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Geiselnahme von Sydney : Mit Twitter gegen die Islamophobie

  • Aktualisiert am

Solidarität per Hashtag Bild: Twitter

Die Stimmung in den sozialen Netzwerken ist aufgeheizt: Viele Nutzer fühlten sich von der Geiselnahme zu islamophoben Kommentaren hingerissen. Eine Bewegung auf Twitter hält dagegen: Sie bietet Muslimen Mitfahrgelegenheiten an.

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          Mittlerweile ist klar, dass der Geiselnehmer von Sydney keine Verbindungen zum organisierten islamistischen Terrorismus hat. Die australischen Behörden waren, was diese Vermutung anging, auch von Anfang an zurückhaltend. Aber in den sozialen Medien, wo sich die Menschen bekanntermaßen schneller ein abschließendes Urteil bilden als in Behörden, waren sich viele schnell sicher, was es mit der Geiselnahme auf sich hatte.

          Es dauerte nicht lange, da war Twitter schon voll mit Beiträgen, die den Hintergrund der Tat und aller Übel dieser Welt überhaupt ausgemacht hatten: den Islam. Unter den Hashtags #sydneysiege und #sydneycafesiege finden sich neben vielen guten Wünsche an die Geiseln auch reihenweise Tweets, die den Islam unter Generalverdacht stellen.

          Die islamophoben Tweets wiederum provozieren viele Beiträge, die Anstoß an den Verallgemeinerungen nehmen. Und das auf der ganzen Welt.

          Eine Australierin wollte es nicht dabei belassen, ihren Unmut zu bekunden, sondern bot muslimischen Bürgern, die in der aufgeheizten Stimmung Angst haben, ihre Hilfe an. Wenn sich jemand alleine nicht sicher fühlte, schrieb sie, dann begleitet sie denjenigen gerne bei der Fahrt im Bus.

          Kurz darauf versah sie die Idee mit dem Hashtag #illridewithyou, und die Idee wurde zur Bewegung. Viele andere Nutzer nehmen sich ein Beispiel, teilen über Twitter mit, wann und wo sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs seien, und dass sie gerne jemanden begleiten würden. Auch Angebote, Muslime im Auto mit zur Arbeit zu nehmen oder mit dem Fahrrad zu begleiten kamen schnell hinzu.

          Auch über konkrete Mitfahr-Angebote hinaus führt #illridewithyou zu vielen Reaktionen. Muslime bedanken sich für die Solidarität, auch nichtmuslimische Nutzer feiern die Aktion als richtige Antwort auf die vielen islamophoben Kommentare. Ein Nutzer schreibt beispielsweise, der Hashtag habe seinen Glauben an die Menschheit wieder hergestellt.

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