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Auch sie hatten in diesem Jahr etwas zu sagen: Helge Schneider doziert, Ben Affleck hört schweigend zu, Nena folgt Meghan, und Harry hebt das Glas. Cheers! Bild: Toby Neilan

Highlights der Klatschpresse : Hi, Society!

Woche für Woche vertieft sich unser Autor für die „Herzblatt-Geschichten“ in die Welt der Klatschpresse. Hier schaut er zurück auf das Gesellschaftsjahr 2021 – und erzählt, wen er sich im nächsten Jahr als Coverboy wünscht.

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          Journalisten, sofern sie nicht vor einer Kamera stehen, sind nicht unbedingt zu erkennen. Mit seiner Figur Horst Schlämmer – Herrenhandtäschchen, Schnauzer, schiefe Zähne – hat Hape Kerkeling einem bestimmten Typus des Lokalreporters zwar ein Denkmal gesetzt, in der freien Wildbahn allerdings begegnet man solchen Schlämmer-Männern nur noch selten; die meisten von uns sehen anders aus, zumindest will ich das hoffen.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich selbst allerdings wäre mindestens einmal in der Woche recht einfach zu entdecken, und zwar in einem Bahnhofskiosk oder vor dem Zeitschriftenregal eines Supermarkts. Ich stehe dann dort, wo man die billigen Klatschblättchen reingestopft hat, die Schöne Freizeit heißen, Gute Freizeit, Neue Freizeit, vielleicht auch Freie Freizeit, so genau weiß ich’s grad nicht. Wenn Sie also dort inmitten lauter älterer, emsig blätternder und zwischendurch ihre Finger abschleckender Frauen einen mittelalten Mann entdecken, den einzigen Mann dort überhaupt: Das bin mit hoher Wahrscheinlichkeit ich. Aber sprechen Sie mich dann bitte nicht an, mir ist das nämlich etwas peinlich. Ein rettungslos geschlechterstereotyp geprägter kleiner Teil meines Hirns redet mir ein, dass die Titelseiten der Hefte in meiner Hand Richard Branson zeigen sollten, Thomas Müller oder wenigstens Joko Winterscheidt. Stattdessen zeigen sie Helene Fischer, Harry und Meghan, Helene Fischer, Hansi Hinterseer oder Florian Silbereisen, letzteren meist gemeinsam mit Helene Fischer. Doch was soll ich machen: Es ist nun mal mein Job. Jedenfalls ein Teil davon.

          Woche für Woche von vorn bis hinten

          Dass es sich hierbei um Arbeit handelt, scheint sich auch manchen Kollegen nicht zu erschließen, wenn sie in mein Büro kommen, während ich ins Echo der Frau vertieft bin. Denn obschon ich zuweilen meine Beine auf dem Schreibtisch platziert habe, ist diese Lektüre kein Spaß, nicht einmal die von Freizeitspaß: Woche für Woche von vorn bis hinten acht Hefte durchzulesen, die ich abonniert habe, manchmal zuzüglich weiterer, die ich am Kiosk kaufe – dafür geht einiges an wertvoller Lebens- und Arbeitszeit drauf.

          Eine Art Zeitschriftenschau, die Bunte und Goldenes Blatt auswertet, auf eine solche Idee muss man erst mal kommen. Das bin ich auch gar nicht selbst, sondern Peter Lückemeier, der die „Herzblatt-Geschichten“ 14 Jahre lang verfasste. Als ich die Kolumne in der Sonntagszeitung von ihm übernahm, war ich sicher: So lange wie er werde ich das nicht durchhalten. Inzwischen komme ich aber auch schon auf zwölf Jahre. Man darf sich gar nicht ausmalen, was das mit mir gemacht hat.

          Kind oder neue Liebe

          Manche glauben, ich sei ob der Lektüre zum Experten für „die Gesellschaft“ geworden. Das würde ich bezweifeln; allenfalls bin ich ein Experte für das, was sich die Herzblätter unter dieser Gesellschaft vorstellen, und das ist beileibe nicht das gleiche. In einer modernen Gesellschaft stehen, jedenfalls sollte das so sein, Frauen alle Wege offen. In der Gesellschaft, die Das neue Blatt oder Das goldene Blatt zeichnen, bewegt sich das Leben einer Frau, ob sie Kronprinzessin Victoria oder Helene Fischer heißt, jeweils in einer von zwei immer gleichen Bahnen: Entweder ist sie frisch verliebt, oder sie ist schwanger.

          In den Klatschheften einer jüngeren Generation, die Intouch heißen oder Closer, haben sich Protagonistinnen und Narrativ ein wenig verändert. Hier heißen die Titelheldinnen Heidi Klum oder Daniela Katzenberger, und das Drama besteht darin, dass sie in den Augen der Redaktion entweder zu dick oder zu dünn sind. Gut, über viele Monate betrachtet, gibt es dann doch ein paar mehr Variationen, weshalb, wenn man auf das Gesellschaftsjahr 2021 zurückblicken möchte, die Klatschhefte durchaus zu Rate gezogen werden können.

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