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Heiße Temperaturen und Dürre : Europa ächzt unter der Hitzewelle

  • Aktualisiert am

Waldbrände auch in Frankreich: Die Feuerwehr löscht in der Region Gironde. Bild: dpa

In Europa ist keine Abkühlung in Sicht: Italien leidet unter der Trockenheit, in Spanien brennen Wälder, Frankreich ruft Alarmstufe Orange aus – und auch Deutschland erwartet bis zu 40 Grad.

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          In Italien hat die heißeste Woche des Jahres am Montag mit Höchsttemperaturen von bis zu 39 Grad begonnen. Spitzenwerte von 42 Grad oder mehr werden von Wochenmitte an erwartet. Besonders betroffen von der Hitzewelle sind die Poebene im Norden des Landes und die Regionen Lombardei, Toskana, Umbrien und Latium sowie die Inseln Sardinien und Sizilien. In der lombardischen Metropole Mailand könnte der absolute Höchstwert von 39,3 Grad, gemessen am 11. August 2003, in der zweiten Wochenhälfte übertroffen werden. Leichte Abkühlung ist nach den Prognosen der Meteorologen erst Anfang oder Mitte kommender Woche zu erwarten. Mit Niederschlägen ist vor Monatsende nicht zu rechnen, abgesehen von örtlichen Gewittern.

          Die nördlichen Landesteile leiden unter der schlimmsten Dürre seit 70 Jahren, die Schäden in der Landwirtschaft gehen in die Milliarden. Ursache der nach Aussagen der Meteorologen beispiellosen Hitzewelle ist ein Hochdruckgebiet über Afrika, das heiße Wüstenluft nach Italien bringt. Das Wetter­phänomen wurde von den Meteo­rologen „Apokalypse 4800“ getauft, weil die Null-Grad-Grenze auf die noch nie erreichte Marke von 4800 Meter Meeres­höhe steigen dürfte. Das entspricht faktisch der Gipfelhöhe des Mont Blanc im italienisch-französischen Grenzgebiet, dem mit knapp 4808 Metern höchsten Berg der Alpen. Die hohen Temperaturen in den Dolomiten und in den Alpen beschleunigen dort die Gletscherschmelze. Auf der Marmolata, wo es am 3. Juli zu einem gewaltigen Gletscherbruch mit elf Toten gekommen war, hat sich am Sonntag eine neue Gletscherspalte von 200 Metern Länge und 30 Metern Breite aufgetan. Ein Hüttenwirt hatte zuvor berichtet, er habe Rauschen und Krachen vom Gletscher her vernommen. Das Gebiet ist seit der Katastrophe von Anfang Juli wegen der Gefahr weiterer Gletscherbrüche gesperrt.

          „Der Klimawandel tötet“

          Der staatliche Wetterdienst Aemet hat in Spanien die Hitzewelle zwar für beendet erklärt, da die heißen Luftmassen in Richtung Norden und nach Deutschland weiterzogen. Aber an mehr als 20 Orten brennt es weiter. Rund 25.000 Hektar waren in den vergangenen zehn Tagen betroffen. Am Montag bereitete ein neuer Brand in Pont de Vilomara nördlich von Barcelona Sorgen, weil er außer Kontrolle geriet.

          Die aktuellen Temperaturen im Überblick

          Aus der Provinz Zamora wurden die ersten beiden Toten in Spanien gemeldet. Ein Feuerwehrmann und ein Hirte kamen durch die Flammen ums Leben. „Der Klimawandel tötet. Er tötet Menschen, zerstört unser Ökosystem und vernichtet den wertvollsten Besitz unserer Gesellschaft“, sagte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez am Montag bei einem Besuch in der Extremadura, wo noch drei Feuer brannten. Mindestens eines davon geht auf Brandstiftung zurück, wie auch in anderen Teilen Spaniens. Auch König Felipe VI. reiste am Montag in die Region an der Grenze zu Portugal. Wegen des Brandes in der Region Zamora wurde am Montag der Zugverkehr von Madrid nach Galicien im Nordwesten Spaniens unterbrochen. Aus dem benachbarten Portugal wurden fünf aktive Feuer gemeldet.

          Temperaturen von bis zu 40 Grad

          Mit einer Temperatur von 35,8 Grad im Schatten ist in Brest, am westlichsten Zipfel Frankreichs, am Montag ein neuer Hitze­rekord aufgestellt worden. Die derzeitige Hitzewelle trifft besonders die Bretagne sowie die südliche Atlantikküste. In 15 Départements, die meisten im Westen Frankreichs, herrschte Alarmstufe Rot. In weiteren 51 Départements hat der Wetterdienst Meteo France die Alarmstufe Orange ausgerufen. In der Nähe von Bordeaux sind die Waldbrände weiterhin außer Kontrolle. Mehrere Strände nahe dem Becken von Arcachon waren gesperrt, weil dahinter die Flammen meterhoch loderten. 8000 weitere Menschen mussten am Montag aus Vorsicht ihre Häuser verlassen, da sich der Brand der 26.000-Einwohner-Stadt Teste-de-Buch näherte. Feuerwehrleute kämpfen seit sechs Tagen gegen die Flammen, denen bereits mehr als 14.000 Hektar Pinienwald zum Opfer gefallen sind. Der Leiter der Feuerwehr DFCI, Bruno Lafon, sagte, Montag sei „der schlimmste Tag“ gewesen. Bei Temperaturen von mehr als 40 Grad im Schatten und einer Windstärke von bis zu 50 Kilometern pro Stunde befürchte er eine Ausbreitung des Brandes, sagte er dem Radiosender France Bleu. Das Innenministerium kündigte Verstärkung durch drei weitere Löschflugzeuge an. Sechs Löschflugzeuge vom Typ Bombardier sind bereits im Einsatz.

          Auch in Deutschland, das bisher von der Gluthitze noch verschont geblieben war, wird es nun heiß. Für diesen Dienstag erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Westen Temperaturen von bis zu 40 Grad. Höhepunkt im Westen und Südwesten ist demnach der Dienstag, am Mittwoch verlagert sich die Hitze in den Osten und Nordosten. Auf Rekorde steuert möglicherweise auch Großbritannien zu: Wie der Wetterdienst Met Office mitteilte, könnten die Temperaturen in Teilen Englands auf bis zu 41 Grad steigen. Besonders am Dienstag wird mit außergewöhnlich hohen Werten gerechnet, bevor die Temperaturen am Mittwoch wieder sinken sollen.

          Mediziner der Universität Rostock warnen vor den Folgen der Hitze­belastung. „Sonnenbrand, Kopfschmerzen und Sonnenstich bei zu viel direkter Sonnen­einstrahlung sind die größten Gefahren“, sagte Jan-Arne Lauffs, Leiter der Zentralen Notaufnahme im Universitären Notfallzentrum. Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte am Montag einen nationalen Hitzeschutzplan: „Hitzewellen werden immer häufiger und extremer. Darauf müssen wir uns vorbereiten.“ Auf Landes- und kommunaler Ebene müssten die Hitzeschutzpläne koordiniert werden – „mit besonderem Augenmerk auf schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen“. Dabei sollten Ärztinnen und Ärzte aus Klinik und Praxis einbezogen werden.

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