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Geheimdienste : Chinesische Spioninnen verführen Diplomaten

  • -Aktualisiert am

Die chinesischen Agentinnen werden auf ausländische Diplomaten und Geschäftsmänner angesetzt. Bild: Reuters

China hat Hunderte attraktive Chinesinnen auf westliche Diplomaten angesetzt: Sie sollen die Männer verführen und erpressen. Jetzt hat es anscheinend einen Botschafter getroffen.

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          Ist der niederländische Botschafter in China in eine „Honigfalle“ getappt? Der 58 Jahre alte Diplomat hatte, so berichten es niederländische Zeitungen, eine Affäre mit einer chinesischen Botschaftsangestellten. Das niederländische Außenministerium beorderte den Botschafter zurück und suspendierte ihn vom Dienst. Gegen Ron Keller läuft nun eine Untersuchung. Es bestehe die Gefahr, dass die Chinesin eine Spionin war. Eine Affäre mit einer chinesischen Mitarbeiterin, so hieß es, habe den Diplomaten auch erpressbar gemacht.

          Die chinesischen Geheimdienste stehen in dem Ruf, ausländische Männer, die für China von politischem oder geschäftlichem Interesse sind, in „Honigfallen“ zu locken. Attraktive Frauen werden auf die Männer angesetzt. Auch in der chinesischen Sprache gibt es einen speziellen Ausdruck für diese Art der Verführung. Sie heißt „Das Strategem der schönen Frau“, ist so alt wie die chinesische Zivilisation und scheint äußerst erfolgreich zu sein.

          Hunderte attraktive Spioninnen

          Nach einem Memorandum des britischen Geheimdienstes, das im vergangenen Jahr bekannt wurde, hat der chinesische Geheimdienst Hunderte attraktiver Frauen, die besonders auf pensionierte britische Agenten des MI6 angesetzt werden. Sie horchten ihre Opfer aus und erpressten sie in einigen Fällen. Die schönen Spioninnen seien eine große Bedrohung der Sicherheit Großbritanniens.

          Im Jahr 2008 lief ein Mitglied der Regierungsdelegation des damaligen Premierministers Gordon Brown bei einem Besuch in China in eine „Honigfalle“. Er hatte eine chinesische Frau mit in sein Hotel genommen, wurde dort unter Drogen gesetzt und kam am nächsten Tag ohne seine Brieftasche, seinen Blackberry und wichtige Dokumente zu sich.

          Chinesen warnen vor gutaussehenden westlichen Männern

          Obwohl es sich in so einem Fall auch um einen kriminellen Akt handeln könnte, erscheint es unwahrscheinlich, dass im sicherheitsbewussten China einem Mitglied einer gut überwachten ausländischen Regierungsdelegation so etwas widerfahren könnte. Die Briten waren nach dem Vorfall jedenfalls ausreichend beunruhigt und gaben der neuen Premierministerin Theresa May und ihrer Delegation vor ihrer Reise zum G-20-Gipfel im September nach China auf, besonders vorsichtig zu sein.

          Auch bei der Rekrutierung von Spionen in Taiwan setzt der chinesische Geheimdienst offenbar öfter schöne Frauen ein. Der taiwanische General Lo Hsien-che wurde als Spion rekrutiert, nachdem er in Bangkok eine Affäre mit einer Chinesin begonnen hatte, die sich als Geschäftsfrau ausgab, aber eine Agentin war. Aus Japan wurde berichtet, dass Manager von IT-Konzernen in Bars von chinesischen Frauen nach Trinkgelagen und Sex über Industriegeheimnisse ausgehorcht wurden.

          In China wird nicht über diese Spezialagentinnen berichtet. Stattdessen warnt die chinesische Regierung ihrerseits vor gutaussehenden westlichen Männern, die ahnungslose chinesische Frauen verführten, um von ihnen Geheimnisse zu erfahren. Im Rahmen der „Erziehung zur Nationalen Sicherheit“ wurde kürzlich ein Bilder-Cartoon in amtlichen Aushängen gezeigt, der die Verführung einer Staatsangestellten durch den Ausländer „David“ als abschreckendes Beispiel darstellt. „David“ posiert als Wissenschaftler, ist aber ein Spion, und die verliebte Chinesin wird von der Staatssicherheit für den Verrat von Staatsgeheimnissen vor Gericht gebracht.

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