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Herzblatt-Geschichten : Heute würde ich mal kiffen

Beklagt die Männerauswahl: Stephanie Stumph Bild: dpa

Kann die „Bild“-Zeitung mit Haustieren sprechen? Stehen Frauen auf Männer, die Robben schlachten? Und ist Merz jetzt bei den Grünen? Die Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Gern hätten wir wenigstens diese Kolumne zur Corona-freien Zone erklärt, allerdings wird das Virus nun auch in den Klatschheften beherrschendes Thema. Zwar druckt „Gala“ noch Selfies ihrer Reporterinnen, auf denen diese mit prominenten Interviewpartnern eng die Köpfe zusammenstecken, hat aber ihre Seiten mit den Party-Bildern der Woche ersetzt durch Fotostrecken toller Urlaubsorte – welche jetzt leider unerreichbar sind; schönen Dank dafür. „Bunte“ kann immerhin noch zwei Seiten mit den Bildern von einer Kunst-Gala in New York (!) füllen, wo gerade eben „eine ausgewählte Society-Gruppe noch einmal feiern“ durfte. Hätte man früher diese Menschen vielleicht mit Neid betrachtet, weckt ihr Anblick nun unser Mitleid. Als wir diesen Absatz hier tippten, haben wir jedenfalls zuerst aus Versehen „Society-Grippe“ geschrieben.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und so vieles, was wir nun lesen, ist überholt. Wenn „Das goldene Blatt“ wieder mal seine Standard-Story bringt über Camilla und Charles, die sich nun wirklich, wirklich („Also doch!“) scheiden lassen, dann tritt dies noch deutlicher als Quatsch hervor, wenn man weiß, dass der Corona-infizierte Prinz samt Gattin in Schottland in Quarantäne hockt. (Sollten sie einander danach komplett überdrüssig sein und sich womöglich doch trennen, wäre das eine andere Geschichte.) Was seine Gesundheit angeht, kann “Bild“ immerhin Entwarnung geben: „Charles geht es gut. Er trinkt viel Tee“, informiert sie uns. Das würde uns noch mehr beruhigen, wüssten wir nicht, dass ein Engländer selbst nach der letzten Ölung noch schnell ein Tässchen trinken würde.

          Völlig isoliert

          Über Charles’ missratenen Bruder Andrew schreibt „Bunte“, nach seinen jüngsten Skandalen zog man im Königshaus „harte Konsequenzen: Andrew ist zur Zeit völlig isoliert.“ Deutlich an Härte verliert diese Strafe dadurch, dass sie nun viele Millionen Menschen teilen, von denen die meisten sich mutmaßlich anständiger aufgeführt haben als Andrew. Gerührt hat uns indes ein Foto von seiner Mutter, die nun laut „Bild“ „die Geschäfte vom Büro in Schloss Windsor aus“ führe, „telefonisch und per Videokonferenzen“.

          Das Foto zeigt die Queen an einem Telefon, dessen Hörer noch mit Spiralkabel am Apparat verbunden ist (und, aber das kann man nicht sicher erkennen, das wohl auch noch eine Wählscheibe hat). Heißt das, die alte Dame muss bei jedem Klingeln immer zu diesem Gerät flitzen, egal in welchem der rund 1000 Räume des Schlosses sie sich aufhält? Und wird für die Videokonferenzen womöglich eine elektrische Schreibmaschine benutzt?

          Von Corona betroffen ist natürlich auch deutsche Prominenz. „In“ entnehmen wir, dass die Mutter Daniela Katzenbergers nicht in ihre Wahlheimat Mallorca zurück kann. „Aber immerhin: Ihre Haustiere werden versorgt. Das bestätigt nämlich die Katze höchstpersönlich im Gespräch mit der ,Bild’-Zeitung“, lesen wir und denken: Donnerwetter. Dass Bild bei jedem Mord als Erste mit der Leiche spricht, ist ja sprichwörtlich, aber dass das Blatt nun auch Haustiere zu interviewen vermag – Chapeau. Haben denn Meerschweinchen und Wellensittich die Angaben der Katze bestätigt? Leider fiel uns dann ein, dass Daniela Katzenbergers Spitzname „Die Katze“ lautet, damit büßt die Geschichte dann doch an Originalität ein.

          Sie mag Merz und die Grünen

          Wesentlich origineller sind die Antworten, die Eislauflegende Marika Kilius im „Blitz-Interview“ der „Bild“-Zeitung gibt: „Schon mal gekifft?“ – „Nie, aber heute würde ich es mal probieren.“ – „Lieblings-Politiker?“ – „Friedrich Merz.“ – „SPD oder CDU?“ – „Lieber die Grünen.“ Verehrte Frau Kilius: Sie finden Friedrich Merz toll, aber wählen die Grünen? Kann es sein, dass Sie den Mann in der falschen Partei verorten? Oder haben Sie wirklich schon einen durchgezogen?

          Deutliche Kritik an vielen Fernsehfilmen übt Maria Furtwängler, zu Recht rügt sie deren Frauenbild. Viel zu oft gehe es den Protagonistinnen einzig darum, den richtigen Mann zu finden, sagt sie Bunte: „Da ist die Frau etwa erfolgreiche Anwältin, aber dann lernt sie auf einer Insel den Robbenfischer kennen und lässt alles stehen und liegen.“ Robbenfischer, wirklich? Verfallen in deutschen Filmen die Frauen tatsächlich reihenweise Männern, die beruflich süße Heuler abschlachten? Puh, zum Glück schauen wir seit Jahren keine Fernsehfilme mehr.

          Désirée Nick wäre sicher keine, die ihre beachtliche Trash-TV-Karriere für einen Robbenfischer aufgäbe. „Leider fühlten sich Männer in der Vergangenheit oft durch meinen Charme und meine Aura angezogen und machten dann den Fehler, aus mir eine gewöhnliche Frau machen zu wollen. Ich war aber noch nie eine gewöhnliche Frau“, sagt sie Gala. Auf die Frage, ob ihr jemals etwas peinlich gewesen sei, sagt sie: „Nein, aber ich schäme mich ständig – für andere.“ Das ist wirklich selbstlos von ihr. Vielleicht könnten sich im Gegenzug ein paar gewöhnliche Frauen für Nick schämen?

          Kein gar so glänzendes Männerbild hat auch Stephanie Stumph. „Fragen Ihre Eltern Sie auch, warum Sie noch nicht verheiratet sind?“, will Bunte wissen, und Stumph antwortet: „Die müssen nicht fragen, die sehen ja selber, was draußen rumläuft. Bei vielen Männern denken sie sich: Gott sei Dank sitzt der an Weihnachten nicht bei uns am Tisch!“ Da ist es ein vielleicht ein kleiner Trost, dass davon zur Zeit nicht mehr so viele draußen rumlaufen.

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