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Herzblatt-Geschichten : Wir waren schön im Kreisverkehr

Feilen heimlich: Amal und George Clooney Bild: dpa

George und Amal Clooney geben sich einer heimlichen Beschäftigung hin, Herzogin Kate bangt um ihren Mann, und Leonard Lansink wählte für seinen Heiratsantrag einen ganz klassischen Ort: das Auto. Die Herzblatt-Geschichten.

          3 Min.

          Das darf man wohl als antizyklische Berichterstattung bezeichnen: Wo alle anderen Blätter aufmachen mit Geschichten über Meghan, Harry, Harry und Meghan oder Meghan und Harry, setzt Neue Post Bruder William und dessen Gattin auf den Titel. Schön ist die Schlagzeile nicht: „Herzogin Kate – Sie bangt um ihren Mann – Unheilbar krank!“ Nicht zum ersten Mal wird hier behauptet, William leide an der Stoffwechselerkrankung Porphyrie, worauf seine „roten, aufgedunsenen Hände“ hindeuteten. Die besorgte Kate, lesen wir, habe sich sogleich „in die Bibliothek gesetzt und sich die in Leder gebundenen Geschichtsbücher des Hauses bringen lassen. So erfuhr sie, dass auch schon König Georg III. (†1820) unter der Krankheit litt“. Das hätte sie etwas weniger aufwendig und deutlich schneller auch aus dem Internet erfahren können; höchste Zeit, dass man im Palast endlich W-Lan bekommt.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch „ein Experte“ kommt in Neue Post zu Wort: „,Es stimmt: Das Leiden hat sich im englischen Königshaus bis auf den heuten (sic) Tag vererbt‘, so Hofarzt Dr. Reginald Harrison auf Anfrage von Neue Post.“ Dann führt Dr. Harrison aus, dass Porphyrie auch zu Halluzinationen, Psychosen und Lähmungserscheinungen führen könne. Verblüffend ist die Offenheit, mit der jener Arzt über seine royalen Patienten spricht. Noch verblüffender ist, dass eine Internetsuche nach Ärzten, die fürs Königshaus tätig sind, keinerlei Spuren zu einem Reginald Harrison aufzeigt. Offenkundig gibt es diesen Mann nicht. Beziehungsweise nicht mehr: Ein Chirurg namens Reginald Harrison hat von 1889 an in London gearbeitet. 1908 ist er gestorben. Sollte es der Neuen Post tatsächlich gelungen sein, diesen Doktor zu befragen, so könnten wir nur den Hut ziehen.

          Muss wohl ohne Internet recherchieren: Herzogin Kate

          Gleich den nächsten prominenten Patienten präsentiert, vermeintlich, Freizeitspass: „Jan Josef Liefers – Heimlich in der Klinik – Was wirklich dahintersteckt“, titelt sie. Was wirklich dahintersteckt, ist gottlob völlig langweilig: Liefers war „nicht etwa zur Behandlung in Konstanz, sondern um sich weiterzubilden“, unter anderem durch Vorträge des Sportmediziners Dr. Mosetter. Den gibt es wirklich.

          Feurige One-Night-Stands

          Heimlichen Beschäftigungen geben sich auch andere hin. „George & Amal Clooney – Süße Baby-Überraschung“, meldet In: „Seit Monaten feilen sie heimlich an weiterem Nachwuchs.“ Im Gegensatz zu den vielen Menschen, die ja gern in aller Öffentlichkeit am Nachwuchs, nun ja, feilen.

          In thematischer Nähe bewegt sich Gala im Gespräch mit der Schauspielerin Jeannette Hain. „One-Night-Stands interessieren mich nicht“, sagt Hain. „Wenn ich mit einem Mann zusammen bin, will ich lichterloh brennen und mich mit Haut und Haaren einlassen.“ Doch wer sagt, dass man beim One-Night-Stand nicht auch ein hübsches Feuer entfachen kann? Es muss ja nicht immer gleich so lang brennen wie zurzeit in Australien.

          Auf Kürze setzt auch ihr Kollege Hinnerk Schönemann. Von Bunte befragt, wie ein Tag auf seinem Bauernhof aussehe, antwortet er: „Pflanzen. Treckern. Holz hacken. Bäume fällen.“ Da merken wir gleich wieder, wie wenig Ahnung wir vom Landleben haben: Wir hätten doch glatt erst mit dem Trecker das Feld gepflügt und dann gepflanzt, und erst den Baum gefällt und dann dessen Holz gehackt.

          Die richtige Ausfahrt wählen

          Eher beiläufig handelte Leonard Lansink einst auch den Heiratsantrag an seine jetzige Gattin ab, den er ihr „nach zwei Jahren ganz klassisch im Auto“ machte: „Sie ist gefahren, wir waren schön im Kreisverkehr, als ich sie gefragt habe: ,Wie sieht’s aus? Lass uns doch heiraten.‘“ Hoffentlich bereut Frau Lansink nicht, welche Ausfahrt sie damals genommen hat.

          Beim Outfit für den roten Teppich herrscht bei Sandra Maischberger Herrenwahl.

          Nur Gutes über ihren Gatten entlockt Bunte Sandra Maischberger. „Ich koche sehr gern für ihn, aber er kocht besser als ich“, so die Moderatorin, „und manchmal sucht er auch meine Kleider für mich aus.“ Eine Frau gesteht, dass ihr Mann ihr die Kleider rauslegt: Womöglich ahnt Maischberger gar nicht, welch wichtiges Signal in Sachen Gleichberechtigung das Paar hier setzt. Wenn beim nächsten Mal auf dem roten Teppich wieder die doofe Reporterfrage nach der Herkunft ihres Kleids kommt, sollte sie dann aber bitte schön auch antworten: „Keine Ahnung, das müssen Sie meinen Mann fragen.“

          Übrigens, Bunte: Wenn du Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin mit dem Wort zitierst, die Zeppelin-Stiftung sei in eine „Schieflache“ geraten, dann scheinst du uns leider schief zu legen; nicht auszuschließen, dass deine Leserschaft sich da schieflacht.

          Und noch etwas zur Bunten, es hat wiederum mit einem Doktor zu tun. Gleich mehrfach hatten wir in dieser Kolumne unsere Faszination darüber bekundet, dass niemand, und sei er noch so hochgebildet, im Heft mit seinem Doktortitel genannt wurde – mit einer beziehungsweise zwei auffälligen Ausnahmen: dem Bunte-Verleger Hubert Burda und seiner Gattin Maria Furtwängler. In dieser Ausgabe nun tauchen beide wieder auf – und zwar erstmals ohne Doktortitel.

          Endlich Gleichheit, dachten wir uns, bis wir beim Umblättern doch noch auf jemanden stießen, dessen Titel erwähnt wird: „Dr. Daniel Terberger“, Chef der Katag, eines „Fashion-Dienstleisters“ aus Bielefeld. Das kann nur eines bedeuten: Dr. Terberger hat heimlich die Bunte übernommen.

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