https://www.faz.net/-hxl-8yhhk

Herzblatt-Geschichten : Ich verstehe dein Gesicht nicht

Auch wenn die Boulevardpresse so gerne andere Frauen an Günther Jauchs Seite sähe: Der Platz gehört seiner Frau Thea Sihler Bild: dpa

Zeitschriften, die Promis verkuppeln wollen, sind anstrengend. Umso wohltuender ist es, wenn solch ein dreister Kuppelversuch mal in aller Öffentlichkeit zerpflückt wird.

          Menschen, die andere immerzu verkuppeln wollen, nerven schon genug. Was noch viel mehr nervt: Zeitschriften, die andere verkuppeln wollen. Ob jemand verheiratet ist oder Single, ob jemand jemanden mag oder ihn überhaupt kennt: All das nämlich spielt da überhaupt keine Rolle. Weshalb es wohltuend ist, wenn solch ein dreister Kuppelversuch mal in aller Öffentlichkeit zerpflückt wird.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Etwa der von der „Aktuellen“, die im Januar getitelt hatte: „Günther Jauch – Erwischt! Nachts in Potsdam...“ Jauch war fotografiert worden, als er ein Museum verließ, und „von dieser Nacht wird man in dem Städtchen bei Berlin noch lange reden“, behauptete „Die Aktuelle“, denn: Mit dem Moderator habe auch die Ehefrau eines Politikers das Museum verlassen. „Es ist spannend, wenn es dunkel wird in Potsdam...“, schloss das Blatt, und spannend war vor allem, wann und wie Jauch reagieren würde.

          Nun hat er es getan, nach bewährter Manier mit einer Gegendarstellung, die „Die Aktuelle“ auf ihrer Titelseite drucken muss und in der Jauch klarstellt: „Das Foto zeigt mich beim Verlassen einer Museumseröffnung zwischen 18 und 19 Uhr neben einer Ehefrau eines Politikers, der mit uns die Veranstaltung verließ, aber nicht abgebildet wurde.“ Einen so dilettantischen Kuppelversuch hat es selten gegeben, allein schon wegen der seltsamen Auslegung des Begriffs „Nacht“.

          Wenn es dunkel wird, beginnt der Tratsch

          Was aber geschieht, wenn es dunkel wird in Kleinaspach, wo Andrea Berg lebt? „Sie telefoniert die ganze Nacht mit Dieter Bohlen!“, teilt „Die neue Frau“ mit. Angeblich sende Bohlen ihr nachts auch Nachrichten, wenn er „an eine Melodie denkt, auf die Andrea einen Text dichten soll“, lesen wir: „Da muss doch eine Sehnsucht in ihm sein, die nicht bis zum nächsten Morgen warten kann!“ Auch dieser Kuppelei freilich wird die Grundlage entzogen, und zwar durch Andrea Berg, 51, die über Bohlen sagt: „Ich rutsche an seinem Beuteschema vorbei, bin zehn Jahre zu alt.“ Nur zehn Jahre? Das war uns neu, dass Dieter Bohlen auf Vierzigjährige steht.

          Gut Lachen hat Ruth Moschner über die neuste Kuppelgeschichte. Ihr Liebesleben wurde mit einer Kochshow verbunden.

          Noch ein bisschen plumper als Kupplerin stellt sich „Woche der Frau“ an, die mit der Zeile aufmacht: „Ruth Moschner – Steffen Henssler – Hochzeit im TV! So spielen sie mit der Liebe“. In Hensslers Kochshow nämlich, mehr steckt nicht dahinter, haben die beiden ein „Kasperletheater mit Lebensmitteln und Küchengeräten“ aufgeführt, bei dem am Ende „Nudelholz Ruth und Lauch Steffen heiraten“. Ja, haben denn, „Woche der Frau“, auch beider feste Partner mitgespielt, etwa als Krokodil, Hexe, Zwiebel oder Reibe?

          Über Kuchen singen und Kaffee kochen

          Und hat, „OK!“, Helene Fischer tatsächlich ihre Fans „verhöhnt“, als sie während eines Konzerts in München feststellte: „Ich könnte hier auch über Käsekuchen singen“? Schwer zu sagen, so viel aber steht fest: Ein gutes Stück Käsekuchen dürfte gehaltvoller sein als ein typischer Songtext Fischers.

          Vom Kuchen zum Kaffee: Über ihren Mann, sagt Schauspielerin Janine Kunze der „Freizeitwoche“, könne sie sich „nicht beschweren, ich bekomme immer noch jeden Morgen frischen Kaffee ans Bett gebracht“, und nach fünfzehn Ehejahren ist das echt bemerkenswert – so mancher würde da eher den nicht ganz so frischen Kaffee vom Vortag servieren. Und was hat Kunzes Mann nun von seiner Hingabe? „Die Kölnerin profitiert nicht nur alleine von der Aufmerksamkeit ihres Mannes. Sie muss ihn auch mit ihren Freundinnen teilen: ,Wir organisieren richtig große Familienurlaube mit Freunden und allem Drum und Dran. Da macht mein Mann dann natürlich den Kaffee für alle.“ Offen bleibt, ob der Gatte auch noch andere Qualitäten hat, von denen dann bei den Familienurlauben alle profitieren.

          Ausnahme-Karrierefrau Verona Pooth

          Bessere Qualitäten als Céline, die eigentliche Siegerin der jüngsten „Topmodel“-Staffel, hat eine andere Kandidatin, jedenfalls für die Model-Agentin Claudia Midolo, die „Intouch“ sagt: „Serlina hat ein offeneres, verständlicheres Gesicht.“ Müssen wir uns merken, den Satz, falls wir mal Gelegenheit bekommen, jemandem eine Abfuhr zu erteilen: „Tut mir leid, aber mir ist dein Gesicht zu kompliziert.“ Kann man sich, Frau Midolo, sein Gesicht eigentlich auch verständlicher operieren lassen?

          Verona Pooth meint, Karrierefrauen müssen nicht unattraktiv sein. Ihre Kombination aus Erfolg und Attraktivität sei allerdings selten.

          Keine Ahnung, wie wir jetzt auf Verona Pooth kommen. „Ich bin eine Frau, und das zu hundert Prozent. Frauen, die erfolgreich sind und sich behaupten, müssen nicht unbedingt ein unattraktives Aussehen haben“, hat sie dem „Echo der Frau“ gesagt, und man beachte die Einschränkung „nicht unbedingt“ – mehrheitlich wären Erfolgsfrauen dann aber schon eher unattraktiv und sie, Verona, die rühmliche Ausnahme. Erfolgreich aber ist auch sie nicht immer, soll sie sich doch gerade für ihre Fans mit dem Handy gefilmt haben, während sie Auto fuhr, und zwar nicht angeschnallt. „So doof am Steuer, das wird teuer“, spottet „Bild“, was aber nicht ganz richtig ist: Die Strafe von 90 Euro, die Pooth angeblich droht, ist so teuer ja auch nicht.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Zurück auf die Erfolgsspur will die SPD. Noch als Generalsekretärin hat Katarina Barley mit „Bunte“ gesprochen, die uns verwirrt mit ihrem Hinweis, Barley „spricht sich wie Harley“: Soll man nun „Katarina Harley“ sagen? Barley selbst, lesen wir, vergleicht ihre SPD „gern mit dem 1. FC Köln: ,Ein Verein mit Charakter. Man muss leidensfähig sein, aber der Verein hat einen goldenen Kern.‘“ Wir bezweifeln ja, dass die SPD wirklich glücklich ist über diesen Vergleich – mit einem Verein, der sich zuletzt riesig darüber freute, auf dem fünften Platz zu landen.

          Weitere Themen

          Pekinger Wolkenkratzer im Internet versteigert Video-Seite öffnen

          Plattform Alibaba : Pekinger Wolkenkratzer im Internet versteigert

          Wolkenkratzer gefällig? Bei Alibaba konnte jeder auf ein Hochhaus in Peking bieten, das dem Milliardär Guo Wengui gehörte. Er lebt inzwischen im Exil in den USA und gilt als scharfer Kritiker der chinesischen Führung.

          Topmeldungen

          Miet- und Kaufpreise in Europa : Schlimmer geht immer

          Deutschland ächzt unter hohen Mieten und teuren Immobilien. Doch anderswo in Europa ist die Lage weitaus dramatischer – kein gutes Zeichen.

          Ich und das Klima : Du sollst verzichten

          Die Deutschen müssen ihr Leben ändern, sagen die einen. Was die Deutschen machen, ist der Welt egal, behaupten die anderen. Was kann der Einzelne wirklich bewirken?

          Umstrittener Backstop : Was will Boris Johnson?

          In einem Brief an EU-Ratspräsident Donald Tusk kritisiert der britische Premierminister die „Backstop“-Regelung zur irischen Grenze und schlägt „alternative Vereinbarungen“ vor. Er stößt jedoch auf wenig Gegenliebe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.