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Herzblatt-Geschichten : Vata, Mutta, Pitta, Peta

„Selbstsüchtig“?: Justin Bieber auf einem Konzert in Las Vegas Bild: AP

Neues Jahr, neue Entdeckungen! Justin Bieber kreuzt sich mit einem Grizzly und einem Eisbär, Kylie Jenner hat tolle Regeln für ihren neuen Shop, Daniela Katzenberger erfindet die Katze-Kerze – und Heinz Hoenig spricht mit seiner verstorbenen Frau.

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          Wie ließe sich das Jahr schöner beginnen als mit dem Vorsatz, Neues zu entdecken? Also, fangen wir gleich damit an: Kennen Sie die drei Doshas? Jetzt sagen Sie bestimmt, Sie kennen schon die drei Amigos, die drei Musketiere und die drei Fragezeichen, und das reicht Ihnen, aber seien Sie doch mal ein bisschen aufgeschlossener. Die drei Doshas, das sind Vata, Pitta und Kapha. Klingt nach norddeutscher Patchworkfamilie mit integriertem Flüchtlingskind, ist aber Ayurveda. In der Bunten wird erläutert, was es mit dem Trio auf sich hat. Vata steht für Bewegung, Pitta für Verwandlung und Kapha für Stabilität. Durch Stress geraten diese drei Grundprinzipien des menschlichen Lebens aus der Balance, und eine Ayurveda-Behandlung bringt sie wieder ins Gleichgewicht.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das ist Ihnen zu abstrakt? Gut, dann erklären wir es mit ein paar Beispielen aus der Promi-Welt. Justin Bieber etwa hat sich kürzlich eine Überdosis Pitta genehmigt: Mit Hilfe eines Echtpelzmantels verwandelte sich der Sänger in eine zweibeinige Kreuzung aus Grizzly und Eisbär, um bei einer Außentemperatur von 23 Grad durch Los Angeles zu tapern. Liquidiert wie weiland Problembär Bruno wurde er zum Glück nicht, aber das „Fell-Fiasko“ (In Touch) hat ihm einigen Ärger eingebracht. Nicht mit Vata oder Mutta, sondern mit Peta. Die Tierschützer empörten sich über den Bieber-Pelz und warfen seinem Träger vor, nicht zu erkennen, wie viel Leid er durch sein „selbstsüchtiges“ Verhalten über unschuldige Kreaturen bringe.

          Ansprache nur im Notfall

          Kylie Jenner wiederum hat einen Vata-Komplex. Bei ihr bewegt sich nämlich nichts. Genauer gesagt betrifft die Stagnation den „Cosmetics Holiday Pop-up Store“, den die TV-Reality-Darstellerin eröffnet hat. Laut In Touch beträgt die Wartezeit für Kunden vor dem Einlass im Schnitt vier Stunden. Wer kurz die Schlange verlässt, muss sich wieder hinten anstellen. Die Aufenthaltszeit im Laden ist auf 20 Minuten begrenzt, Sicherheitspersonal und Angestellte dürfen nur im Notfall angesprochen werden.

          Öffnen

          Da gehen wir doch lieber auf einen Teller Low-Carb-Zucchini-Nudeln in Til Schweigers Hamburger Lokal „Barefood“. Dort wartet man zwar auch ewig, wird aber wenigstens selten von Servicekräften belästigt, wie OK! schreibt. „Nur zwei Monate nach der gefeierten Eröffnung braucht Til wieder Personal“, heißt es da. Vermutlich hatten die Kellner Schwierigkeiten, die Ansagen des Chefs akustisch richtig zu verstehen, weshalb wir allen künftigen Bewerbern für einen Job im „Barefood“ raten, vorher einen Kurs in Schweigerlatein zu absolvieren. Also, was heißt: „Nnnmachma nbissschn flottä, sonss wird dä Kaffää ja kalt“?

          Na? Sie haben wahrscheinlich nur Kapha verstanden. Schön, wenden wir uns also dem Prinzip Stabilität zu. Kurz haben wir überlegt, etwas über Helene Fischer zu schreiben, die OK! „intime Einblicke in ihren Alltag“ gewährt („Ich fahre nach Hause und bin ein normaler Mensch“), aber dieses Monument blonder Langeweile ist selbst für unseren konservativen Geschmack ein bisschen zu stabil. Lieber widmen wir uns der bezaubernden Keira Knightley, die sich gerade nach etwas Kapha sehnen dürfte: Ein fieser Stalker erschüttert nämlich das Fundament ihrer Existenz. Selbst ganze Batterien von Überwachungskameras können die Schauspielerin In Touch zufolge nicht vor dem Unhold schützen, der - jetzt halten Sie Ihre Empörung bitte in Zaum, auch wenn es schwerfällt - „sogar Katzengeräusche durch ihren Briefschlitz machte“!

          Auch aus der Pfalz vernehmen wir kräftiges Miauen: Daniela Katzenberger informiert via In über die neuen Highlights ihrer Devotionalien-Kollektion. Den Katze-Kalender für 2017 hängen wir gleich am Montag über dem Büroschreibtisch auf, und unsere dunklen Stunden erleuchten wir gerne mit der limitierten neuen Katze-Kerze. Die Schlankheitspillen der Marke „Revolyn Ultra“ (60 Kapseln für 30 Euro) versenken wir dagegen sofort im Katzenklo, denn mit denen hat die Katzenberger nach In Touch-Informationen nix zu tun: Der unter ihrem Namen plazierte revolynfreundliche Facebook-Post sei eine dreiste Fälschung.

          Empfehlenswert wiederum ist der neueste Beauty-Trend aus Asien, von dem Actrice Tina Ruland in Closer berichtet: die Schleim-Gesichtskur mit lebenden Schnecken. Sie lässt sich perfekt in ein ayurvedisches Wellness-Konzept integrieren: Die Schnecken-Bewegung (Vata!) in Richtung Nasenlöcher bewirkt im Handumdrehen die Verwandlung (Pitta!) jeder hautpflegebedürftigen Zahnarztgattin in eine kreischende Reinkarnation der vielarmig um sich schlagenden Gottheit Shiva.

          Spirituell unterwegs: Schauspieler Heinz Hoenig

          Zum Schluss des Werbeblocks sei noch das Hoenig-Telefon gepriesen. Von ihm berichtet Frau im Spiegel: Der Schauspieler Heinz Hoenig besitze einen Stein, der als „eine Art spirituelles Telefon“ diene, durch das er regelmäßig mit seiner verstorbenen Frau spreche. Sie können dieses wertvolle Kommunikationsmittel im Frau-im-Spiegel-Shop oder im seriösen Esoterikfachhandel zum Preis von nur . . . Einen Moment, unser Stein klingelt. Der Anrufer ist so schlecht zu verstehen, dass wir auflegen. Kurz haben wir gedacht, es könnte Til Schweiger sein. Aber der hat ja Gott sei Dank noch alle drei Doshas beisammen.

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