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Herzblatt-Geschichten : Wir können uns doch mal küssen

Verliert nicht an Intensität: Früher träumte Roland Kaiser von inniger Zweisamkeit mit seiner Angebeteten, nun buchstabiert er munter den Begriff flotter Dreier. Bild: dpa

Roland Kaiser besingt Liebe zu dritt, Bülent Ceylans Familie lädt Allah zu Weihnachten und unsere Nationalelf folgt Ronaldo: neue Herzblatt-Geschichten.

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          Es sage keiner, dass man aus der ständigen Herzblattlektüre nichts lernen kann. Der „Aktuellen“ zum Beispiel entnehmen wir folgendes Wissen: „8 Prozent der Menschen lassen beim Küssen ihre Augen offen. Dadurch, so sagen Wissenschaftler, soll der Kuss aber an Intensität verlieren.“ Andererseits weiß man bei geöffneten Augen wenigstens genau, wen man da eigentlich küsst. Oder verliert der Kuss dann gerade dadurch an Intensität?

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer sich in solchen Dingen ohne Frage auskennt, das ist Roland Kaiser. Bei ihm scheint die Intensität mit den Jahren sogar noch zuzunehmen. Ein neues Lied von ihm nämlich, weiß „Frau mit Herz“, trägt den Titel „Du, deine Freundin und ich“, enthält Zeilen wie „Wir könnten es riskieren / Was Neues ausprobieren / Können uns doch mal küssen“ – und wer Kaisers Werk kennt, der weiß: Beim Küssen wird es nicht bleiben, zumindest nicht beim Küssen mit offenen Augen.

          Ein erotisches Abenteuer

          „Für dieses sangliche Angebot erntete Roland Kaiser Kritik“, schreibt „Frau mit Herz“; der Künstler selbst entgegnet: „Es ist ein Unterhaltungslied, das auch mal eine Perspektive einnimmt, dass jemand versucht, so ein erotisches Abenteuer einzugehen.“ Einst träumte Kaiser nur davon, mit seiner Angebeteten Hand in Hand das Wort Begehren zu buchstabieren, nun buchstabiert er munter den Begriff flotter Dreier. Was mag da noch kommen? Will er es riskieren, es auch mal auszuprobieren zu vieren? Ein Songtitel wie „Du, deine sechs besten Freundinnen, die Nachbarin, der zufällig klingelnde Paketbote und ich“ wäre für die Charts aber wohl zu lang.

          Ohnehin ist es ja eigentlich eher die Zeit für Weihnachtslieder. Die „Bild“-Zeitung lässt hierzu den Komiker Bülent Ceylan zu Wort kommen, den Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters: „Wir haben immer gesungen“, erinnert er sich an seine Weihnachtsfeste. „Nur mein Vater hat den Text dann etwas ,getürkt‘. Statt ,Alle Jahre wieder‘ sang er ,Allah Jahre wieder‘.“ „Bild“ setzt hinzu: „Zur Freude aller.“

          Der eine variiert Weihnachtslieder, die andere spielt Monopoly: Barbara Schöneberger und Bülent Ceylan
          Der eine variiert Weihnachtslieder, die andere spielt Monopoly: Barbara Schöneberger und Bülent Ceylan : Bild: dpa

          Und jetzt hör mal zu, „Bild“: Was ist plötzlich los mit dir? Über Jahre schreist du jedes Mal erbittert auf, wenn sich irgendein Weihnachtsmarkt in der hintersten Provinz plötzlich „Wintermarkt“ nennt und damit angeblich die christlichen Traditionen opfert, obwohl die Leute auch nach dem Fest noch ein bisschen was verkaufen möchten. Jede Kita, die das Schweinefleisch vom Speiseplan streicht, prangerst du in Großbuchstaben an, weil kleine Christen nun mal Schweinchen kauen müssen.

          Und Baba Ceylan darf plötzlich „zur Freude aller“ unser Weihnachtsliedgut entweihen? Was, „Bild“, wenn „Allah Jahre wieder“ erst der Anfang ist? Wir prophezeien: Bald wird unser ganzes Land Lieder singen wie „Dschinn Glöckchen“ „Hadschi Bumbeidschi“, „Lasst uns froh und Muslim sein“, „Ave Aischa“, „Leise rieselt Moschee“ und „Feliz Kalifat“. Und du, „Bild“, hast nicht nur nichts getan, sondern schunkelst noch fröhlich mit.

          Schönebergers Immobilienblase

          Der Hausfrieden gestört ist, wie „Das Neue“ behauptet, bei Barbara Schöneberger: „Ihr Mann betrügt sie – und gibt es sogar zu!“ Schöneberger selbst habe in ihrem Podcast ausgeplaudert, dass er sie betrüge – beim Monopoly. „,Mein Mann hat sich die ganze Zeit Geld aus der Bank herausgenommen! Und ich hab immer gesagt: Was ist denn los – du bescheißt ja total?!‘, sagt Barbara bestürzt. Seine eiskalte Antwort: ,Ja, klar!‘“ Da braucht sich das Paar nicht zu wundern, wenn sich auf dem Brett Inflation und Immobilienblasen ausbreiten. Hoffentlich hat sie ihn sofort ins Gefängnis geschickt, und zwar nicht über Los.

          Mit Übeltätern sah sich auch König Charles konfrontiert, auf den bei einem Besuch in York Eier geworfen wurden, allerdings ohne ihn zu treffen. „Eier-Attacke! Was kommt als Nächstes?“, entsetzt sich „Das Neue“, und ja, was mag da wohl kommen? Tomatensuppe und Kartoffelbrei, wie bei den Hobbyköchen der „Letzten Generation“? Nein, „Das Neue“ denkt viel weiter: „Es hätte ja auch viel schlimmer ausgehen können – wenn er anstatt mit rohen Eiern etwa mit Säurebeuteln geworfen hätte.“ Deine bösen Phantasien, „Das Neue“, teilen die Königskritiker hoffentlich nicht.

          Gar nicht schlimm genug zugehen darf es für Moderator Riccardo Simonetti: Er möchte gern mal in einem Horrorfilm mitspielen. „Das ist einer meiner größten Träume“, hat er „Bild“ gesagt. „Ich wäre das perfekte Opfer.“ Sympathisch daran finden wir den Versuch, einen gerade auf Schulhöfen pejorativ benutzten Ausdruck ins Positive zu wenden. Sollte Simonetti seine Rolle überzeugend spielen, wird „Du Opfer“ unter den Kids vielleicht künftig als Kompliment verwendet.

          Ein Siegertyp, trotz seiner jüngsten Querelen mit Manchester United, ist Cristiano Ronaldo. Eines seiner Erfolgsrezepte verrät „Frau im Spiegel“: „Auf Rat seines Schlaf-Coachs verbringt er nicht mehr sieben bis acht Stunden am Stück im Reich der Träume, sondern 5-mal je 90 Minuten über den Tag verteilt.“ Und wer hätte das gedacht: Auch unsere Nationalspieler folgen Ronaldos Beispiel. 90 Minuten lang geschlafen haben sie zum Beispiel am Mittwoch gegen Japan.

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