https://www.faz.net/-gum-o80o

Sonnensturm : Wieder ist die Sonne nicht explodiert

  • -Aktualisiert am

Kurz vor Mitternacht: Polarlicht in Itzehoe Bild: dpa/dpaweb

Der geomagnetische Sturm verlief glimpflich und brachte vor allem entzückende Polarlichter mit sich. Radar- und Sprechfunk reagierten empfindlich, aber der Flugverkehr war weniger betroffen als befürchtet.

          4 Min.

          Rote, grüne und blaue Schleier, die in der nächtlichen Atmosphäre wabern, sind in Deutschland ein ungewohnter Anblick. Manch einer war entzückt, als er am Mittwoch abend in Wolkenlücken einen Blick auf Polarlichter erhaschte, manch einer aber auch verunsichert. Von der Nord- und Ostsee bis zum Westerwald und nach Sachsen hat der Deutsche Wetterdienst solche Sichtungen registriert, die mit dem heftigen Ausbruch auf der Sonne am Dienstag zusammenhingen. Eine Wolke elektrisch geladener Teilchen war bei der Eruption Richtung Erde geschleudert worden, wo die ersten Partikeln nach nur 19 Stunden ankamen und in der Atmosphäre Polarlichter hervorriefen - im Unterschied zu sonst nicht nur in hohen geographischen Breiten.

          Daß bei dem Ereignis auch die Zahl der angeblichen Ufo-Sichtungen wieder steigen würde, war zu erwarten. Vermutlich nicht nur in Deutschland, wo besonders das Mannheimer Ufo-Telefon des "Centralen Erforschungs-Netzes für außergewöhnliche Himmelsphänomene" (Cenap) immer wieder klingelte, meldeten sich Bürger und berichteten über "unheimliche Begegungen". Offensichtlich hatten die ungewohnten Polarlichter ihre Phantasie beflügelt.

          Radar- und Sprechfunk empfindlich

          Wenn auf der Sonne viel los ist, lassen sich die Folgen fast immer auch auf unserem Heimatplaneten spüren. Gleich nach dem Ausbruch - einem der heftigsten seit 1976, als Satelliten mit den Aufzeichnungen begannen - haben die Wissenschaftler vor einem geomagnetischen Sturm gewarnt, den die solaren Partikeln in der Magnetosphäre der Erde auslösen würden. Dadurch könne es zu Störungen im Sprechfunk kommen, aber auch zu Ausfällen ganzer Stromversorgungsnetze. Die Bandbreite der Möglichkeiten ist in einem solchen Fall groß, weshalb die Beeinträchtigungen meist geringer sind, als die Warnungen zunächst erwarten lassen. Es besteht also kein Grund, überzureagieren und das Ereignis hochzuspielen durch Schlagzeilen wie "Flammensturm im All: Explodiert die Sonne?", wie es eine Boulevardzeitung formulierte.

          Ein Bild des Sonnenflare - gemacht vom Sonnenobservatorium der Nasa Soho
          Ein Bild des Sonnenflare - gemacht vom Sonnenobservatorium der Nasa Soho : Bild: dpa/dpaweb

          Am stärksten war von dem Sturm vermutlich der Luftverkehr betroffen, weil Radar- und Sprechfunkanlagen besonders empfindlich auf geomagnetische Störungen reagieren. Die Deutsche Flugsicherung hatte schon am Mittwoch vorsorglich die Anzahl der Flüge im deutschen Luftraum begrenzt, die Passagiere mußten Verzögerungen in Kauf nehmen. Jene britischen Transatlantikflüge, die normalerweise auf weit nördlich gelegenen Flugrouten stattfinden, wurden auf südlichere Routen verlegt, weil der Sprechfunk von Piloten durch den Sonnensturm ausgefallen war. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA, die "Federal Aviation Administration", warnte alle Passagiere, die nördlich des 35. Breitengrades und in mehr als 7500 Meter Höhe flogen, vor einer erhöhten Strahlungsdosis. In jeder Stunde würden sie zwei Millirem ausgesetzt - einem Betrag, der auf der Erdoberfläche erst in zwei Tagen zusammenkommt. Zweifellos nicht gefährlich, aber manch einem wird bei dem Gedanken daran unwohl zumute gewesen sein.

          Astronauten der ISS betroffen

          Weitere Themen

          „Nur der Tod beendet diese Ehe“

          Besuch im Frauenhaus : „Nur der Tod beendet diese Ehe“

          Besuch von Elke Büdenbender: In einem Berliner Frauenhaus berichten Bewohnerinnen der Frau des Bundespräsidenten von ihren Ängsten. Dass externer Besuch das Gelände betreten darf, ist eine große Ausnahme.

          Topmeldungen

          Ein Pub in London am 24. September 2020

          Keine laute Musik im Pub : Tories rebellieren gegen Corona-Auflagen

          Rund fünfzig konservative Abgeordnete im britischen Unterhaus wollen die Pandemie-Politik der Regierung Johnson nicht mehr mittragen. Sie fühlen sich an einen totalitären Überwachungsstaat erinnert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.