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Solarienbräune : Hautkrebs immer häufiger

Bösartige Melanome sind eine Spätfolge der Solarien-Hochzeit in den neunziger Jahren. Bild: AFP

Hautkrebserkrankungen nehmen weiter zu. Auch die Zahl der Behandlungen im Krankenhaus steigt, weil wir uns nicht genügend schützen.

          Die Zahl der Hautkrebsbehandlungen in Krankenhäusern ist stark gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden haben sich im Jahr 2012 23 Prozent mehr Patienten in stationäre Behandlung begeben als fünf Jahre zuvor. Insgesamt waren es 91.900 Patienten, davon 55,3 Prozent männlich und 44,7 Prozent weiblich.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Rund ein Viertel der Patienten musste wegen eines bösartigen Melanoms behandelt werden, auch „schwarzer Hautkrebs“ genannt. Schwarzer Hautkrebs kann Metastasen bilden und sich ungehindert im Körper ausbreiten; er gilt als besonders gefährlich. Bei Männern trat diese Form besonders häufig am Oberkörper auf, bei Frauen vor allem an den unteren Extremitäten. Vom „hellen“ Hautkrebs waren 73,4 Prozent der Patienten betroffen. Er wucherte vor allem in Körperregionen, die regelmäßiger Sonnenstrahlung ausgesetzt waren: Gesicht, Kopfhaut, Hals und Ohren.

          Die größte Zahl der Operationen diente der Entfernung des Tumorgewebes, insgesamt waren es 65.300 Eingriffe. Außerdem nahmen Ärzte 48.500 Hauttransplantationen vor.

          Die Zunahme der Hautkrebsbehandlungen ist in Teilen dem demographischen Wandel geschuldet. „Mit dem Alter nimmt auch die Leistung des Immunsystems ab“, sagt Claas Ulrich vom Hauttumorzentrum der Berliner Charité. Dadurch steigt die Zahl der Plattenepitelkarzinome, einer Unterform des hellen Hautkrebses. Früher litten daran vor allem Landarbeiter und andere Berufsgruppen, die sich lange in der Sonne aufhalten. Vor einigen Jahrzehnten hätte man ältere, krebskranke Patienten deswegen nicht unbedingt behandelt. „Das hätte sich nicht gelohnt“, sagt Ulrich. Heute habe sich das geändert, denn die Patienten seien mit Ausnahme ihrer Krebserkrankung in der Regel vollkommen gesund.

          Besonders Männer sind nachlässig beim Sonnenschutz

          Bösartige Melanome seien dagegen eine Spätfolge der Solarien-Hochzeit in den neunziger Jahren. Sie beträfen häufig Personen, die sich in ihrer Freizeit intensiv sonnten. „Typischerweise sind das Büromitarbeiter und Beschäftigte in geschlossenen Räumen. Die können es am Wochenende oft gar nicht abwarten, in die Sonne zu gehen, so schnell wollen sie braun werden.“ Das gelte auch für viele jüngere Menschen.

          Problematisch ist laut Ulrich auch der Gebrauch von Sonnenschutzmitteln. „Gerade die Menschen, die Sonnencremes benutzen, bekommen häufig Sonnenbrand.“ Denn intuitiv trügen viele zu wenig Sonnenschutz auf. „Einmal wie ein Wirbel über die Brust, ein paar Klatscher auf die Schultern – besonders bei Männern war es das dann oft.“ Der Schutz verringere sich allerdings exponentiell zur aufgetragenen Menge. Viele Textilien hielten außerdem nicht genügend UV-Strahlung vom Körper ab. „Hier wäre mehr Transparenz wünschenswert, welchen Schutz die Kleidung tatsächlich bietet.“

          Ein Hautarzt untersucht mit einem Vergrößerungsglas die Haut einer Patientin.

          Auch die höhere Behandlungsqualität dürfte ein Grund für gestiegene Fallzahlen sein. „Die Ärzte entfernen Tumoren mit präzisen chirurgischen Eingriffen“, sagt Jessica Hassel vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Das sei schonender für den Patienten, erfordere aber auch eine mikroskopisch genaue Nachfolgeuntersuchung. Nur so könnten die Ärzte überprüfen, ob alle Krebszellen entfernt wurden. „Und diese Behandlung bekommt man eben nur im Krankenhaus.“

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