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Herzblatt-Geschichten : Mein Sixpack kommt vom Bügeln

Der eine steht, der andere liegt lieber: Markus Söder und Jens Spahn Bild: dpa

Meghan und Harry haben einen Namen für ihre Stiftung, Jens Spahn entspannt am liebsten auf dem Boden, und ein Finanzskandal beflügelt Juan Carlos Ehe. Die Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Krisenzeiten bieten oft Chancen für Innovationen, auch in traditionsreichen Familien. Edouard Prinz von Anhalt etwa lässt uns in „Bunte“ wissen: „In London, Berlin und Dessau kochen wir jeden Abend am Computer gemeinsam.“ Schon toll, welche Möglichkeiten die Technologie heute bietet; uns selbst fehlt daheim leider noch die nötige Ausstattung, wir müssen zum Kochen nach wie vor an den Herd gehen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch die Arbeit im Haushalt freilich eröffnet heute ungeahnte Möglichkeiten. „Gesund werden und sich wohlfühlen“ nämlich können wir damit, verspricht „Das neue Blatt“ und präsentiert ein umfangreiches Putz- und Trainingsprogramm. Die Übung „Hemden bügeln für die Bauchmuskeln“ etwa funktioniert so: „Setzen Sie sich auf den Boden, das Bügelbrett ist brusthoch eingestellt, die Beine angewinkelt unter dem Brett.“ Und fröhlich losgebügelt: „Je weiter Sie unter dem Bügelbrett sitzen, desto mehr werden Ihre Bauchmuskeln gefordert.“ Sollte sich dieser Trendsport fortsetzen, dürften wir in unserem nächsten Sommerurlaub im Jahr 2021 oder 2022 am Strand nicht nur Menschen mit Surfbrett, sondern auch solche mit Bügelbrett unterm Arm treffen. Und ein muskelbepackter Mann, der stolz darauf hinweist, dass sein Sixpack vom Bügeln kommt, wirkt bestimmt gleich doppelt sexy.

          Und damit nicht genug: „Wenn Sie ihre Zimmerpflanzen wässern, können Sie den Bizeps stählen“, rät „Das neue Blatt“. „Je mehr Liter Wasser Sie stemmen (ab 2 l ist es effektiv), desto intensiver das Training.“ Unser mickriger Ficus muss jetzt jeden Tag zwei Liter Wasser schlucken, aber in der Krise müssen wir alle unsere Opfer bringen.

          Wunderschöne Schleichwerbung in Kolumne

          Und wo wir schon ständig zu Hause hocken: Laut Schauspielerin Janine Kunze liefert ein bestimmter Möbel-Discounter „ganz tolle Einrichtungsideen, wie man ohne großen Aufwand und mit ganz kleinen Sachen etwas Großes bewirken kann“. In ihrer „In“-Kolumne „Exklusiv – Janine Kunze ... sagt uns die Meinung“ lässt sie uns wissen, dass man bei ebenjenem Möbel-Discounter „wunderschöne Fake-Felle“ bestellen kann, „die jeden noch so eintönigen Raum gleich aufpeppen und wohnlicher machen“. Eine Woche drauf, in ihrer nächsten In-Kolumne, fordert uns Kunze auf: „Holen Sie sich den Urlaub nach Hause!“ Und zwar durch „wunderschöne Motivtapeten, mit denen man eine Wand verschönern kann“, sowie „mit passenden Möbeln“, mit denen man „einen wunderbar muckeligen Raum gestalten“ kann. Und wo gibt’s das alles? Genau: Bei ebenjenem ganz bestimmten Möbel-Discounter, der auch diesmal fleißig namentlich erwähnt wird – und für den Kunze, was von „In“ nicht erwähnt wird, als Markenbotschafterin arbeitet. Wir sind schon gespannt, ob Kunze ihre sonst so eintönige Kolumne auch kommende Woche durch wunderschöne Schleichwerbung aufpeppt.

          Archie, Meghan und Harry

          Prinz Harry wird sich an die freie Marktwirtschaft erst gewöhnen müssen. Immerhin haben Meghan und er, die ihre „Sussex Royal“-Stiftung nicht weiterführen durften, einen duften Namen für deren Nachfolgerin gefunden: „Archewell“ heißt ihre neue Stiftung, was sich, wie „Gala“ weiß, „vom altgriechischen Wort für Stärke und Handlung“ ableitet, welches auch den Namen ihres Söhnchens Archie inspiriert habe. Wir sind sicher, dass dies für Harry und Meghan nur ein Anfang ist und sich zu Archewell bald noch andere Stiftungen gesellen, etwa das Frauenförderprogramm Jeanne d’Arch und die Tierschutzorganisation Archie Noah.

          „Manchmal lege ich mich gerne auf den Boden und habe Ruhe um mich herum“

          Gute Nachrichten von einem anderen royalen Paar verkündet „Das goldene Blatt“: „Sofia & Juan Carlos – Die Hoffnung ist zurück“. Was vor allem insofern überrascht, als der Ruf des Ex-Königs komplett ruiniert scheint, nachdem sein offenbar auch auf dunklen Wegen angehäuftes Vermögen selbst der eigene Sohn nicht mehr will. Doch lesen wir, wieso gerade jetzt die Hoffnung zurück ist: „Juan Carlos ist nämlich neuerdings ein Ehemann wie aus dem Bilderbuch. Der Grund: Der frühere Regent soll in einen Finanz-Skandal verwickelt sein.“ Hm, solche Bilderbücher haben wir unseren Kindern nie vorgelesen, aber weiter: „Und in dieser schweren Zeit besinnt er sich offensichtlich auf sein Liebes-Glück.“ Wie schön: Da werden sich gewiss zahlreiche Ehefrauen wünschen, dass auch ihre Gatten durch Bestechung oder Anlagebetrug in schwere Zeiten geraten und prompt wieder zu Romantikern werden.

          Der Finanzskandal zwingt Juan Carlos zurück ins Eheglück mit seiner Sofia. Wie schön!

          Es ist jedenfalls schon in Ordnung, dass hierzulande keine Monarchie mehr herrscht. Starke Führungspersönlichkeiten haben wir ja trotzdem, etwa Jens Spahn, der in der „Bild“-Zeitung mitteilt, wie er durch stressige Zeiten kommt: „Manchmal lege ich mich gerne auf den Boden und habe Ruhe um mich herum. Ich weiß nicht, warum, aber auf dem Boden liegen beruhigt mich.“ Hoffen wir, dass bei der nächsten aufreibenden Kabinettssitzung die Kollegen Verständnis haben, wenn Spahn sich so zu beruhigen sucht.

          Geradezu untertänige Verehrung bringt „Bunte“ Markus Söder entgegen: „Schon allein, wie er dasteht! Geerdet, unerschütterlich mit dem Boden verankert“, staunt sie. Während andere Politiker ja oft nur auf Zehenspitzen dastehen oder auch mal ein paar Zentimeter in der Luft schweben. Noch geerdeter und unerschütterlicher mit dem Boden verankert als Söder erscheint uns allerdings Jens Spahn – jedenfalls dann, wenn er sich mal wieder hingelegt hat.

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