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Herzblatt-Geschichten : Der Dieter, der darf das

Wer würde sich vom „Pop-Titan“ Dieter Bohlen nicht gerne als „Bitch“ bezeichnen lassen? Bild: dpa

Vorwürfe, über Vorwürfe: Die Liebe von Bachelor Sebastian Pannek und seiner Clea-Lacy Juhn soll nur gespielt sein. Und möglicherweise mag „Germany’s Next Topmodel“-Juror Michael Michalsky gar keine Frauen?

          Es fällt uns ja immer schwerer, uns für das Personal, dem wir in den Klatschheften begegnen, zu interessieren. Etwa für die Protagonisten der Liebes-Casting-Show „Der Bachelor“, in der knapp zwei Dutzend junge Damen darum kämpfen, einen jungen Herrn, ebenjenen „Bachelor“, vor allem aber möglichst viel Sendezeit abzubekommen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gerade ging wieder eine Staffel zu Ende, mit dem üblichen vorhersehbaren Nachspiel: Der Mann und die Frau, die von ihm die letzte Rose bekam, schwärmen von ihrer Fernseh-Liebe, die von den unterlegenen Kandidatinnen angezweifelt wird. „Lächerlich, dass beide jetzt dieses Pärchending durchziehen. In meinen Augen stand das alles schon vorher fest, und beide spielen ein falsches Spiel, um berühmt zu werden und Kohle zu machen“, kritisiert in Intouch die in Folge Fünf rausgewählte Janika Jäcke, die ihrerseits gewiss ein anonymes Dasein in bescheidensten finanziellen Verhältnissen anstrebt.

          Mag Michael Michalsky etwa keine Frauen?

          Der „Bachelor“ Sebastian Pannek und die von ihm auserkorene Clea-Lacy Juhn nennen ihre Romanze „ein Wunder, das wir nun auskosten“, zum Beispiel indem sie sich von Intouch auf „ihrer ersten Liebesreise ins Disneyland Paris“ begleiten lassen – wo es Paare halt so hinzieht, die innig und ungestört ihre Zweisamkeit genießen möchten. Pannek versichert, dass „ich meine letzte Rose nur einmal vergebe“, und da das Finale vor Monaten aufgezeichnet wurde, darf man davon ausgehen, dass diese Blume auch niemand mehr möchte. In einer Bildunterschrift versichern beide: „Bei uns läuft es rund“, und widersprechen kann man da nicht – schließlich sitzen auf dem Foto beide in der Gondel eines Karussells.

          An „Germany’s Next Topmodel“, wird ebenfalls Kritik geübt, und zwar durch die Kandidatin Julia Wolf (nicht gewonnen) am Juror Michael Michalsky: „Der ist bestimmt ein guter Mensch, aber er mag keine Frauen. Und das ist sein Problem.“ Oder halt das Problem der Frauen. Doch kann jemand, der keine Frauen mag, ein guter Mensch sein?

          Wenn „Bitch“ schon ein Kompliment ist

          Womit wir bei Dieter Bohlen wären. Zur Exegese von Bohlens Sprüchen versammelt Closer die „Deutschland sucht den Superstar“–Teilnehmerinnen Monique Simon und Sarah Joelle Jahnel. „Ich glaube, du bist ja auch ‘ne ganz schöne Bitch“, hat Chefjuror Bohlen zu Simon gesagt, während er Jahnel als „Schlampe“ bezeichnete. „Aus Dieters Mund ist so was ein echtes Kompliment. Aber das versteht nicht jeder“, ist sich Jahnel sicher, und Simon sagt: „Ja, das hab ich auch so empfunden.“ – „Aber er darf so was ja auch“, fährt Jahnel fort. „Und mit Dieter sollte man sich nicht überwerfen.“ Klar, das ist das bekannte Trump-Prinzip: Mancher darf alles, schon weil sich niemand mit ihm überwerfen möchte.

          Beim jüngsten „DSDS“-Dreh in Dubai hatte der Chef übrigens seine Familie dabei. „Mein Kleiner ist ja drei und der schnorchelt jetzt seit zwei Tagen“, hat Bohlen laut Woche der Frau erzählt. „Und dann kam’s: Da waren zwei kleine Mädchen im Pool. Und um da schneller hinzukommen ist er gekrault. Das war echt süß. Er hat so richtig den Poser gemacht.“ Vom wem er das wohl habe, fragt sich Woche der Frau, verschweigt aber, wie es vermutlich weiterging: Bohlen Junior nannte das eine Mädchen Bitch, das andere Schlampe. Beide Mädels waren begeistert.

          Kann nicht nur singen, sondern auch bald mit dem eigenen Skateboard durch die Straßen brettern: Hansi Hinterseer.

          Sorge um Prinz Georges Geschlechtsidentität

          Mitunter findet ein Klatschblatt wie Closer seine Gesprächspartner auch jenseits der Casting-Hölle. „Exklusiv – Mega-Zoff – Merkels Mutter geht auf Trump los“, lesen wir auf dem Cover. Dazu muss man wissen, dass die Mutter der Kanzlerin eine 88 Jahre alte Dame ist, die zwar nie Interviews gibt, doch jedem freundlich und unbefangen zu begegnen scheint, der sie in ihrer uckermärkischen Heimat anspricht – inklusive Journalisten, die sich in solchen Fällen, wie wir einfach mal unterstellen, nicht immer als solche ausweisen. Diesmal also ist Closer an ein paar Sätze gekommen, unter anderem an den Vorschlag, der „Herr Trump sollte doch lieber in einer Micky-Maus-Verfilmung mitspielen“. Gute Idee, nur in welcher Rolle: als Bösewicht Kater Karlo? Als stinkreicher Onkel Dagobert? Doch vermutlich will Trump ja wie immer die Hauptrolle spielen.

          Um Englands Nachwuchs sorgt sich Bunte. „Prinz George – Jetzt muss er ins Ballett“, entsetzt sich das Blatt, um auszuführen, dass George bald eine Schule besucht, auf der es auch Mädchen gibt sowie Kurse im klassischen Ballett: „Ob Pliés in Strumpfhose das Selbstbewusstsein von Englands zukünftigem König stärken?“ Im Gegenteil, Bunte, es wird ihm sicher eine ganz schlimme Identitätsstörung bescheren. Hoffentlich reißt es später der Militärdienst wieder raus.

          Der königliche Nachwuchs lernt möglicherweise bald Ballet. Prinz George kommt in die Schule.

          Ein Skateboard für Hansi

          Mit den Älteren hadert Moderator Max Moor, der den Vorschlag macht, „das Wahlalter auf 40 zu begrenzen! Warum gibt es nach oben keine Grenze? Man darf ja schon halb senil sein und darf hier immer noch wählen“, teilt er Bunte mit. Moor wird wissen, wovon er spricht, er ist 58.

          Schon 63 ist Hansi Hinterseer. Dennoch hat ein amerikanischer Skateboard-Hersteller dem Schlagerstar „nun ein eigenes Board gewidmet“, weiß Bunte – „,mit Bergkulisse, Hansi, Hund und Gams drauf“. Stellen Sie sich also darauf ein, liebe Leser, künftig in den Fußgängerzonen von rüstigen Mittsiebzigern auf Skateboards umgebrettert zu werden. Ein Tip noch an den Produzenten: Sollten Sie auch jüngere Zielgruppen erreichen wollen, müsste ein coolerer Name her. Wir würden „Jackie Afterlake“ empfehlen.

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