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Spielwaren : Vater des „Bobby Car“ gestorben

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Erfolg mit schnellen Flitzern: Ernst Bettag Bild: dpa

Spielwarenfabrikant Ernst A. Bettag erzielte 1956 mit der Umstellung von Blech- auf Kunststoff-Spielzeug den unternehmerischen Durchbruch. Sein Bobby-Car hielt er für ein hässliches Entlein.

          Der Spielzeugfabrikant und Erfinder des „Bobby- Car“, Ernst A. Bettag, ist am Ostermontag im Alter von 74 Jahren gestorben. Dies teilte am Mittwoch die BIG-Spielwarenfabrik in Fürth mit, deren Gründer und Alleininhaber Bettag war. Der gebürtige Nürnberger war 1954 in die Spielzeugproduktion eingestiegen. 1972 begann mit dem „Bobby-Car“ die Erfolgsgeschichte des Unternehmens. Mehr als 30 Millionen der robusten Rutschautos, die fast jedes Kind kennt, rollten seitdem von den Bändern. Das Unternehmen werde „in seinem Sinne weitergeführt“, teilte BIG mit.

          Bettags Leben war eine klassische Erfolgsstory. Als frisch gebackener Diplom-Elektronik-Ingenieur übernahm er 1954 die angeschlagene Metallwarenfabrik Johann Hoefler - ein auf Blechspielzeug spezialisierter Betrieb. Zwei Jahre später feierte Bettag mit der Umstellung der gesamten Spielwarenproduktion auf Kunststoff den Durchbruch. Für seine Pionierarbeit erhielt er die Rudolf Diesel Medaille.

          "Ich habe meinen Spaß gehabt"

          Der ideenreiche Unternehmer galt als unkompliziert und ehrlich, aber auch als cleverer und knochenharter Geschäftsmann. Sein erfolgreiches Leben bilanzierte der „Big Boss“ einmal mit Humor: „Ich habe meinen Spaß gehabt“, sagte er. „Das hat sich alles von selbst ergeben.“

          Bis heute haben insgesamt mehr als 50 Millionen Kinderfahrzeuge mit dem charakteristischen BIG-Büffel am Kühler die Fabrik verlassen. Allen voran das 1972 auf den Markt gebrachte „Bobby Car“. „Ich habe das Bobby Car am Anfang als hässliches Entlein angesehen“, erinnerte sich Bettag anlässlich seines 70. Geburtstags am 18. April 1999. „Aber das Publikum hat es gemocht. Und es war eine Marktlücke.“ Traktoren, Lastwagen und Motorräder ergänzen das klassische Rutscherauto.

          1998 erlebte Bettag den wohl schwersten Rückschlag: Ein Feuer vernichtete die gesamten Produktionsanlagen im Wert von 50 Millionen Euro. Bettag ließ seinen angekündigten Ruhestand sausen und krempelte erneut die Ärmel hoch. Innerhalb von zwölf Monaten wurde für 30 Millionen Euro in Burghaslach, direkt an der Autobahn 3 Würzburg-Nürnberg, eine der modernsten Spielzeugfabriken Europas gebaut. 2002 erzielte das Unternehmen mit 186 Mitarbeitern einen Umsatz von 22 Millionen Euro und konnte entgegen dem Branchentrend um fünf Prozent zulegen.

          Das Tagesgeschäft hatte Bettag in den vergangenen Jahren an zwei Geschäftsführer abgegeben, doch bis zuletzt kümmerte er sich auch selbst noch um geschäftliche Dinge. Für seine Verdienste erhielt Bettag das Große Bundesverdienstkreuz am Band und die Goldene Bürgermedaille der Stadt Fürth.

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