https://www.faz.net/-hxl-8n33a

Herzblatt-Geschichten : Dieser tolle Akt der Fortpflanzung

Noch nachwuchslos: Helene Fischer und Florian Silbereisen Bild: dpa

In der Bunte-Analyse zum amerikanischen Wahlkampf geht es vor allem um die Frisuren der Kandidaten. Über seine Frisur muss sich Heiner Lauterbach kaum Gedanken machen, dafür aber über die Fortpflanzung und Flüchtlinge.

          3 Min.

          Das schafft auch nur Bunte, so kurz vor dem alles entscheidenden Tag noch eine ganz neue Sicht auf den amerikanischen Wahlkampf zu präsentieren. „Hillary Clinton“, lesen wir, „war ihr Leben lang auf der Suche nach...“ – und was mag da jetzt kommen: dem Sinn des Lebens? Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern? Anerkennung? Nein, „Hillary Clinton war ihr Leben lang auf der Suche nach der perfekten Frisur.“ Allein in den ersten vier Jahren im Weißen Haus zeigte sie sich demnach „mit 43 verschiedenen Looks. Auffällig viel für eine Präsidentengattin.“ Wer, Bunte, hat denn das gezählt? Wird so etwas offiziell protokolliert, möglicherweise gar vom FBI? Und gilt ein Bad-Hair-Day gleich als ein neuer Look?

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gut immerhin für Hillary: Kurz vor der Wahl „scheint sie um Haaresbreite vorn zu liegen“. Ist ja auch logisch, wenn Clinton in vier Jahren 43 Frisuren trägt und Trump lebenslang nur eine einzige – oder, wenn wir es streng betrachten, eigentlich gar keine.

          Hillary Clintons aktuelle Frisur hingegen, urteilt in Bunte der „Starcoiffeur Manfred Kraft“, sei „modern, klassisch, aber nicht altbacken“, und „sie passt zu ihr und zu ihrem Amt“. Schön und gut, aber passt eine Frisur, die zu Clintons „Amt“ als Kandidatin passt, auch automatisch zum Präsidentenamt? Oder muss sie da noch ein paar Stufen zulegen?

          Ist diese Frisur fürs Präsidentenamt geeignet? Hillary Clinton am Dienstag in North Carolina
          Ist diese Frisur fürs Präsidentenamt geeignet? Hillary Clinton am Dienstag in North Carolina : Bild: AP

          Royaler Nachwuchs

          Bei Frauen gilt es indes nicht nur auf die Frisuren zu achten; wichtig ist auch die Kleidung, die sie tragen. Nehmen wir Schwedens Prinzessin Sofia: „Hurra! Das 2. Baby“, schreibt Echo der Frau über sie. Und die Beweise? „Das verräterische Hängerchen und ihr seliger Blick sprachen Bände.“ Wir mussten erst mal nachschauen, dass es sich dabei um eine Bluse handelt, und zwar offenbar um eine auskunftsfreudige.

          Charlène von Monaco hingegen hat Das neue Blatt „lange nicht mehr so bedrückt gesehen“ wie bei ihrem jüngsten Auftritt: „Wie ein Häufchen Elend: hängende Schultern, leidender Gesichtsausdruck.“ Auch dafür aber „könnte es eine wunderbare Erklärung geben: Es heißt, sie sei vielleicht wieder schwanger!“ Merke: Frauen sind praktisch immer schwanger, ob sie nun strahlen, leiden oder auch nur ein Hängerchen haben.

          Kein Baby vor Weihnachten

          Das führt uns kurz zum Goldenen Blatt: „Helene & Florian – Die Fans wünschen es sich so sehr – Ein Baby zu Weihnachten?“, steht auf dem Titelblatt, obschon Fischer erst im Oktober sichtlich unschwanger in Silbereisens Schlagershow aufgetreten ist. Liebe Fans von Flori und Helene: Mag sein, dass ihr Euch da nicht so auskennt, aber ein Baby kriegen, das geht nicht so schnell, in der Regel braucht man dafür neun Monate. Aber vielleicht lässt sich der Weihnachtsmann ja noch was einfallen.

          Breites Fachwissen auf dem Gebiet darf man Heiner Lauterbach unterstellen, der uns im Bunte-Gespräch mit philosophischen Bekenntnissen überrascht: „Können Sie sich vorstellen, dass man ewig lebt?“, fragt er den Interviewer. „Dann würde dieser wunderbare Akt der Fortpflanzung ja wegfallen.“ Wir müssen sterben, weil wir schnackseln wollen? Ein schlüssiger Ansatz zur Welterklärung, einschließlich menschlicher Sünde und göttlicher Strafe.

          Lauterbach spielt gerade in einem Film mit, in dem eine Familie einen Flüchtling aufnimmt, und muss sich von Bunte, als wäre dies eine Selbstverständlichkeit, fragen lassen: „Wie viele Flüchtlinge haben Sie bei sich zu Hause aufgenommen?“ Keinen, sagt Lauterbach, denn: „Wir haben die Hütte ziemlich voll mit zwei Kindern, Kindermädchen und Haushälterin.“ Verständlich, aus dem gleichen Grund haben auch wir selbst keinen Platz für Flüchtlinge, und bei uns kommen ja auch noch Köchin, Klavier- und Yogalehrer, Bodyguard, Mundschenk und Vorkoster hinzu.

          Kardashian schweigt zum Überfall

          Denkwürdig ist auch das „Interview der Woche“, welches Intouch mit Kim und Khloé Kardashian über deren Doku-Soap geführt hat. Unter anderem geht es um Kims Liebe zu Paris: „Ich war mittlerweile oft dort, und ich liebe einfach alles.“ Bis auf die Tatsache vielleicht, dass sie dort vor einem Monat in ihrem Apartment überfallen, gefesselt und beraubt wurde? Davon im Intouch-Interview kein Wort.

          Stattdessen erzählt Kim Kardashian eine Begebenheit mit Schauspielerin Jennifer Lawrence: „Gestern Abend war ich noch in New York und habe Jennifer gesehen und musste aber schnell in den Fahrstuhl. Sie hat durch den ganzen Flur geschrien: ,Ich liebe deine Show!‘“ Seltsam freilich, dass besagte Episode schon seit bald zwei Jahren durchs Netz geistert; im Januar 2015 schrieb die englische Sun darüber. Sag mal, Intouch: Wenn du „Interview der Woche“ schreibst, von welcher Woche reden wir dann genau? Oder hat Lawrence nach zwei Jahren noch einmal durch die Lobby gebrüllt?

          Auf dem roten Teppich in Sydney: Kim Kardashian mit Schwester Khloé
          Auf dem roten Teppich in Sydney: Kim Kardashian mit Schwester Khloé : Bild: dpa

          Schweigsam geben sich, was ihre Beziehung betrifft, Gerhard Schröder und Doris Schröder-Köpf, die laut Medienberichten in Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius einen neuen Partner gefunden hat. „Für Gerd muss es hart sein“, lässt sich in Bunte „ein Freund“ zitieren. „Schließlich ist er der Elder Statesman. Und seine Doris liebt einen Durchschnittspolitiker, der zudem auch aus der Region kommt.“ Und vielleicht könnte Doris ihrem Gerhard ja wirklich einen letzten Liebesdienst erweisen und sich einen standesgemäßeren Partner suchen, der etwas weiter weg wohnt. Wie wäre es mit Wladimir Putin?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hans-Georg Maaßen trifft Thilo Sarrazin (r), früheres SPD-Mitglied und Politiker, bei einer Wahlkampfveranstaltung im Saal Simson des Congress Centrum Suhl.

          Maaßen und Sarrazin : Wahlkampf der alten Männer

          In Suhl diskutiert CDU-Kandidat Hans-Georg Maaßen mit dem früheren SPD-Mitglied Thilo Sarrazin. Dabei geht es weniger um Inhalte und vielmehr um die persönliche Kränkung der beiden.
          SPD-Dynastie: Familie Siebel im „stadtbauraum“, einer Veranstaltungsstätte  am früheren Kohleschacht Oberschuir in Gelsenkirchen.

          Politische Prägung : Wählen wie die Eltern

          Welcher Partei wir bei einer Wahl unsere Stimme geben, hängt auch mit der Prägung durch das Elternhaus zusammen. Oder gerade nicht? Drei Ortsbesuche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.