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Herzblatt-Geschichten : Anna, ihm schmeckt’s nicht

Anna Netrebko und ihr Ehemann, der aserbaidschanische Opernsänger Yusif Eyvazov Bild: dpa

Helene Fischer leise? Wer hätte das gedacht. So empfand Starfotograf Peter Lindbergh die Sängerin. Gleichzeitig spekuliert die Gala über Heidi Klums Bauch. Die Herzblatt-Geschichten.

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          Da wollen wir doch sehr hoffen, dass Anna Netrebko nicht die Neue Welt liest. Dort nämlich müsste die Sängerin diese Woche erfahren, dass ihr Mann Yusif Eyvazov ihr Essen nicht schätzt: „Wenn Anna kocht, gibt es oft merkwürdige Dinge“, soll er gesagt haben. „Ich esse gern einen einfachen italienischen Salat. Aber Anna schneidet immer noch Nüsse und Obst hinein. Und zu Fleisch macht sie jedes Mal so eine sonderbare Soße mit Honig.“ Wie verletzend – und wie seltsam, dass Eyvazov den Vorstoß über die Presse wählt, statt das Zwiegespräch in der heimischen Küche zu suchen. Oder singt Netrebko beim Kochen so laut, dass seine Klage nicht durchdringt? Und ist ihm eigentlich sogar ein einfacher italienischer Salat zu kompliziert, als dass er ihn auch mal selbst zubereiten könnte?

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Trotz des kulinarischen Konflikts dürfen Netrebko und Eyvazov durchgehen als das, was man neudeutsch als „Power-Paar“ bezeichnet; eine Reihe solcher Paare stellt Gala vor. Laut dem Medienökonom Michael Laschet darf die Kombination solcher Paare nicht zu exotisch ausfallen: „Ursula von der Leyen und Bushido würde eine Beziehung miteinander sehr schaden.“ Wir würden das Gegenteil vermuten: Mit von der Leyen als bürgerlicher Vorzeigefrau hätte Bushido eine noch glanzvollere Trophäe als seinen Integrations-Bambi erobert, während die Verteidigungsministerin von jemandem, der sich gegen fiese Clans wehren muss, wertvolle Tipps für ihre allenfalls bedingt abwehrbereite Armee einholen könnte. Gern würden wir mitansehen, wie dieses Power-Paar zu gefühlvollem Gangsta-Rap auf der „Gorch Fock“ in den Honeymoon schippert.

          Ursula von der Leyen (CDU) in Österreich bei der Nordischen Ski Weltmeisterschaft

          Schon das Weite gesucht hat Charles M. Huber. Der Schauspieler lebt heute im Senegal und setzt der angereisten Bunte-Redakteurin „heißen, killerstarken Tee mit viel Zucker“ vor: „Das afrikanische Gebräu nennt er ,Fukushima‘, weil das Herz nach jedem Schluck in wilder Panik rast. Richtige Männer, so sagt Charles, müssten so was aushalten.“ Das klingt in der Tat geschmackvoll. Ob er auch seinen leckeren Cocktail „Spanische Grippe“ kredenzt hat und den Bohneneintopf „Erdbeben von San Francisco“?

          Eine Frage hätten wir auch an Guido Maria Kretschmer, der dem Goldenen Blatt gesagt hat: „Jeder hat das Recht, schön zu sein.“ Das ist erfreulich und weckt selbst in uns Hoffnungen. Wo aber, Herr Kretschmer, können wir dieses Recht einklagen, wenn es uns bislang so offensichtlich verweigert wurde? Kretschmer übrigens, erfahren wir ebenfalls aus dem Goldenen Blatt, empfiehlt „den Damen vor allem tragbare Mode“ – und da auch wir von Untragbarem eher abraten würden, könnten wir vielleicht doch noch eine Karriere als Designer machen.

          Helene Fischer ziert 2018 das Vogue-Cover mit einer Aufnahme von Starfotograf Peter Lindbergh

          Trotz ihrer beeindruckenden Karriere bislang unbekannt war dem Fotografen Peter Lindbergh Helene Fischer. „Ich hatte sie mir ein bisschen laut vorgestellt, und da kam eine ganz sensible Frau in den Raum. Sie sagte: ,Ich tanze so gerne, ich bewege mich so gerne‘“, erinnert sich Lindbergh in Bild: „Wir sind abends alle auf Fußspitzen nach Hause gegangen.“ Wenn die leise, sensible Fischer echt einen solchen Effekt auf ihre Umwelt hat, dann möchten wir gern mal erleben, wie 40.000 Konzertbesucher hinterher auf den Zehenspitzen nach Hause trippeln.

          „Entschuldigung, Helene Fischer!“, ruft derweil Gala aus, denn die hat Fischer in einem Text ein falsches Instagram-Zitat zugeschustert: „Da ist uns leider ein Patzer unterlaufen.“ In derselben Ausgabe findet sich eine „Klarstellung: Keine Krise – Charlotte Casiraghi und Dimitri Rassam sind weiterhin glücklich“. Auch hier hatte Gala das Gegenteil behauptet, gar von einer abgesagten Hochzeit berichtet, und muss nun, vermutlich herzlich aufgefordert von Casiraghis und Rassams Anwälten, einräumen: „Das war nicht richtig.“ Das sieht uns aber doch nach einer Krise aus, freilich einer bei Gala.

          Das jedoch ist nichts gegen die stets auf dem Cover vom Neuen Blatt vermeldeten Katastrophen, die angeblich das „Bauer sucht Frau“-Paar Narumol und Josef ereilen – etwa der Tritt einer Kuh (Dezember 2015), der Vorbote eines Schlaganfalls (Januar 2016), eine vergessene Medikamenteneinnahme (Dezember 2016), ein Autounfall (Mai 2017), ein vergessener Hochzeitstag (August 2017), eine Erkältung mit Fieber (April 2018), eine Muschelvergiftung (August 2018) oder ein explodierter Ofen (Dezember 2018). Und schon wieder lesen wir eine Schreckenszeile: „Sie hätte tot sein können – Narumol – Schreckliches Unfall-Drama“. Sie ist dann aber nur – angeblich – auf vereistem Boden ausgerutscht, hat sich die Hüfte verrenkt, und „den Ellenbogen kann ich kaum noch bewegen“. Die Fotos zum Artikel zeigen freilich wieder mal keine blauen Flecken, sondern eine fröhliche Narumol beim Schneemannbauen und einer Schneeballschlacht. Moment mal, muss man dazu nicht den Ellenbogen bewegen?

          Ein anderes Power-Paar, nämlich Heidi Klum und Tom Kaulitz, beschäftigt Gala: „Schwanger oder nicht schwanger – über Heidi Klums (45) Bauch wird aktuell mehr diskutiert als über die weltweite Klimakrise.“ Und klar, Gala hat recht: Donald Trump hat schon getwittert, dass Schwangerschaften nicht menschengemacht seien, und unsere beiden Töchter wollen freitags nicht mehr zur Schule gehen, solange die Welt im Unklaren ist. Ob Heidi Klum wirklich schwanger ist, werden wir aber erst wissen, wenn der Befund von 107 Lungenärzten da ist.

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