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Smog-Alarm : Paris ringt um Luft

Das Zeitalter der Aufklärung könnte langsam anbrechen: Die Basilika Sacré Coeur de Montmartre soll künftig auch von weitem besser zu sehen sein. Bild: Getty

Die französische Hauptstadt kämpft gegen den Feinstaub: Am Montag durften nur Autos mit ungeradem Nummernschild nach Paris. Prompt blühte das Geschäft eines privaten Autoverleihers.

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          Wenn die Luft dick wird, muss der Verkehr dünner werden. So sieht es die französische Regierung, nachdem sich in Paris wieder einmal über Tage die Feinstaubbelastung in immer gefährlichere Höhen aufgeschwungen hatte. Daher durften am Montag in Paris und in 20 umliegenden Gemeinden nur Autos mit ungeraden Nummern auf den Kennzeichen bewegt werden. Wer dennoch mit einer geraden Nummer fuhr, riskierte ein Knöllchen von 22 Euro.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Von 5.30 Uhr an postierten sich 750 Polizisten an den Straßenrändern, um die „Falschfahrer“ herauszuwinken. Einige der Entschuldigungen: „Ich habe von dem Verbot überhaupt nichts gehört.“ – „Ich muss doch nur eine kurze Strecke fahren.“ – „Mein Nummernschild endet mit Null – ist das nicht ungerade?“

          Umweltministerin Ségolène Royal freute sich indes, dass die Verordnung alles in allem befolgt werde. „Die Autofahrer verstehen die Notwendigkeit dieser Maßnahme“, sagte sie – und gab für Dienstag den Verkehr wieder für alle Autos frei.

          Verbot kam zu spät

          Für die Pariser ist die harte Hand des Staates keine neue Erfahrung: Schon 1997 und 2014 musste jeder Zweite sein Auto zu Hause lassen. Aber dieses Mal war das Fahrverbot besonders umstritten, denn es kam zu spät. Nach sieben Tagen hoher Feinstaubbelastung hatte sich das Schadstoffaufkommen bis Montag schon wieder merklich verringert.

          Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo forderte mehrfach ein rasches Fahrverbot, doch Umweltministerin Royal wies das als „unangebracht“ zurück. Am Ende griff der französische Präsident François Hollande persönlich ein, doch da war der beste Zeitpunkt für das Verbot aus Sicht von Umweltschützern schon verstrichen – nicht aber aus Sicht des Politikers. Der erste Wahlgang der Departements-Wahlen am vergangenen Sonntag spielte bei der Terminsetzung offenbar eine Rolle. „Das sind alles nur politische Spielchen“, kommentierte daher der Präsident des Verbandes „40 Millionen Automobilisten“, Pierre Chasseray.

          Zahlreiche Dieselfahrzeuge

          Andere Kritiker führen an, dass das Aussperren jedes zweiten Autos die Schadstoffbelastung der einzelnen Wagen außer acht lasse. Besser wäre es, die größten Dreckschleudern am Fahren zu hindern. Auch die Erhebung einer Einfahrtgebühr wie etwa in London hat bisher kein mehrheitswilliger Politiker vorgeschlagen, denn man befürchtet, die sozial Schwachen zu treffen.

          Der Handlungsbedarf ist unumstritten: Im Dezember 2013 wurde an einem Tag eine Feinstaubbelastung gemessen, die der eines 20 Quadratmeter großen Zimmers entsprach, in dem acht Zigaretten geraucht wurden. Paris ächzt nicht nur unter einem überlasteten Straßennetz, sondern auch unter dem in Frankreich außergewöhnlich hohen Aufkommen von Dieselfahrzeugen, die steuerlich gefördert werden. Zudem kommen Schadstoffe von der umliegenden Industrie, der Landwirtschaft und je nach Wetterlage auch aus Deutschland oder Belgien herübergeweht. Bürgermeisterin Hidalgo will daher schrittweise schadstoffreiche Fahrzeuge aus Paris verbannen.

          Tauschen und Teilen

          Schon vom 1. Juli an dürfen zwischen acht und 20 Uhr an Wochentagen in Paris keine Lastwagen und Busse fahren, die älter als 14 Jahre sind. Ein Jahr später sollen werktags Autos, die vor 1997 angemeldet wurden, verboten werden.

          Öffentliche Verkehrsmittel, Parkplätze und die städtischen Mietfahrräder waren am Montag kostenlos. Zudem galten viele Ausnahmen – von Behinderten über Gewerbetreibende bis zu Ärzten und Besitzern von besonders schadstoffarmen Wagen wie Elektroautos.

          Wer auf sein Auto gar nicht verzichten wollte, konnte zudem auf den neuen Trend des Tauschens und Teilens setzen, der sich auch in der französischen Wirtschaft breit macht. Bei der Website autovoision.fr liefen die Telefone heiß, weil man dort Autos von Privatleuten ausleihen kann. Bis zum Mittag wurden schon 700 Fahrzeuge mit ungeraden Nummernschildern vermittelt. So viele Anfragen hatte man dort noch nie.

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