https://www.faz.net/-gum-9rugq

Baden-Württemberg : Kein Schadensausgleich mehr für Winzer und Obstbauern

Landwirte müssten sich in Zukunft gegen Risiken wie Frost, Sturm oder Starkregen versichern. Bild: dpa

Eine staatliche Entschädigung für Ernteschäden soll es in Baden-Württemberg zukünftig nicht mehr geben – ein Weg zu mehr Eigenverantwortung in der Landwirtschaft?

          1 Min.

          Obst- und Weinbauern in Baden-Württemberg können bei Ernteschäden durch Frost, Sturm oder Starkregen künftig nicht mehr auf einen staatlichen Schadensausgleich hoffen. Die grün-schwarze Regierung will bei solchen Witterungsereignissen keine Sondersubventionen mehr zahlen und stattdessen erreichen, dass sich die Landwirte gegen diese Risiken künftig selbst versichern. Auch Landwirte, so Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), wollten nicht vom „guten Willen des Staates“ abhängig sein, deshalb werde es ein Pilotprojekt geben, mit dem die Umstellung auf ein „eigenverantwortliches Risikosystem“ vorbereitet werde.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Zunächst sollen sich Winzer und Obstbauern angesichts des Klimawandels gegen Witterungsextreme wie Dürre, Spätfrost oder Starkregen versichern. Später sollen sich die Betriebe auch gegen durch den Klimawandel verursachte Hitzeschäden versichern. Man werde prüfen, so Hauk, welche finanzielle Unterstützung das Land für die Versicherungsnehmer zahlen könne. In anderen europäischen Ländern gebe es von den Versicherungsunternehmen schon maßgeschneiderte Versicherungsprodukte.

          „Entweder man versichert sich gegen Risiken. Wenn man es nicht tut, muss man gegenwärtig sein, dass der Staat nicht irgendwo wieder beispringt und ein paar Millionen Euro rausholt“, sagte Hauk. Nicht versicherte Obst- und Weinbauern hätten dann „Pech“ gehabt. Die Winzer und Obstanbauern müssen damit rechnen, dass eine Versicherung künftig 80 Prozent des Schadens übernimmt – 20 Prozent müssten sie selbst zahlen.

          Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbands, begrüßte es, statt Ad-Hoc-Hilfen nun ein Risikomanagementsystem aufzubauen. Die FDP kritisierte dagegen das neue Modell: Es umfasse nicht alle landwirtschaftlichen Betriebe, Dürre sowie Trockenheit seien zudem in die Versicherung nicht einbezogen. Im Jahr 2017 hatte das Land nach starken Spätfrostschäden den Landwirten mit Sondersubventionen von 48 Millionen Euro aushelfen müssen.

          Weitere Themen

          Hirnlose Raserei – aber kein Mord

          Prozess in Stuttgart : Hirnlose Raserei – aber kein Mord

          Ein junger Mann rast mit einem geliehenen Wagen, um tolle Geschichten auf Instagram posten zu können. Dabei verursacht er einen Unfall mit zwei Toten. Nun wurde er zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt.

          Topmeldungen

          Lega-Chef Matteo Salvini hat bei seinem Besuch in Venedig eindringlich dafür geworben, die Hochwasserschutzmaßnahmen zu verbessern.

          Jahrhundertflut in Venedig : Tage des Alarms

          Immer wieder gibt es in Venedig heftige Überschwemmungen. Doch der italienischen Politik ist es bisher nicht gelungen, wirksame Vorkehrungen gegen Hochwasser zu treffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.