https://www.faz.net/-hxl-8x4xi

Herzblatt-Geschichten : Die Sexualität wohnt im Keller

Obwohl er angeblich „wie ein toter Fisch“ küsst, kriegt Vin Diesel bei der Filmpremiere von „Fast and Furious 8“ ein Busserl von Charlize Theron. Bild: EPA

Jugendliebe, späte Liebe, alte Liebe: In den Klatschblättern lodert das Feuer der Promi-Gefühle. Die meisten sind freilich erfunden. Immerhin scheint Charlize Theron zu wissen, wie es ist, einen toten Fisch zu küssen.

          3 Min.

          Für Sigmar Gabriel dürfte das eine kleine Genugtuung sein: Seit er sich vom SPD-Vorsitz ins Außenamt zurückgezogen hat, steigen nicht nur seine Beliebtheitswerte, es gelingt ihm nun auch, was zuvor nur seine Konkurrentin Angela Merkel schaffte – er landet auf den Titelseiten der Klatschblätter, die ihn endlich für würdig befinden, mit seiner Person Leser anzulocken.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Anlass ist ein Treffen Gabriels mit einer Britin, die 42 Jahre zuvor seine Gastschwester bei einem Schüleraustausch gewesen war; eine Zeit, an die Gabriel so gern zurückdenkt, dass er die Frau über Facebook suchte. Neue Post versteht die Begegnung absichtsvoll falsch und titelt: „Pikant! Sigmar Gabriel – Er trifft sich wieder mit seiner Jugendliebe“. Im Text wird über „die romantischen Gefühle“ geraunt, durch die Gabriel womöglich „seine Ehe in Gefahr“ bringe, denn beim Treffen mit der Engländerin „knistert es zwischen ihnen wie früher“.

          Wobei Neue Post natürlich weder früher noch jetzt dabei gewesen ist. Für Gabriel jedenfalls ist die Berichterstattung vermutlich eine ganz neue Erfahrung; romantische Gefühle zu Angela Merkel etwa, der er seit Jahren beruflich so nahesteht, waren ihm noch nie angedichtet worden, obwohl es beim gemeinsamen Blättern in Akten vermutlich auch ganz schön geknistert hat.

          Späte Liebe für Marie-Luise Marjan oder nur für Mutter Beimer? Mit Kollege Wichart von Roell läuft außerhalb des „Lindenstraße“-Sets nichts.

          Misstrauen ist auf dem Boulevard nicht nur bei Jugendlieben angebracht, sondern auch dabei, was Freizeitwoche als „Späte Liebe!“ verkauft, mit den „schönsten Fotos vom neuen Glück“. Auf zwei Seiten strahlen uns Marie-Luise Marjan und ihr Kollege Wichart von Roëll entgegen: „Nach 28 Jahren eroberte er endlich ihr Herz“, lesen wir, nachdem sie ihn beim ersten Mal hatte „abblitzen lassen“.

          Erst im allerletzten Absatz des Textes wird beiläufig erwähnt, dass von Roëll, der seit 1989 verheiratet ist, einzig in der „Lindenstraße“ als „Lodenfabrikant Herr Lösch“ das Herz von Marjans Mutter Beimer erobert hat. In der nächsten Freizeitwoche lesen wir dann: Kate Winslet ist nicht mehr mit Leonardo DiCaprio zusammen, weil der beim Untergang der „Titanic“ leider ertrunken ist.

          Der Keller wird nur gelegentlich mal aufgesucht

          Ebenfalls nichts läuft zwischen Brad Pitt und Sienna Miller. Zumindest hat Letztere laut Bunte eine Affäre mit den Worten dementiert: „Ich würdige dieses Gerücht nicht einmal einer Antwort. Es ist einfach nur dumm.“ In ihrem Zorn hat sie gar nicht bemerkt, dass sie aus Versehen doch eine Antwort gegeben hat.

          Sie sind aber auch kompliziert, die ganzen Irrungen und Wirrungen der Gefühle. Schauspielerin Hannelore Hoger bringt das Ganze im Gespräch mit Bunte auf folgende Formel: „Das Haus ist die Liebe, die Erotik das Dach, und die Sexualität wohnt im Keller.“ Wir haben das zuerst rein anatomisch verstanden – also: Liebe/Haus dem Herzen zugeordnet, Erotik/Dach dem Kopf und den Keller, nun ja, Sie wissen schon.

          Für Hoger aber haust die Sexualität deswegen im Keller, „weil sie der intimste und komplizierteste Teil einer Zweierbeziehung ist“. Die Analogie passt aber auch deshalb nicht schlecht, weil viele Paare gerade in Langzeitbeziehungen zwar viel Zeit im Haus verbringen, ihren Keller aber nur sehr gelegentlich mal aufsuchen.

          Weiß, warum die Sexualität in Beziehungen im Keller wohnt: Schauspielerin Hannelore Hoger

          Vermutlich häufiger mal im Keller ist Stefan Mross – allerdings auch wieder nicht so häufig, dass die Schlagzeile, welche Neue Welt über ihn und seine neue Freundin druckt, glaubwürdig anmutet: „Stefan Mross & seine Anna – Plötzlich zu dritt!“ Wenn nämlich Neue Welt schreibt, dass „sich die beiden auch schon über Nachwuchs freuen“ dürfen, dann ist damit niemand anderes als Mross’ Hündin Zenzi gemeint.

          Was freilich schon deshalb dreist ist, weil Zenzi, wie wir gewissenhaft recherchiert haben, schon seit sechs Jahren im Hause Mross lebt und allen Neue-Welt-Schreibern, die sie als „Nachwuchs“ bezeichnen, gewiss ordentlich in die Waden beißen würde.

          Showmaster Jörg Draeger hält seine Frau für ein „Vollweib“

          Mit echtem Nachwuchs befasst sich Thomas Gottschalk in seiner neuen Show „Little Big Stars“. Frau im Spiegel erzählt er: „Es kam mir entgegen, dass man sich auf eine Show mit Kindern eigentlich gar nicht vorbereiten kann. Ich wusste, wie sie heißen und was ihre Talente waren. Ab dann war es Blindflug – endlich mal wieder!“ Endlich mal wieder seit „Wetten, dass..?“ also, wo Gottschalk bei sämtlichen Gästen gerade noch wusste, wie sie hießen und vielleicht noch, welches ihr aktueller Film war.

          „Sie kommen rein und wollen ihren Spaß haben“, sagt Gottschalk dann noch, sie „haben überhaupt kein Zeitgefühl“ – und spätestens hier ahnt man, dass der notorische Sendezeitüberzieher hier gar nicht über Kinder redet, sondern in Wahrheit über sich selbst.

          Keine Romantik: Die „Neue Post“ hätte es gern, dass Sigmar Gabriel durch das Treffen mit seiner ehemaligen Gastschwester seine Ehe in Gefahr bringt.

          Wenig Nettes über den Kollegen Vin Diesel hat Charlize Theron zu sagen: „Er verhält sich wie ein toter Fisch. Das war es, was ich geküsst habe“, protokolliert In. Was die Frage aufwirft: Woher weiß sie, wie es sich anfühlt, einen toten Fisch zu küssen? Und: Küssen lebendige Fische wirklich so viel besser?

          Ein besonderes Verhältnis zum Wasser hat offenbar auch Showmaster Jörg Draeger, der dem Neuen Blatt über seine Frau erzählt: „Ich habe ihr mal auf einen Fluss-Stein das Wort ,Weibchen‘ geschrieben. Denn das war und ist Petra für mich, ein Vollweib!“ Besagter Stein liege bis heute „zu Hause in unserer Glasvitrine“. Weibchen? Also, wenn wir Draegers Frau wären, dann läge gleich daneben in der Glasvitrine noch ein weiterer Stein – mit der Aufschrift „Blödmann“.

          Weitere Themen

          „Wir sind erst am Anfang“

          MeToo in Frankreich : „Wir sind erst am Anfang“

          Die Schauspielerin Adèle Haenel erhebt Missbrauchsvorwürfe gegen den Mann, mit dem sie als Zwölfjährige ihren ersten Film drehte. Steht Frankreich am Beginn einer verspäteten MeToo-Debatte?

          Topmeldungen

           Unsere Sprinter-Autorin: Anna-Lena Ripperger

          F.A.Z.-Sprinter : Die Last der Macht

          Die Linke muss sich nach dem Rückzug von Sahra Wagenknecht nach einer neuen Ko-Vorsitzenden umschauen und auch der CDU könnten unruhige Zeiten bevorstehen. Was sonst wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.
          Microsoft in Japan: Experimente mit der VIer-Tage-Woche

          Microsoft in Japan : Vier Tage arbeiten, weniger drucken

          Microsoft Japan verordnete seinen Mitarbeitern einen Monat lang eine Viertagewoche und meldete zunächst einen Produktivitätsgewinn um 40 Prozent. Nun hat das Unternehmen die Zahl zurückgenommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.