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Herzblattgeschichten : Mit Hemd bin ich viel klüger

Mit Hemd gefühlte 50 IQ-Punkte intelligenter: der schottische Schauspieler Gerard Butler Bild: dpa

Tränen bei „Bauer sucht Frau“, Mundgeruch bei Marianne und Michael, falsche Bescheidenheit bei Gerard Butler: In den Klatschblättern war vergangene Woche wieder viel los.

          3 Min.

          Erst im Mai hatten wir an dieser Stelle auf das Schicksal des „Bauer sucht Frau“-Paares Josef und Narumol aufmerksam gemacht, die dem „Neuen Blatt“ mit trauriger Regelmäßigkeit schlimme Titelgeschichten liefern. Mal hatte Narumol angeblich in Lebensgefahr geschwebt, weil sie ein paar Tabletten nicht genommen hatte, mal hatte Josef einen Autounfall, mal wurde Narumol beim Melken von einer Kuh getreten.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die nächste Katastrophe hatten wir turnusmäßig eigentlich erst im Herbst erwartet, doch schon jetzt ist es wieder soweit: „Neues Ehe-Drama – Narumol – Schock–Beichte! ,Ich habe nächtelang geweint‘“, titelt „Das neue Blatt“, und wir fragen uns bang: Hatte ihr Bauer eine neue Frau gesucht? War schon wieder eine Kuh verwickelt? Hatte Josef Narumol ein Fipronil-Ei gekocht?

          Sein Interview leitet „Das neue Blatt„ mit der Feststellung ein: „Narumol, du hast Tränen in den Augen. Was ist passiert?“ Ja, was ist passiert? „Josef und ich hatten letzten Monat Hochzeitstag, unseren 7. Und er hat es wieder vergessen.“ Jetzt sehen Sie, verehrte Herren dieser Welt, wie gut Sie es haben: Ihre Gattin ruft in so einem Fall vielleicht ihre Mutter an, Narumol gleich „Das neue Blatt“, und zack!, stehen Sie damit auf der Titelseite.

          Zum Glück zumindest, entnehmen wir dem zweiseitigen Interview, haben sich Josef und Narumol wieder vertragen, denn „Josef ist dann raus auf die Wiese und hat mit Verspätung einen Blumenstrauß gepflückt“. Höchst gespannt sind wir nun, welche Dramen „Das neue Blatt“ gemeinsam mit Narumol und Josef als nächstes ausbaldowert. Wie wär’s mit: „Narumol erschüttert – Josef hat wieder den Toilettendeckel nicht runtergeklappt – Ist nun alles aus?“

          Jung dank Knoblauch-Zitronen-Trunk?

          Viel harmonischer geht es offenbar zwischen Marianne und Michael zu, die laut „Neuem Blatt“ „Jung, schlank, schön!“ sind und verraten, wie sie das schaffen: Unter anderem trinken sie „jeden Tag unseren selbstgemachten Knoblauch-Zitronen-Trunk“. Das ist clever, denn dann traut sich womöglich niemand nah an einen ran, und aus der Entfernung sieht man automatisch viel jünger aus.

          Jugendlichkeit mit Mundgeruch: Marianne und Michael im November 2016
          Jugendlichkeit mit Mundgeruch: Marianne und Michael im November 2016 : Bild: dpa

          Im Alter häufiger eigene Wege beschreitet Prinz Henrik von Dänemark (83), der seine Frau, die Königin, bei offiziellen Terminen nicht mehr begleitet. Nun will er auch nicht mehr neben ihr liegen. Damit sind nicht etwa getrennte Schlafzimmer gemeint, auf die viele Ehepaare mit den Jahren schwören, nein, Henrik hat mitgeteilt, „dass er nach seinem Tod nicht neben seiner Frau, Königin Margrethe (77), im Dom zu Roskilde beigesetzt werden will“. Beobachter glauben, dass Henrik damit mal wieder seinen Unmut darüber zum Ausdruck bringen will, dass er sich nie König, sondern immer nur Prinzgemahl nennen durfte. Da können wir uns schon vorstellen, welche Inschrift er in seinen Grabstein gravieren lassen wird: „Ätsch!“. Oder, wir sind ja in Dänemark, „æh bæh!“, das klingt sogar noch besser.

          Prinz Henrik will nicht mehr neben Königin Margrethe liegen – nicht im Bett, sondern im Grab.
          Prinz Henrik will nicht mehr neben Königin Margrethe liegen – nicht im Bett, sondern im Grab. : Bild: Reuters

          Wir bleiben in royalen Gefilden: „Wohl keine andere Königin eines regierenden Hauses“, schreibt Andreas C. Englert, stellvertretender Chefredakteur der „Frau im Spiegel“, „ist so häufig in Deutschland zu Gast wie Königin Silvia von Schweden“, und dass dort der König nicht regiert, sondern nur repräsentiert, das wissen sogar wir – nicht aber Sie, Herr Englert, obschon das doch Ihre Kernkompetenz sein sollte. Andererseits sind Sie ja auch nur stellvertretender Chefredakteur und von daher mit dem Regieren vielleicht nicht allzu vertraut.

          Aufmerksamkeit vorbeimarschierender Royals auf sich ziehen

          Zu den Kernkompetenzen der Klatschreporter gehört, wie wir unlängst feststellten, auch das Verteilen von Blumensträußen und Windrädern an durchreisende Mitglieder von Königsfamilien; das royale „Danke“ lässt sich dann schnell zum „Exklusiv-Interview“ hochjazzen. Es gibt aber noch einen raffinierteren Weg als Windräder, um die Aufmerksamkeit der vorbeimarschierenden Royals auf sich zu ziehen: Man schleppt einfach den eigenen Nachwuchs mit.

          So musste die kleine Tochter einer „Echo der Frau“-Redakteurin Königin Silvia Blumen überreichen, während das Töchterchen eines „Aktuelle“-Schreibers Herzogin Kate zwei Kuscheltiere zu geben hatte. Wenn das Schule macht, krabbeln demnächst über die Hälfte der Stühle der Bundespressekonferenz kleine Kinder, deren Eltern darauf hoffen, der Kanzlerin die erste Frage zu stellen. Frage ans Finanzamt: Dürfen Klatschreporter die eigenen Kinder von der Steuer absetzen, als Arbeitsmittel?

          Herzogin Kate wurden bei ihrem jüngsten Deutschlandbesuch vom Töchterchen eines Klatschreporters zwei Kuscheltiere überreicht. Eine neue Strategie der Boulevardpresse?
          Herzogin Kate wurden bei ihrem jüngsten Deutschlandbesuch vom Töchterchen eines Klatschreporters zwei Kuscheltiere überreicht. Eine neue Strategie der Boulevardpresse? : Bild: AP

          Ganz ohne eigenes Kind im Schlepptau hat „Bunte“ den Schauspieler Gerard Butler zum Thema Mode interviewt. Butlers Behauptung, am liebsten trage er „casual-smart“, kontert Bunte mit der Frage, ob er denn auch selbst smart sei. „Sie meinen intelligenzmäßig?“ – „Ja.“ – „Leider nein. Das ist der Grund, warum ich diese Hemden tragen muss. Mit Hemd bin ich gefühlt 50 IQ-Punkte intelligenter. Halte ich dann noch den Mund, habe ich den meisten Erfolg . . .“ Kluge Strategie, aber irgendwann kommt dann ja der Punkt, an dem er vor der erfolgreich eroberten Dame das Hemd auszieht – und dann ist er mit einem Schlag 50 IQ-Punkte dümmer. Doch in dem Moment kommt es auf Intelligenz vielleicht nicht mehr so an.

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