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Spanien : Frau mit Vergangenheit

  • -Aktualisiert am

Vorlaute Prinzessin in spe Bild: AP

Die spanischen Medien beschäftigt derzeit, wie aus der spanischen "Señorita Tagesschau" Letizia Ortiz eine "Königliche Hoheit" wird.

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          Madrid, im Januar. Was muß eine junge Frau, die Königin werden will und soll, nicht alles wissen. Und wie nervenaufreibend ist es für die Untertanen und die Medien ihrer künftigen Majestät, ihr dabei nicht ständig über die Schultern schauen zu können. Daß Letizia Ortiz, die Braut des spanischen Kronprinzen Felipe von Bourbon, selbst Journalistin ist, macht die Sache nur noch pikanter. Wie viele ihrer alten Kollegen haben nicht - vergeblich - versucht, sie anzurufen, um als letzten Freundschaftsdienst wenigstens eine klitzekleine Exklusivität zu ergattern.

          Aber Doña Letizia, die nach der Hochzeit am 22. Mai Prinzessin von Asturien heißen und "Königliche Hoheit" genannt werden wird, ist der Neugierde der Welt vorübergehend mit professionellem Blockadewillen entrückt. Sie, die als "Señorita Tagesschau" noch bis kurz vor der Verlobung allabendlich in die Stuben von Millionen Spaniern kam, um ihnen die Nachrichten zu präsentieren, wohnt im Gästeflügel des Zarzuela-Palastes, dem Bräutigam und den künftigen Schwiegereltern König Juan Carlos und Königin Sofia zum Greifen nahe. Sie hat ihre Wohnung aufgegeben und ihren Job gekündigt. Selten war sie bisher an der Seite des Prinzen zu sehen. Einer der wenigen öffentlichen Anlässe war die Feier zum 25. Jahrestag der spanischen Verfassung. Bei nicht ganz geheimzuhaltenden Weihnachtseinkäufen kam es sogar zu ein paar unerfreulichen Ruppigkeiten zwischen ihren neuen Leibwächtern und den seit dem verliebten Gartenspaziergang im November ausgehungerten Fotografen.

          Die Unterstellungen in den Klatschspalten

          Die Arbeiten der schreibenden und redenden Zunft kreist derweil um fünf Hauptattribute der Braut: schön, intelligent, ehrgeizig, bürgerlich und geschieden. An dem ersten konnten selbst jene Karikaturisten nichts ändern, die ihr Kinn ins Endlose verlängerten. An der Intelligenz der Karrierefrau (Zeitung, Rundfunk, Fernsehen) oder gar ihrem literarischen Geschmack zu zweifeln war spätestens seit dem Zeitpunkt nicht mehr möglich, als sie angab, Rainer Maria Rilkes "Duineser Elegien" zu ihren Lieblingsbüchern zu zählen. Beim Ehrgeiz wurde es schon heikler, als die Autoren des ersten Schnellschußbuches über die "Operation Letizia" - die "Herzblatt"-Journalisten Paloma García-Pelayo und Angela Portero veröffentlichten "Du wirst meine Königin sein" ("Tú serás mi Reina") - die Verlobung als Ziel einer "geplanten und komplexen Strategie" schilderten, mit welcher die 31 Jahre alte gebürtige Asturianerin den 35 Jahre alten Felipe umgarnt habe.

          Einer der wenigen offiziellen Auftritte, die Letizia Ortiz bisher zu bewältigen hatte - so am 6. Dezember anläßlich des 25. Jahrestages der spanischen Verfassung im Parlament in Madrid
          Einer der wenigen offiziellen Auftritte, die Letizia Ortiz bisher zu bewältigen hatte - so am 6. Dezember anläßlich des 25. Jahrestages der spanischen Verfassung im Parlament in Madrid : Bild: EFE

          Von A, wie Ambition, war es nur ein Schritt zu B, wie die Bürgerliche. Hier füllten zwei Unterstellungen die Klatschspalten: daß König Juan Carlos mit der Wahl seines Sohnes zunächst gar nicht einverstanden gewesen sei und daß der spanische Hochadel, der bald vor der "plebejischen" Enkelin eines Taxifahrers knicksen muß, bei dem Überangebot noch lediger blaublütiger Spanierinnen auch nicht gerade amüsiert gewesen sei. Die 398 spanischen Granden und die übrigen 2723 Träger niedrigerer Titel haben sich bisher aber nicht mit unvorsichtigen Äußerungen erwischen lassen. Und ob Felipe seinem Vater tatsächlich ein Ultimatum - inklusive Drohung mit Thronverzicht - gestellt hat, blieb ebenfalls en famille. Als der leutselige Juan Carlos selbst als erster die Verlobung bekanntgab, wirkte er jedenfalls fröhlich und aufgeräumt.

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