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Spanische Hofreitschule : Capriole ins Weltkulturerbe

Der Laie nennt es einen Sprung, der Kenner weiß: Der Reiter und sein Lipizzaner aus der Spanischen Hofreitschule führen ein Kunststück auf. Bild: dpa

Die Tradition der klassischen Reitkunst wird an der Spanischen Hofreitschule in Wien seit mehr als 450 Jahren gepflegt. Nun wurde sie in das Verzeichnis für das immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen.

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          Die Reitkunst, die an der Spanischen Hofreitschule in Wien ausgeübt wird, ist in das Verzeichnis für das immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen worden. Das ist während einer Unesco-Tagung in Windhoek (Namibia) beschlossen worden, wie am Mittwoch mitgeteilt wurde. Die Tradition der klassischen Reitkunst wird seit mehr als 450 Jahren in Wien gepflegt und mündlich sowie praktisch von den staatlich angestellten Bereitern jeweils an die nächste Generation weitergegeben.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          In dieser Hinsicht ist die österreichisch-republikanische Hofreitschule einzigartig. Nicht einmal das Königreich Spanien kann eine solche Tradition aufweisen, obgleich die Zuchtpferde, Vorläufer der Lipizzaner, einst von dort nach Wien importiert worden sind. Markenzeichen sind Figuren wie Capriole, Levade und Courbette, welche ein Laie vielleicht als Sprünge ansehen würde, an der Spanischen Hofreitschule aber nur korrekt als die „Schulen über der Erde“ bezeichnet werden.

          Die Regierung in Wien und die Leitung der Hofreitschule feierten die Entscheidung. Generaldirektorin Elisabeth Gürtler bezeichnete die Institution als „Teil der Identität“ Wiens und Österreichs und verwies auf die Tradition seit der k.u.k. Monarchie. Die Generaldirektorin wird gerne gehört haben, dass Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) auch von der Verpflichtung sprach, „dieses Erbe weiter zu pflegen und zu erhalten“. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP), aus dessen Budget dies bestritten werden muss, kam auf praktische Aspekte zu sprechen, nämlich die jährlich 300.000 Besucher aus aller Welt.

          Seit 2008 wird die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit geführt. Sie umfasst nach Unesco-Angaben 314 immaterielle kulturelle Ausdrucksformen aus allen Weltregionen. Verzeichnet sind beispielsweise der Tango (Argentinien und Uruguay), die tibetische Oper oder die Manden Charta in Mali, die als älteste Verfassung der Welt gilt. Deutschland hat erst dieses Jahr seine erste internationale Nominierung eingereicht. Es will die „Idee und Praxis der Organisation von gemeinsamen Interessen in Genossenschaften“ zum kodifizierten immateriellen Kulturerbe beitragen. Auf seine Weise ist das vielleicht typisch für Deutschland, aber nicht so einzigartig, wie es die Hofreitschule in Österreich ist.

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