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Herzblatt-Geschichten : Verwöhnt von allen Seiten

Steht Franz Beckenbauers Leben wieder Kopf? Bild: dpa

Franz Beckenbauers Leben steht Kopf und Britney Spears plant schon mal ihre Zeit danach: Sie will sich einfrieren lassen. Ob Paris Hilton auch diesem Trend folgt? Lidsay Lohan unterdessen hat ein schickes neues Accessoir.

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          Wollen wir doch mal prüfen, ob Sie nach jahrzehntelanger Lektüre dieser Kolumne etwas über das Tagwerk der Herzblätter gelernt haben – und zwar mit einem Quiz. Wenn die Neue Welt die Titel-Schlagzeile druckt „Franz Beckenbauer – Trauriges Ende! Wieder stellt er sein Leben auf den Kopf“ und dazu den Kaiser nebst Ehefrau abbildet, was hat Beckenbauer dann getan? A) Er hat ein neues Betriebsfeier-Baby gezeugt. B) Er hat seine wahren Gefühle entdeckt und ist zu Uli Hoeneß gezogen. C) Nichts. Richtig ist natürlich C: nichts. Er hat lediglich erklärt, wie wir im Artikel lesen, nicht Präsident der Fifa werden zu wollen. Da ahnen Sie sicher auch, was sich hinter der Titelstory von Echo der Frau verbirgt, die da lautet: „Steffi Graf – Überraschung! Rückkehr nach Deutschland“. Genau: Steffi möchte in den Ferien „mehrere Wochen nach Deutschland reisen“. Aber drucken Sie das mal als Schlagzeile: „Steffi Graf macht Urlaub in Deutschland“. Wer wollte so etwas lesen?

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schuld an solch betrüblichen Missverständnissen sind jene Stars, die die Bedürfnisse des Publikums nach Anteilnahme nicht befriedigen – also auch Du, Lena Meyer-Landrut. Weißt Du eigentlich, was Du mit Deiner trotzigen Weigerung, uns auch nur irgendetwas Privates über Dich zu erzählen, anrichtest? Kannst Du Dir nicht vorstellen, welch übermenschliche Anstrengung es die armen Kollegen von Das Neue gekostet haben muss, aus buchstäblich nichts eine zweiseitige Story zu stricken mit dem Titel: „Dramatische Wende! Oslo-Star Lena – Flucht ins Kloster?“ Lena nämlich hat ja mal, so viel sickerte dann doch durch, vor zwei Jahren für eine Woche das Kloster Taizé besucht, und dahin, fabuliert Das Neue, werde sie vielleicht zurückgehen, wenn ihr der Ruhm zu viel werde. Der Rat der Redaktion – „Hör auf Dein Herz, Lena!“ – lässt sich dann auch als freundliche Umschreibung von „Hau bloß ab“ lesen. Und noch eine Preisfrage, diesmal zu einer Geschichte im Goldenen Blatt. „Florian Silbereisen – Das Todesdrama um seinen besten Freund“: Was ist da geschehen? Hat Stefan Mross das Mundstück seiner Trompete verschluckt? Nein: Der Sänger Christoff, mit dem Silbereisen auf Tournee ist, litt an einem Gehirntumor. Vor 22 Jahren. Wie aber übersetzen wir: „Das Goldene Blatt-Mitarbeiterin Jennifer Evans traf Whitney Houston“? So: Sie hat neben ein paar anderen tausend Leuten Houstons Konzert in München besucht. Wir haben übrigens gestern Angelina Jolie getroffen. War aber öde, der Film.

          Sind noch Fußfesseln übrig?

          Kommen wir nun zu den richtigen, den harten Nachrichten. Britney Spears will sich einfrieren lassen. Sie plant, lesen wir in Gala, „ihren Körper für die Ewigkeit zu konservieren. 285.000 Euro will sie in Flüssigstickstoff investieren, genauer gesagt in die Kryonik-Technik.“ Geschehen soll dies erst nach ihrem Tod, wobei wir gar kein Problem damit hätten, wenn sie sich sofort einfrieren ließe – und Paris Hilton und Lindsay Lohan gleich mit. Lohan übrigens muss, weil sie gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat, derzeit ein Gerät am Fußgelenk tragen, das laut Gala „alle 30 Minuten testet, ob Lindsay getrunken hat, und in dem Fall die Behörden alarmiert“. Das finden wir faszinierend, auch wenn wir nicht verstehen, wie es funktioniert: Spürt das Gerät ihren torkelnden Gang? Steckt eine Nadel im Bein, die den Blutalkohol misst? Und wäre ein Gerät im Kehlenbereich nicht verlässlicher? Bunte aber klärt uns auf: Die Fußfessel „misst den Schweißfilm auf der Haut“, der beim Saufen offenbar zunimmt. Wenn das so ist, würden wir an Lohans Stelle nur noch bei voll aufgedrehter Klimaanlage trinken. Doch die Dame kennt weit raffiniertere Methoden, wie wir Bild entnehmen: Sie ließ sich die Weisheitszähne ziehen – womöglich nur, um so an ihr eigentlich untersagte Schmerzmittel zu kommen. Als Nächstes ist dann vielleicht der Blinddarm dran.

          Und auch bei Steffi Graf scheint sich Grundlegendes zu ändern

          Keine gute Figur gibt momentan auch Sarah Ferguson ab, die einem Interessenten gegen Zahlung von 585.000 Euro versprochen hat, ihn in Kontakt mit ihrem Ex-Gatten Prinz Andrew zu bringen. Leider war der Mann ein Undercover-Journalist, weshalb die Welt nun Fergies finanzielle Lage kennt (desaströs) wie auch ihr Lebensgefühl: „Ich finde es toll, Aristokratin zu sein, da geht nichts drüber“, hat sie laut Neuem Blatt gesagt. Bei dem Kontaktgespräch, hat sie nun eingeräumt, ist sie betrunken gewesen. Sind noch Fußfesseln übrig? Boris Beckers jüngster Sohn derweil wird, wie die Neue Welt schreibt, „Papa immer ähnlicher. Nicht nur, dass Amadeus dem einstigen Tennis-Profi wie aus dem Gesicht geschnitten ist, er liebt es auch, von allen Seiten verwöhnt zu werden.“ Genau wie der Vater eben.

          Selbstbewusstsein beweist die alleinstehende Schauspielerin Muriel Baumeister: „Ich lerne keine Männer kennen, die meisten kennen mich schon“, sagt sie Bunte. Und fügt hinzu: „Ich brauche einfach jemanden, der richtig entzückend ist. Und zwischen zehn und zwölf Uhr abends gut aussieht.“ Da dürften Deutschlands Männer bald Schlange stehen: Zwischen zehn und zwölf, das sollte zu schaffen sein. Da ist es ja schon recht dunkel.

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