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Spanisches Königshaus : Der Herzog gibt dem Sozius die Schuld

  • -Aktualisiert am

Iñaki Urdangarin auf dem Weg zur Verhandlung Bild: AFP

Zum ersten Mal in der Geschichte der spanischen Monarchie musste ein Angehöriger des Königshauses im Zuge eines Finanzskandals vor Gericht erscheinen. Der Schwiegersohn von Juan Carlos, Iñaki Urdangarín, beteuerte seine Unschuld.

          Es geschah an dem Tag, da das versunkene spanische Gold aus Amerika zurückkehrte, dass ein Richter auf Mallorca den Schwiegersohn des Königs fragte, wo denn all sein schönes Geld aus öffentlichen Kassen geblieben sei - und wie viel davon zum Beispiel in einem Steuerparadies in der Karibik versunken sei. Die Symbolik des Zufalls entbehrte nicht der Ironie. Während am Samstagmorgen auf dem Luftwaffenstützpunkt Torrejón bei Madrid zwei Hercules-Transporter den siebzehn Tonnen schweren Schatz aus Florida brachten, den die Entdecker des Unternehmens Odyssey Marine Exploration zurückgeben mussten, begann zu gleicher Stunde in Palma des Spießrutenlauf des Herzogs vom Palma.

          Der 43 Jahre alte Iñaki Urdangarin, ein sichtlich abgemagerter Zweimetermann, entstieg in korrektem Blazer mit silberner Krawatte vor dem Gericht in der Via Alemania einem blauen Opel, gegen den sogleich ein Ei geflogen kam. Der Ehemann der Infantin Cristina, der jüngsten Tochter von König Juan Carlos, wahrte indes die Contenance, auch als er die Schmährufe „Gauner“ und „Schmarotzer“ hörte. Etwa 200 Demonstranten, unter ihnen radikale Antimonarchisten aus der Unabhängigkeitsszene der Baleareninsel, hatten sich hinter den Polizeisperren eingefunden und applaudierten bei seiner Ankunft dem Ermittlungsrichter José Castro. Doch es waren nicht nur indignierte „Republikaner“, die der Krone lautstark die Pest an den Hals wünschten. Da waren auch die empörten Stimmen aus dem darniederliegenden Krisenspanien, die ihm zuriefen: „Und alles von unseren Steuergeldern.“

          Die Wahrheit finden, die Ehre verteidigen

          Der Herzog ging, so wie es das spanische Justizprotokoll verlangt, die letzten 200 Schritte zu Fuß zum Gerichtsgebäude, obschon er „aus Sicherheitsgründen“ ausnahmsweise bis zur Tür hätte vorfahren können. Dann stellte es sich sogar den Dutzenden ihm entgegen gestreckten Mikrofonen, um mit fester Stimme versichern: „Ich bin hier, um die Wahrheit aufzuklären und meine Ehre zu verteidigen.“ Es war das erste Mal in der demokratischen Geschichte der spanischen Monarchie, dass ein Mitglied des Königshauses als Verdächtiger in einem Korruptionsverfahren zur Aussage vorgeladen war. Als Urdangarin den Saal betrat, saß dort schon der Richter unter einem Bild seines Schwiegervaters, und es begannen neun Stunden Vernehmungen, die am Sonntag noch mit Hilfe der Staatsanwälte fortgesetzt wurden. Der Herzog, der noch nicht offiziell angeklagt wurde, wird beschuldigt, vier Delikte begangen zu haben: Missbrauch öffentlicher Mittel, Betrug, Dokumentenfälschung und Rechtsbeugung.

          Wohlerzogen und formvollendet, so hieß es, habe der Herzog auf alle Fragen geantwortet und die ganze Schuld seiner ehemaligen „rechten Hand“ Diego Torres zugeschoben. Er selbst habe sich als Präsident der „gemeinnützigen“ Stiftung Nóos nicht mit buchhalterischen Einzelheiten beschäftigt. Seine Frau, die als Mitgesellschafterin fungierte, sei über allen Verdacht einer Mitwisserschaft erhaben. Im übrigen bestätigte er aber, dass der König ihn im Jahr 2006 angewiesen habe, mit all diesen Geschäften aufzuhören.

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