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Herzblatt-Geschichten : Loderndes Feuer der Leidenschaft

Die langsamste Blitz-Geburt der Welt: Wann kommt das Baby? Bild: Neue Welt

Die Kollegen von der „Neuen Welt“ können anscheinend in die Zukunft blicken. Denn Victoria hat ihr Kind noch gar nicht zur Welt gebracht. Und die „Frau im Spiegel“ deckt ganz investigativ Guttenbergs Geheimpläne auf.

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          Poetisch ist es schon, unser Bunte-Horoskop in dieser Woche: „Sie verwandeln sich“, heißt es da über uns Fische, „in eine Seelentaucherin auf der Suche nach den letzten echten Perlen im Ozean des Lebens. Falschheit, Unechtes und Verlogenes hat in dieser Welt keinen Platz.“ Toll, nur mit Sicherheit die verkehrte Botschaft, während wir die Klatschpresse durchblättern. Deren Welt schließlich besteht fast ausschließlich aus Falschheit, Unechtem und Verlogenem.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach oben gefischt haben wir etwa dies: „Helene Fischer – Hurra! Es ist so weit!“, titelt Echo der Frau, was in der Leserschaft die Hoffnung auf Helenes Hochzeit mit Florian Silbereisen wecken soll. So weit ist aber was ganz anderes: „Helene Fischer zeigt ihre neue ,Tchibo‘–Kollektion!“, jubiliert das Blatt und widmet dem Ereignis eine volle Seite mit vier Werbefotos und einem Text, in dem Fischer versichert, „bei der Kooperation sind superschöne Sachen herausgekommen“. Superschön ist das natürlich vor allem für die Firma Tchibo, die kostenlose PR bekommt – als Anzeige ist die Seite jedenfalls nicht gekennzeichnet.

          Erschreckt haben wir uns, als wir die Titelzeile vom Goldenen Blatt sahen: „Helene & Florian – Hurra! Es ist so weit“. Macht Flori etwa auch Tchibo-Werbung? Nein, diesmal besteht das so Weite darin, dass beide „gemeinsam in vollen Zügen ihren Erfolg genießen können“. Ein Tchibo-Foto druckt Das goldene Blatt trotzdem.

          Sehnsucht nach Guttenbergschem Glamour

          Werblich ist auch Frau im Spiegel unterwegs, und zwar für die Guttenbergs, die hartnäckig immer wieder aufs Cover gehievt werden. Diese Woche geschieht das vor dem Hintergrund, dass Karl-Theodors Bruder im „Kompetenzteam“ Julia Klöckners landete: „Karl-Theodor & Stephanie zu Guttenberg – Ihr geheimer Plan“, titelt das Heft. „Auch in den USA gab es ein erfolgreiches Brüderpaar im Weißen Haus: John und Robert Kennedy“, schreibt die Chefredakteurin Claudia Cieslarczyk, wozu man sagen darf: Erstens saß Robert Kennedy als Justizminister nicht im Weißen Haus, sondern im Justizministerium, und zweitens war „KT“ kein Bundeskanzler. Eine Karriere, die Frau im Spiegel freilich flugs herbeiphantasiert: Zwar wolle Stephanie, behauptet das Blatt, am liebsten in Amerika bleiben. „Aber es gibt schlimmere Umzugsgründe, als irgendwo First Lady zu werden. In Bayern oder Berlin.“ Na, dann viel Glück, die Frau im Spiegel hilft sicher beim Packen.

          Kann man den beiden trauen? Laut der „Frau im Spiegel“ stehen die Guttenbergs kurz davor Amerika den Rücken zu kehren um Merkel vom Thron zu putschen.

          Die Sehnsucht nach Guttenbergschem Glamour wird verständlicher, wenn man sich anschaut, wer bei Frau im Spiegel sonst so als prominent durchgeht: Andrea Arland, Noch-Ehefrau des Volksmusikers Maxi Arland, und der Unternehmer Falk Raudies dürfen uns über zwei Seiten von ihrer Liebe vorschwärmen und von ihren Urlauben auf den Malediven, in Oman, Nepal, San Francisco, Tirol und – hoffentlich bald – Afrika. „Ich habe 40 Jahre gebraucht, um die richtige Frau zu finden“, erklärt Raudies, der 41 ist und also schon mit eins angefangen hat zu suchen. Über Andrea lesen wir, sie müsse sich nach dem Liebes-Aus mit Maxi „beruflich neu orientieren, vielleicht sogar im Immobiliengeschäft von Falk Raudies“. Da sind wir ja mordsmäßig gespannt, wie’s weitergeht.

          Der Traum vom modernen Bob

          Kaum mehr erträglich ist auch die Spannung, was den Schweden-Nachwuchs betrifft – jedenfalls für Neue Welt, die sich als Wiederholungstäterin im Leser-Betrug erweist. Nach der Schlagzeile „Die ersten Tage – Victoria & Daniel – Ihr süßes Baby verzaubert alle“ vor zwei Wochen heißt es nun: „Kronprinzessin Victoria – Blitz-Geburt! Ganz Schweden feiert das Baby“. Damals wie heute war das Kind bei Andruck noch in Mamas Bauch, und das Baby, das der Papa auf dem Neue-Welt-Cover im Arm hält, ist die Erstgeborene Estelle. All die bewusst lancierten Falschmeldungen lassen Victoria im wahren Leben schon wie eine Spätgebärende wirken.

          Daniela Katzenberger, längst Mutter geworden, treibt etwas ganz anderes um. „Seelenqualen! Aus Angst vor Armut gibt sie ihre Träume auf“, meldet Die neue Frau, und wovon träumt Katzenberger? Von einer anderen Frisur. „,Ich verkörpere die typische Blondine und verdiene viel Geld damit. Ich würde Millionen verlieren, wenn ich mir meine Haare abschneiden und braun färben lassen würde‘, klagt Daniela jetzt.“ Das sind so Schicksale. „Dabei träumt sie seit einiger Zeit“, lesen wir weiter, „von einem modernen Bob.“ Womit offenbar kein Mann, sondern ein Haarschnitt gemeint ist.

          Perlen würden wir das, was unsere Seelentaucherei zutage gefördert hat, nicht nennen. Aber wir glauben ja auch nicht an Horoskope und ähnlichen Hokuspokus, anders als angeblich Norwegens Prinzessin Mette-Marit, deren vermeintliche Wahrsager-Besuche wiederkehrendes Motiv der Yellow Press sind. Jetzt heißt es im Goldenen Blatt: „Ein Wahrsager sorgt für eine Sensation.“ Und die ist noch sensationeller als sonst: „Der ältere Herr behauptet nämlich steif und fest: ,Zwischen mir und der Prinzessin lodert das Feuer der Leidenschaft...‘.“ Und das muss auf jeden Fall stimmen, der Mann ist schließlich Wahrsager.

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