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Herzblatt-Geschichten : L’amour in Berlin

Deutschland und Frankreich ist sich näher als man denkt - wenn man dem Boulevard glauben schenkt Bild: dpa

Staatstragender können unsere Herzblätter kaum sein: Mutti Merkel und le Président Hollande zärtlich vereint - was aber sagt Joachim Sauer dazu?

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          Politische Ratschläge geben wir hier ja nur selten, aber ausnahmsweise möchten wir uns direkt an die Unionsparteien wenden: Passt auf, dass ihr nicht einen weiteren gesellschaftlichen Trend verpasst. Vor einiger Zeit hat das Klebebildchenhaus Panini ein Monatsheft namens Mein Papst herausgebracht, das sich ausschließlich dem Treiben des Franziskus widmet. Die mit dem Possessivpronomen umschmeichelte Zielgruppe sind nicht etwa die Katholiken, sondern ganz allgemein „Frauen ab 40“, die am leutseligen Auftreten, an den Sprüchen und den teils exotischen Ansichten des Mannes ihre Freude haben. Im Grunde die klassische Yellow-Press-Leserschaft.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Und da, CDU/CSU, hättet ihr längst reagieren müssen – gibt es doch auch in euren Reihen jemanden, der Franziskus an Bekanntheit nicht nachsteht, der wie dieser deutlich populärer scheint als der eigene Verein und der längst sein eigenes Magazin verdient hätte. Oder wollt ihr warten, bis an eurer Stelle der Panini-Verlag Meine Merkel herausbringt? Oder Unsere Mutti?

          Dass sich so ein Heft verkaufen würde, steht völlig außer Frage angesichts der erstaunlichen Häufung von Merkel-Stories in den bunten Blättern. Nehmen wir Woche heute: „Auch das noch! Angela Merkel – Dramatische Ehe-Krise! Lässt ihr Mann sie jetzt im Stich?“, schreibt das Blatt auf seinem Cover, auf welchem ein lachender Joachim Sauer seiner lachenden Gattin über die Schulter lugt – was einen gewissen Widerspruch darstellt zur im Heftinneren aufgestellten Behauptung: die „Mienen der beiden auf Fotos sprechen Bände“. Anlass der Krise sei demnach, dass der Quantenchemiker trotz seiner 65 Jahre weiterarbeiten werde. „Beschaulicher Ruhestand mit Angie? Fehlanzeige!“, resümiert Woche heute, was wohl so zu verstehen ist, dass, wäre ihr Mann in Rente gegangen, auch die Kanzlerin als treue Gattin ihren Job an den Nagel gehängt hätte.

          Charles und Camilla - Mal wieder Scheidung und Versöhnung?

          „Zärtliche Gesten, vertrautes Lächeln und Verbundenheit? Bei Joachim und Angela Fehlanzeige!“, echot Das Neue, das für die vermeintliche Verstimmung eine andere Erklärung hat: „L’amour in Berlin – Was läuft da mit dem charmanten Franzosen?“, fragt das Heft auf seinem Cover. „Oh, là, là, Monsieur le Président, da haben Sie aber ein Herz im Sturm erobert“, wendet sich Das Neue dann direkt an besagten Charmeur, den Merkel „fast wie ein verliebter Teenager“ anhimmele: „François Hollande (60) kam zu Besuch nach Berlin – und plötzlich lag ,L’amour‘ in der Luft!“ Hoffen wir, dass Wladimir Putin nicht aus Eifersucht gleich einen neuen Krieg beginnt.

          Sollte Hollande, der ja bekannt ist für seine amourösen Moped-Touren durchs nächtliche Paris, sein Vehikel demnächst dann Richtung Uckermark zu Merkels Ferienhaus lenken, wird er freilich auf ein Hindernis stoßen: „Was ist das denn! Sie hat sich eine neue Mauer gebaut“, empört sich Die Aktuelle. „Ausgerechnet Angela Merkel, die den Mauerfall in der damaligen DDR erlebte.“ Und dann fühlt sich Die Aktuelle tief ein in die ostdeutsche Mentalität: „Angst vor neugierigen Blicken, oder liegt die Abschottung doch an der DDR-Vergangenheit der Kanzlerin?“ Klar, weil den Ostlern die alte Geborgenheit fehlt, mauern sie sich am liebsten überall ein. Wie viele Leser hat Die Aktuelle eigentlich in den neuen Bundesländern?

          Die Angst vor Veränderungen ist es womöglich auch, welche die Leser des Goldenen Blatts immer wieder zu ihrem Heft greifen lässt, das im Wochenrhythmus abwechselnd erst die Scheidung von Camilla und Charles und danach deren Versöhnung meldet. „Jetzt also doch! Scheidung“, lautet die aktuelle Titelstory, was sich immerhin in einer Nuance unterscheidet von den Cover-Geschichten „Jetzt doch! Scheidung“ vom Oktober 2012 und vom August 2013. Diesmal habe sich die Herzogin in einen älteren Landadeligen verguckt und wolle die Trennung: „Es sei denn, Camilla ändert in letzter Sekunde noch ihre Meinung. Nichts sähe ihr ähnlicher.“ Der Versöhnung in der nächsten Ausgabe ist damit der Boden schon bereitet.

          Auf dem G-7-Gipfel geht nicht nur Liebe durch den Magen

          Doch auch die Ehe von Charles’ Mutter steckt in der Krise. „Es geht um eine andere Frau“, weiß Frau aktuell, der zufolge Prinz Philip (93) an der Seite von Lady Penny Romsey-Brabourne (62) aufblühe; sogar von „heimlichen Flirts in der Kutsche“ ist die Rede. Am Ende aber gibt das Blatt Entwarnung, denn auch Philip folge dem Motto: „Appetit holt man sich draußen – aber gegessen wird zu Hause!“ Du bist also sicher, Frau aktuell, dass der Prinz in seinem ehrwürdigen Alter immer noch „isst“?

          Im Schloss Elmau essen werden in ein paar Tagen die G-7-Staats- und Regierungschefs, und Angela Merkel hat vorab schon mal die Lage erkundet. Natürlich ist man auch dort begeistert von ihr. „Meine Leute sind im siebten Himmel“, erzählt Schlossherr Dietmar Müller-Elmau Gala. „Der Chefkoch war gar nicht da, nur der Stellvertreter vom Stellvertreter. Ich glaube, der wäscht sich die Hände jetzt drei Wochen nicht mehr.“ Uärks! Bei allem Respekt vor der Kanzlerin – aber anstelle der G-7-Teilnehmer würden wir unter diesen Umständen lieber woanders speisen.

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