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Herzblatt-Geschichten : Dein Name sei Qualle-Koralle

Prinz Harry und Herzogin Meghan mit ihrem Sohn Archie Bild: AFP

Reporter der Klatschpresse beschenken die Royals, Dieter Bohlen kauft neuerdings lieber billige Zahnpasta, und Beatrice Egli bewundert im Australien-Urlaub die braun gebrannten Surfer. Unsere Herzblatt-Geschichten.

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          Wir haben da einen Verdacht. Es finden sich ja, wenn Mitglieder von Königsfamilien unser Land besuchen, immer zahlreiche Royal-Fans ein, die Spalier stehen mit selbstgemachten Plakaten, Blumen und kleinen Geschenken. Was das für Leute sind? Wir ahnen es jetzt: Es sind, zur großen Mehrheit jedenfalls, Vertreter der Klatschmagazine.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein aktuelles Beispiel liefert der Deutschland-Besuch eines prominenten, soeben mit einem weiteren Enkelkind beschenkten Paares. „Camilla & Charles – Interview – Neue Post traf die stolzen Großeltern“ titelt besagtes Blatt. Das vermeintliche Interview, zu dem Neue Post die Briten, wie es heißt, „ganz privat“ traf, bestand offenbar daraus, dass die Reporterin die Herzogin am Straßenrand ansprach und ihr einen XXL-Teddy in die Hand drückte; Fotos des Viehs finden sich prompt in mehreren anderen Blättern. Welche natürlich eigene Präsente dabei hatten: Bunte überreichte einen Plüschhasen, Neue Welt „eine Plüschuhr in Brezelform“, Echo der Frau „einen Trachten-Strampler, Nuckel-Krug und Plüsch-Breze“.

          Das haben die beiden nun davon, dass sie nach München kamen; von einer Hamburg-Visite hätten sie vermutlich einen Plüsch-Labskaus mit nach Hause nehmen müssen. Die Klatschblätter wiederum scheinen einen Gutteil ihres Redaktionsetats für Stofftiere zu opfern, um damit den Hochadel überrumpeln und von privaten Treffen phantasieren zu können. Ob sich das am Ende rechnet?

          Geschmackvoll: Präsent für Archie vom „Echo der Frau“.

          Zum „Sparfuchs der Woche“ erklärt Freizeitwoche Dieter Bohlen: „Der Pop-Titan erfuhr, dass die Zahncreme, die er seit Jahren für sein Strahlelächeln benutzt, mit einem ,Mangelhaft‘ bewertet wurde. Mit 5,99 Euro war sie zudem auch kein Schnäppchen.“ Sparfuchs Bohlen kauft ab jetzt eine Tube für 49 Cent; worüber wir aber nicht hinwegkommen, das sind die 5,99 Euro, die er jahrelang für Zahnpasta gezahlt hat. Als Nächstes prüft er dann bestimmt, ob auch sein bevorzugtes Toilettenpapier (16,99 Euro die Rolle) womöglich nur von mangelhafter Qualität ist.

          Hochschwanger im Stau

          Sich bei der Geburt ihrer Tochter vor ein paar Jahren das Krankenhaus zu sparen, das hatte Schauspielerin Lisa Maria Potthoff nicht geplant; leider jedoch stand sie hochschwanger im Stau. „Wir mussten an einer Durchgangsstraße halten“, erzählt sie dem Neuen Blatt. „Mein Mann sprang aus dem Auto. Da stand ein Rentner mit einer Heckenschere, und ich hörte nur den Satz...“ – nein, gottlob war es nicht der Satz „Können Sie mir mal eben Ihre Schere leihen?“, sondern „Rufen Sie den Rettungswagen. Meine Frau bekommt ein Baby.“ Am Ende halfen die Rettungssanitäter, der Gatte, eine Joggerin und eine Rentnerin bei der Geburt, und seither treffen sich einmal im Jahr alle Beteiligten, um miteinander anzustoßen. Versuchen Sie mal, das nach einer normalen Krankenhausgeburt mit den Chirurgen und Hebammen hinzukriegen.

          Die Geburt des zweiten Kindes noch vor sich hat das Reality-TV-Paar Janni Hönscheid und Peer Kusmagk, das seinen Erstgeborenen – Mama war deutsche Surf-Meisterin – Emil Ocean taufte. „Wir haben alle Namen, die wir für unsere Tochter bisher im Kopf hatten, aufgeschrieben“, verkünden sie in Die neue Frau, und zwar: „Nela-Lilou, Lola-Reef, Arielle, Ruby, Juli Sky oder Jewel.“ Normalerweise würden wir jetzt weitere Namen ins Rennen schicken wie Aqua-Marina, Navy Blue, Santa Maria oder Qualle-Koralle, doch wir könnten es uns nie verzeihen, wenn die Eltern an einem davon ernsthaft Gefallen fänden.

          Die Schweizer Schlagersängerin Beatrice Egli bei einer Fernsehgala in Leipzig

          Unter Surfer begeben hat sich auch Sängerin Beatrice Egli bei ihrem Australien-Urlaub, und wie die so sind, hat sie dem Neuen Blatt erzählt: „Wie man sich das so vorstellt: braun gebrannt und mit Salz auf der Haut – das Klischee gibt es da in Massen.“ Woher weiß sie das mit dem Salz, sie wird die Kerle doch nicht abgeleckt haben? Wirklich nahe gekommen ist sie einem von ihnen jedenfalls nicht: „Mit den Surfern ist es so ähnlich wie mit meinem Beruf. Wenn die auf den Wellen sind, sind sie auf den Wellen und fokussiert.“ Vielleicht wäre es aber auch gescheiter gewesen, Egli hätte mit ihren Avancen einfach abgewartet, bis die Herren wieder an Land gegangen wären.

          Unauffällig die Gala lesen

          An illustre Orte begeben hat sich einst auch Marijke Amado, als sie als Reiseleiterin unterwegs war. Damals jedoch, hat Amado laut Woche der Frau in einer Talkshow gesagt, habe man sie „Katastrophen-Lilly“ genannt: „Immer, wenn ich unterwegs war, starb jemand oder ein Elefant streifte den Bus. Oder wir hatten Windstärke zehn und auf dem Schiff waren die Kotztüten alle.“ Trotzdem glaubt Amado, „dieser Job war eigentlich die beste Unterhaltungsshow, die ich je gemacht habe“. Nun, ihre späteren Fernsehshows kamen ja auch ohne Elefanten und unerwartete Todesfälle aus, da fehlt dann natürlich schon etwas.

          Ihr 25-jähriges Bestehen feiert derweil Gala, die sich in ihrer Sonderausgabe von allerlei Prominenten bauchpinseln lässt. Eher etwas zwiespältig fällt das Bekenntnis des Schauspielers Trystan Pütter aus: „Ich lese Gala heimlich – ich lege sie in die ,Geo‘.“ Um nicht aufzufliegen, müsste er dafür freilich von der Gala ein paar Zentimeter abschneiden, denn deren Format ist größer als das von Geo. Ganz uneigennützig möchten wir Herrn Pütter aber die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung empfehlen: Dahinter sieht die Gala garantiert keiner.

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