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Herzblatt-Geschichten : Betroffenheit am Ballermann

Neues aus den Pilawa Papers: Zwischen dem Fernsehmoderator und seiner Frau Irina ist alles im Lot. Bild: dpa

Was deutsche Schlagerstars und IS-Sympathisanten gemeinsam haben? Die Antwort lautet natürlich: Die Liebe zum partyverwöhnten Mallorca. Doch auch im heimischen Deutschland sorgen feierwütige Promis für Stimmung.

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          Ab und an tun die Herzblätter durchaus Gutes. Dann nämlich, wenn sie sich der Sorgen und Nöte marginalisierter Gruppen annehmen, denen andere Medien kaum Beachtung schenken. Diese Woche etwa kümmert sich Closer um unsere Ballermann-Promis. Vor gut zwei Wochen war auf Mallorca ein angeblicher IS-Sympathisant festgenommen worden, und obgleich von ihm, wie es später hieß, wohl keine echte Gefahr ausging, ist die Bestürzung unter den Stimmungskanonen groß.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Ich werde definitiv öffentliche Strände meiden und nur in private Beach-Clubs gehen“, kündigt Micaela Schäfer an, DJane und Nacktmodell; Mallorcas öffentliche Strände dürften damit endlich wieder jugendfrei sein. „Ich finde, wir müssen erhobenen Hauptes durch diese ganze Situation gehen“, fordert Jürgen Drews, und wenn man bedenkt, was für Lieder er seit Jahren singt, ohne beschämt sein Haupt zu senken, dürfte ihm das auch gelingen. „Mir macht es große Sorgen, wie die Welt sich verändert, und ich fühle mich davon betroffen“, sagt schließlich der Ballermann-Sänger Tim Toupet. Die Fans seiner Hits wie „Unterhosenparty“ oder „Ich bin ein Döner“ müssen nun also damit rechnen, stattdessen Balladen voller Betroffenheitslyrik zu hören. Traurig!

          Andere lassen sich das Feiern nicht vermiesen. Daniela Katzenberger etwa, die ihre – von RTL2 live übertragene – Hochzeit plant, was viel Stress bedeutet: „Ich habe mir meine echten Augenbrauen wieder wachsen lassen“, erzählt sie Bunte. „Die tätowierten ,Stirnbrauen‘ werden noch weggelasert. Außerdem wurden schon die Besenreiser an den Beinen weggespritzt, die ich durch die Schwangerschaft bekommen hatte. Damit ich nicht so schwitze, lasse ich mir noch die Schweißdrüsen unter den Armen botoxen. Das habe ich schon mal gemacht. Tut zwar weh, hilft aber.“ Wir würden ihr noch empfehlen, sich die Tränendrüsen entfernen und die Nasenlöcher abdichten zu lassen, damit beim Ja-Wort das Make-up nicht verschmiert. Auch eine Hohlraumversiegelung könnte eine Überlegung wert sein.

          Paris Hilton

          In Schindellegi hingegen ist die Liebe schon wieder verflogen. In das Schweizer Örtchen war Paris Hilton ihrem Geliebten gefolgt, und sie hatte, wie wir Frau im Spiegel entnehmen, sogar schon Schwyzerdütsch gelernt: „Ich versuche, mir ein Grundvokabular anzueignen, bis heute bin ich bei Grüezi, Merci und Adé.“ Wenigstens die beiden letzten Wörter hat sie ja nochmal gut gebrauchen können.

          Dass Prinz Charles sich von Camilla getrennt hat, wie es auf seinem Cover Das goldene Blatt behauptet, ist natürlich wieder gelogen, wie immer bei diesem Blatt, in dem sich Charles und Camilla weit häufiger „Goodbye“ und „Hello“ sagen, als sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ wünschen. „Ein Butler verrät: ,Bis auf die Straße war Camillas grelle Stimme zu hören‘“, lesen wir und fragen uns: Ja, was macht denn der Butler auf der Straße? Der soll gefälligst reingehen und den Five O’Clock Tea servieren.

          Ganz nah dran an den Großen ist auch das Echo der Frau. „Der Heilige Vater lud die niederländische Königsfamilie zu einer Privataudienz nach Rom ein – und betete dabei für die ungeborenen Zwillinge der Königin“, schreibt das Blatt seinen ganz privaten Narrativ fort, demzufolge Máxima, 44, ihre Kinderzahl demnächst von drei auf fünf hochschraubt. Wir aber sagen: Wehe dir, Echo der Frau, dass du hier schon wieder falsch Zeugnis redest. Der liebe Gott liest alles.

          Passend zum Muttertag

          Eine Privataudienz bei Franziskus bekam soeben auch Angela Merkel gewährt, und wenn die sich schon immer mit fremden Männern verlustiert, ist es nur recht und billig, was ihr Gatte der Aktuellen zufolge treibt: „Ihr Mann sucht per Anzeige eine Frau!“, titelt das Heft. „Ein wenig pikant“, wie die Aktuelle schreibt, ist das natürlich ganz und gar nicht, weil Joachim Sauer lediglich in seiner Eigenschaft als Hochschulprofessor eine Doktorandenstelle vergibt, wobei Bewerbungen von Frauen „besonders willkommen“ seien – was noch nicht heißt, wie Die Aktuelle bewusst falsch übersetzt, dass Frauen bevorzugt würden. Tatsächlich bevorzugt werden Behinderte, aber daraus lässt sich nun mal keine sensationslüsterne Schlagzeile stricken.

          Glücksrad-Fee und Soap-Darstellerin Maren Gilzer: „Dafür bin ich zu hübsch.“

          Eine ganz heiße Story hat auch Das Neue zu verkaufen: „Enthüllt – Jörg Pilawa – Die andere Frau in seinem Leben!“ Pilawa nämlich, und jetzt halten Sie sich fest, hat eine Schwester. Mit der er sogar regelmäßig telefoniert. Damit nicht genug, wissen wir aus gutinformierten Quellen, dass noch zahlreiche weitere prominente Menschen Schwestern haben. Weitere Enthüllungen dürften also folgen, wir melden schon mal das Copyright auf den Begriff „Pilawa Papers“ an.

          Das Wort zum Muttertag schließlich spricht, in Frau im Spiegel, die einstige Glücksrad-Fee und Soap-Darstellerin Maren Gilzer: „Wenn ich klein, dick und durchschnittlich aussehen würde, bekäme ich viele Mutter-Rollen. Aber dafür bin ich zu hübsch. Mit mir kann sich die deutsche Durchschnitts-Frau nicht identifizieren.“ Daher tummeln sich in Film und Fernsehen dicke Durchschnitts-Muttchen wie Angelina Jolie und Julia Roberts, während die arme, hübsche Maren Gilzer vom Sofa aus zusehen muss.

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