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Space Shuttle : Krisensitzungen und Fehlersuche bei der Nasa

  • Aktualisiert am

„Discovery” auf der Startrampe: Woher stammt der Fehler? Bild: AP

Die Nasa gerät unter Druck. Der gestoppte Start der „Discovery“ nährt nicht nur die Zweifel an der Sicherheit der Shuttles, sondern bringt womöglich die ISS in ernste Schwierigkeiten. Die Russen kritisieren daher die „Panik“ der Amerikaner.

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          Fieberhaft und unter enormem Zeitdruck haben die Ingenieure in Cape Canaveral am Donnerstag nach dem Fehler an der Raumfähre „Discovery“ gesucht, der zur Verschiebung des ersten Shuttle-Starts seit der „Columbia“-Katastrophe vor knapp zweieinhalb Jahren geführt hatte. Die „Discovery“ startet frühestens Sonntag. Das teilte die Weltraumbehörde Nasa am Donnerstag abend mit. Doch sei auch dieser Starttermin äußerst optimistisch, sagte der stellvertretende Manager des Shuttle-Programms, Wayne Hale. Im Laufe des Tages war noch von Samstag die Rede gewesen.

          Vor dem Start müssen die Nasa-Experten klären, warum vor dem geplanten Termin am Mittwoch ein Problem an einem der Treibstoffsensoren aufgetreten war. Spätestens bis Ende Juli muß die „Discovery“ zur Internationalen Raumstation ISS aufbrechen. Gelingt dies nicht, müssen die Astronauten bis mindestens 9. September warten - erst dann ist die ISS wieder in der richtigen Position, um von dem Shuttle erreicht zu werden. Und das, obwohl die Raumfähre die ISS mit dringend benötigten Ersatzteilen und Ausrüstungsgegenständen versorgen muß.

          „Eine Menge langer Gesichter“

          Die Nasa hatte den Start der „Discovery“ weniger als drei Stunden vor Abflug abgesagt, weil Ingenieure ein Problem an einem der vier Treibstoffsensoren entdeckt hatten. Diese Sensoren ermitteln die Menge des noch vorhandenen Treibstoffs. Die sieben Astronauten waren zum Zeitpunkt der Absage bereits auf ihren Sitzen festgeschnallt. „Im Kontroll-Zentrum hat es eine Menge langer Gesichter gegeben“, sagte ein Nasa-Sprecher.

          Nasa-Chef Griffin in Erklärungsnot

          Den Experten zufolge handelt es sich um eine zeitweilige Störung ohne erkennbare Ursache - daher sei die Problemlösung schwierig. „Es bleibt gegenwärtig eine unerklärte Anomalie. Es erinnert mich an einen alten Laster mit einem zeitweiligen Elektrikproblem“, sagte der stellvertretende Leiter des Raumfährenprogramms, Wayne Hale. „Unerklärliche Anomalien sind die schlimmsten.“

          Russen kritisieren Abbruch des Starts

          Die Ingenieure trafen sich am Donnerstag zu einer Krisensitzung in Florida, später sollten sich die Verantwortlichen des Raumfähren-Programms hinter verschlossenen Türen zusammensetzen. Doch auch nach diesen Treffen dürfte es noch keinen konkreten Zeitplan für den Start geben. Spätestens in dem nächsten Zeitfenster ab dem 9. September müßte die „Discovery“ starten, weil sonst die ISS ernsthaft gefährdet ist. Deshalb gab es zu allem Frust auch noch Kritik von russischer Seite. Der Defekt eines Treibstoffsensors brauche „keine Panik“ auszulösen, sagte der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Anatoli Perminow am Donnerstag dem russischen Fernsehsender NTW. Er persönlich glaube, daß die „Discovery“ trotz des Mangels hätte starten können. Die Verzögerung sei mit Blick auf die weiteren Planungen für die ISS „keine gute Sache“.

          Die meisten Beobachter gehen davon aus, daß an einem Erfolg des „Discovery“-Fluges die Zukunft der bemannten Raumfahrt der Nasa an sich hängt. Nasa-Chef Michael Griffin bezeichnete die Mission als „absolut wichtig für die Nasa, für die Nation, für unser Weltraumprogramm, eine sichere Mission zu fliegen“. Mit ihren amerikanischen Kollegen hofft die europäische Raumfahrtorganisation Esa weiter auf einen Erfolg. Denn die amerikanischen Raumfähren sollen bei künftigen Missionen auch das „Columbus-Labor“ zur Internationalen Raumstation bringen, deren Ausbau wegen des Ausfalls der Fähren ruhte. Außerdem sollen mit den Shuttles künftige Missionen realisiert werden: Thomas Reiter aus Deutschland soll mit dem nächsten Flug im September zu einem sechsmonatigen Aufenthalt auf der ISS aufbrechen. Sein schwedischer Kollege Christer Fuglesang bereitet sich auf eine Raumtransportermission Anfang 2006 vor.

          Crew bleibt in Cape Canaveral

          Die „Discovery“-Crew blieb einstweilen in Cape Canaveral und nahm das Training für den Raumflug wieder auf. Sollte die Raumfähre auch am Samstag nicht starten können, würden sie wahrscheinlich nach Houston zurückkehren, teilte die Nasa mit.

          Schlechtes Wetter und technische Probleme haben die Starts von Raumfähren häufiger verzögert. Auf der „Discovery“ allerdings ruhen die Augen der Öffentlichkeit: Es soll der erste Fährenstart ins All sein seit dem „Columbia“-Unglück. Damals hatte sich beim Start ein Schaumstoffteil von einem Treibstofftank gelöst und eine Tragfläche der „Columbia“ beschädigt. Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre riß sie auseinander. Alle sieben Astronauten an Bord kamen dabei ums Leben. Nasa-Experten zufolge war der am Mittwoch abgesagte Start auch Ausdruck eines neuen Risikobewußtseins seit dem „Columbia“-Unglück.

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