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Herzblatt-Geschichten : Viel Training unter dem Bauchnabel

Trotzen dem Schicksal: Charles und Camilla in Berlin Bild: EPA

Haben Milliardäre meist schlechte Laune? Wer gewinnt die große Ski-Schlacht? Und wieso hält Prinz Charles eine flüssige Rede auf Deutsch? Die neuen Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Immer schade finden wir es, wenn altvertraute Begriffe der Vergessenheit anheimfallen. Nehmen wir die „Ex-Buchstaben-Fee“, als die Frau im Spiegel Maren Gilzer bezeichnet. Eine Buchstaben-Fee, liebe Kinder, war eine junge Frau, die im Fernsehen Buchstaben umdrehte. Reden durfte sie nicht, aber abwechselnd lieb lächeln oder bedauernd mit den Schultern zucken.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Außerhalb der Sendung „Glücksrad“ sind Buchstaben-Feen selten gesichtet worden, es gibt auch keinen Ausbildungsgang dafür. Weil es aber um das Wort so schade wäre, würden wir es gern einer neuen Verwendung zuführen, etwa für andere Berufsgruppen, die mit Lettern zu tun haben: Wäre es nicht ein hübscher Gedanke, diese Zeitung hier von vielen kleinen fleißigen Buchstaben-Feen fabriziert zu wissen?

          Die größere Kanone

          Wahre Magier der Sprache sind auf jeden Fall bei der Bild-Zeitung beschäftigt, die tagtäglich neue Schlagzeilen rund um die Begriffe „Klartext“, „knallhart“ oder „Knallhart-Klartext“ strickt. Diese Woche beglückt sie uns auch mit der Überschrift: „Ski-Schlacht zwischen Kurz und Söder!“ Wer hätte da nicht sofort das Bild vor Augen, wie sich die Herren dick eingemummt von der Piste schubsen und mit Schneebällen beschmeißen? Am Ende siegt dann der mit der dicksten Schneekanone.

          Vorsicht geboten: Elefanten, die auf Tannenbäume niesen
          Vorsicht geboten: Elefanten, die auf Tannenbäume niesen : Bild: dpa

          Eine Allzweckwaffe von Bild ist der eine Zeitlang von ihr als „Hygiene-Papst“ gefeierte Klaus-Dieter Zastrow, der mittlerweile indes zum „Hygiene-Professor“ degradiert wurde – vielleicht, weil der Vatikan darauf bestanden hat, dass zwei Päpste schon reichen. Diesmal zeigt uns Zastrow, wie wir sicher einkaufen, und nimmt überraschenderweise dazu Stellung, ob „von Tannenzweigen oder frischen Adventskränzen eine Gefahr ausgehen kann“. Sollten wir da etwas übersehen haben? Stürzt sich womöglich auch beim Waldspaziergang das Virus auf uns? Zastrow aber versucht, Entwarnung zu geben: „Da müsste schon ein Elefant drauf niesen, um eine Virusmenge zu hinterlassen, die ansteckend sein könnte.“ Richtig beruhigend finden wir das ja nicht: Der emeritierte Hygiene-Papst glaubt an eine Übertragung durch Elefanten! Ein Glück, dass die Zoos gerade geschlossen sind.

          Miesepetrige Milliardäre

          Nicht zum Papst, aber immerhin zum „Drogerie-König“ ernennt Frau im Spiegel einen Gesprächspartner und stellt fest: „Dass er mit einem geschätzten Vermögen von 3,7 Milliarden Euro zu den Superreichen Deutschlands gehört, merkt man Dirk Rossmann, 74, tatsächlich nicht an.“ Im Gegenteil wirke er „fröhlich, bodenständig und unkompliziert“. Uns scheint hier ein trübes Bild von den Leistungsträgern unserer Gesellschaft gezeichnet zu werden: Muss ein Milliardär denn miesepetrig, abgehoben und kompliziert sein? Uns zum Beispiel würde die eine oder andere Milliarde auf dem Konto sicher nicht unglücklicher machen.

          Rossmann jedenfalls hat nun einen Roman rund um den Klimawandel geschrieben und sinniert, wie wir einen Beitrag leisten könnten: „Es würde schon einen Riesen-Unterschied machen, wenn man im Jahr nur einmal für drei Wochen in den Urlaub fliegt, statt dauernd irgendwelche Kurztrips zu machen.“ Nachdem soeben schon Wirtschaftsminister Altmaier in Bild den Einkauf in realen Geschäften zur „patriotischen Aufgabe“ erklärt hat, wäre dies dann wohl die nächste Patriotenpflicht: ein dreiwöchiger Urlaub auf Bali oder Hawaii für jeden Deutschen, notfalls dann hoffentlich staatlich gefördert durch Finanzhilfen.

          Setzt auf familiäres Zusammenspiel: Dirk Rossmann
          Setzt auf familiäres Zusammenspiel: Dirk Rossmann : Bild: Daniel Pilar

          Dass sich Rossmann wegen seines Buchs für ein paar Wochen aus dem Geschäft zurückgezogen hat, sei für seine Familie kein Problem gewesen, denn „wir sind wie eine Fußballmannschaft: Wenn einer mal nicht ganz so gut spielt, gleichen das die anderen einfach aus.“ Es sei denn, es handelt sich bei der Mannschaft um Schalke 04.

          Sportlich ist auch Howard Carpendale: „In meinem Alter sollten 80 Prozent des Trainings unter dem Bauchnabel stattfinden“, sagt er Frau im Spiegel, und wem da schmutzige Gedanken kommen, der sollte sich schämen. Carpendales nächster Satz nämlich lautet: „Beinmuskeln sind sehr wichtig!“

          Ob ein „Hello Again“ mit ihren Ex-Partnerinnen denkbar ist, will Das neue Blatt vom Musiker-Duo Fantasy wissen. Freddy Merz, obzwar heute mit einem Mann verheiratet, sagt da nicht nein: „Sollte Dean irgendwann nicht mehr in meinem Leben sein, warum immer, würde ich das nicht ausschließen.“ Wären wir Dean, Merzens Mann, dann fänden wir es ja schon etwas seltsam, unsere Vorgängerin nun auf einer Warteliste plaziert zu sehen. Mitsänger Martin Hein hingegen antwortet: „Das würde es nicht mal geben, wenn Tanja die letzte Frau auf der Welt wäre (lacht). Spaß beiseite. Ich möchte nichts Negatives sagen.“ Hm, das hat jetzt nicht ganz geklappt.

          Vor einem Dilemma sah sich derweil das Echo der Frau: Vor ein paar Wochen erst hatte es dem britischen Thronfolger eine Demenz angedichtet, und was macht Prinz Charles jetzt? Hält im Bundestag eine lange Rede, flüssig – und zum großen Teil auf Deutsch. Dank Camilla habe Charles „neuen Lebensmut gefasst“, fabuliert nun das Blatt: „Sie trotzen dem Schicksal.“ Und das Echo der Frau der Realität. Dabei hätte es aus der Nummer viel leichter rauskommen können, nämlich mit der Schlagzeile: „Prinz Charles – Demenz immer schlimmer – Er hält sich für einen Deutschen!“

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          Unsere Autorin: Heike Göbel

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