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Herzblatt-Geschichten : Wir sind lustig und langweilig

Hat einigen Änderungsbedarf: Barbara Schöneberger Bild: dpa

Was sammelt Amerikas neue Finanzministerin? Wie hieß einst Wolfgang Bosbachs Frau? Und was stört Barbara Schöneberger an sich selbst? Die Herzblatt-Geschichten.

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          Erinnern Sie sich an Wolfgang Bosbach? Das war der Mann, der praktisch jede Woche in irgendeiner Talkshow saß, bis ihn als Dauergast Karl Lauterbach abgelöst hat. Im Vergleich zu Lauter- ist Bosbach zwar thematisch breiter aufgestellt und kann zu allen möglichen Themen – Europa, Islamismus, innere Sicherheit – leidenschaftlich diskutieren, zu seinem Pech aber ist das Jahr 2020 thematisch viel schmaler aufgestellt.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Umso mehr gefreut haben wir uns darüber, Bosbach diese Woche in Bunte zu begegnen, wo wir etwas erfuhren über ihn, das wir tatsächlich noch nicht wussten: Der Mädchenname von Bosbachs Frau lautet – ebenfalls Bosbach. Gut, im Saarland soll so was ja üblich sein, allerdings kommt Wolfgang Bosbach aus Nordrhein-Westfalen, von Verwandtschaft ist jedenfalls in Bunte auch keine Rede.

          „Wir mussten uns trotzdem auf dem Standesamt entscheiden“, erzählt Bosbach, „ob wir meinen oder ihren Namen annehmen. Es hieß dann: Frau Bosbach nimmt den Namen von Herrn Bosbach an.“ Das ist mal wieder typisch konservativer CDU-Flügel: Da hat man schon mal die Chance, sich vollkommen risikofrei als moderner Mann zu beweisen, und besteht dennoch darauf, dass die Frau den Namen wechselt. Dabei klingt Bosbach keinen Deut schlechter als Bosbach.

          Briefmarken und Steine

          Jeweils ihren eigenen Namen behalten haben Janet Yellen, designierte amerikanische Finanzministerin, und ihr Ehemann George Akerlof, der Wirtschaftsnobelpreisträger von 2001, die in völligem Einklang leben. Beide sammeln Bunte zufolge „Briefmarken und Steine“ und, so wird Akerlof zitiert, „wir sind auch in Fragen der Makroökonomie immer einer Meinung“. Solch paradiesische Harmonie erreichen wir selbst und unsere Frau leider nicht ganz – zwar sammeln wir beide ebenfalls Steine und Briefmarken und zudem noch hübsche Kronkorken, beim Thema Makroökonomie aber sind wir entsetzlich uneins.

          Ein Herz und eine Seele: Janet Yellen und George Akerlof
          Ein Herz und eine Seele: Janet Yellen und George Akerlof : Bild: Reuters

          Eine Show zur Makroökonomie hat Barbara Schöneberger, die Wolfgang Bosbach der Fernsehunterhaltung, gewiss auch schon mal irgendwann moderiert. In einer Doku-Reihe hat sie laut Bunte jetzt über ihr Äußeres gesprochen: „Ich würde alles an mir ändern, wenn ich könnte. Aber ich stehe ja so für diese Authentizität, dass ich jetzt dick und alt und runzlig werden muss und nichts an mir machen lassen darf. Das ist dann ein bisschen dumm gelaufen.“ Tja, so ist das eben, wenn man sich einmal zu authentisch gibt, kommt man aus der Kiste so leicht nicht mehr raus. Ein Glück, dass wir uns schon vor Jahren entschieden haben, in dieser Kolumne stets nur als Kunstfigur aufzutauchen. In Wahrheit sammeln wir nämlich gar keine Kronkorken, sondern Schmetterlinge.

          Freiburg als Alibi

          Traute Zweisamkeit mit ihrem Partner erlebt auch Sonja Kirchberger: „Wir haben das große Glück, auf derselben Frequenz zu laufen“, sagt sie Bunte. „Wir sind wild, wir sind langweilig, wir sind lustig.“ Und das am Ende alles gleichzeitig? Andere Eigenschaften attestiert Franz Josef Wagner in Bild Jogi Löw: Der dürfe sein Amt auch deshalb behalten, weil „Sie ein furchtbar liebenswerter, netter Mann sind. Sie leben in Freiburg. Sie sind alles andere als böse.“ Böse Menschen dürften daraus ihre Schlüsse ziehen und sich fürs nächste Mal, wenn der Kommissar fragt, wo sie zwischen acht und zehn waren, eine Meldebescheinigung für Freiburg aus der Tasche ziehen: Zack, sind sie aus dem Schneider.

          Für ein Grußgebot in Städten: Beatrice Egli
          Für ein Grußgebot in Städten: Beatrice Egli : Bild: dpa

          Gleich ganz auf dem Land gefällt es Beatrice Egli am besten. „Wenn man wandern geht, sprechen die Menschen miteinander“, erzählt die Sängerin Gala. „In der Natur ist es normal, dass man sich grüßt. Ich würde mir wünschen, dass das auch in der Stadt wieder stattfindet.“ Da wären wir entschieden dagegen – würde sich doch der ohnehin anstrengende Weihnachtseinkauf noch um viele Stunden verlängern, wenn man jeden in der Fußgängerzone grüßen müsste.

          Am Hundetisch

          Schon in Weihnachtsstimmung ist Guido Maria Kretschmer, der diesmal freilich auch in kleinerem Rahmen feiert: „Ich bin mal gespannt, ob die Hunde verstehen, dass sie dann unsere wichtigsten Gäste sind“, sagt er In, „und ob sie am Tisch sitzen bleiben.“ Und ob sie ihren Einsatz beim Weihnachtssingen nicht verpassen.

          Als kleines Geschenk für die Bunte-Kollegen liefern wir hier noch eine Übersetzungshilfe. Wenn ihr über Jürgen Klopp schreibt: „Seit 2012 engagiert er sich für das frische Comeback der alteingesessenen Marke Opel“, dann meint ihr doch eigentlich: Er macht Werbung für die Karren.

          Zum Schluss wenden wir uns noch einmal der ehelichen Harmonie zu. „Wirklich romantisch war“, berichtet Amelie Fried Frau im Spiegel, „als Peter im Urlaub in Mexiko in unserem Zimmer auf die Jagd nach einem hochgiftigen Skorpion ging, um mich zu schützen.“ Der Herr von Welt geht daher nie ohne Skorpion auf Reisen, am besten mit einem bereits erlegten Exemplar, das er an strategisch günstiger Stelle plaziert. Aber aufgepasst: Wenn Sie Corona-bedingt wieder nur in den Bayerischen Wald fahren, könnte die Gattin misstrauisch werden.

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