichen. Der Bundesverfassungsschutz hat allerdings schon darauf hingewiesen, dass die schwarze Sonne nicht von den Nazis erfunden wurde und auch von anderen verwendet wird, etwa in Esoteriker-Kreisen.

          Das Zeichen ist nicht verboten

          Vor knapp zwei Jahren erschienen die Sonnen-Lastkraftwagen der Spedition „Richter Deutschland“ zum ersten Mal in einem neu errichteten Gewerbegebiet Waltrops, Tausende Autofahrer hatten jeden Tag einen guten Blick darauf. Nach Unmutsäußerungen aus der Bürgerschaft versuchte die Stadt, gegen das Symbol auf den Fahrzeugen vorzugehen und erließ ein generelles Parkverbot für Lastwagen in dem Gebiet. Erfolg hatte sie nicht: Wenige hundert Meter entfernt erschienen die Lastwagen-Sonnen wieder im Stadtbild.

          Den Waltropern sind die Hände gebunden, denn rechtlich kann niemand gegen die Symbolik vorgehen. Das Zeichen ist in Deutschland nicht verboten. „Es ist ziemlich schwierig etwas dagegen zu machen“, sagt der Stadtjurist Stefan Schlarb. Die Spedition gehört Uwe Richter, dem Besitzer eines Möbelmarktes in Waltrop. Er bestreitet, dass die Verwendung der schwarzen Sonne auf seinen Fahrzeugen politische Hintergründe hat. „Ich habe mich aus Geschmacksgründen für dieses Symbol entschieden“, sagt Richter.

          Bei der Stadt Waltrop ist man davon nicht überzeugt. Schließlich hätten Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes bei einem dienstlichen Besuch in den Büroräumen der Spedition eine Entdeckung gemacht: hinter einem Schreibtisch hänge ein Foto Adolf Hitlers. Außerdem heiße Richters Hund „Himmler“. Richter bezeichnet diese Vorwürfe als „absolut gelogen“. Er habe gar keinen Hund und überlege sich, ob er rechtlich gegen die Anschuldigungen vorgeht.

          Anzeige wegen übler Nachrede

          Derweil geht die Auseinandersetzung auf den Straßen von Waltrop weiter. Die „Schwarze Sonne“ ist auf den Speditionsfahrzeugen nur noch zensiert zu sehen. Wie der Internet-Blog „Ruhrbarone“ dokumentierte, ist das Symbol mittlerweile von dem aufgesprühten Schriftzug „Censored by Burcki+Voßi“ überzogen. Zudem sind zwei fies grinsende Clowns abgebildet.

          „Burcki“ bezieht sich dabei nach Angaben des Stadtjuristen Stefan Schlarb auf den Namen des städtischen Wirtschaftsförderers Burkhard Thiessen, „Voßi“ auf den Leiter des Ordnungsamtes Martin Voskort. Thiessen und Voskort mutmaßen, Uwe Richter habe den Schriftzug auf seinen Lastwagen anbringen lassen. Die Stadt erstattete Anzeige wegen übler Nachrede. Die allerdings wurde von der Staatsanwaltschaft Bochum zurückgewiesen.

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