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Herzblatt-Geschichten : Trübsal macht sexy

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Traurige Augen hält Helmut Dietl für sein Sexappeal-Geheimnis. Überhaupt scheint Trübsal einige Attraktivität zu besitzen, oder warum bittet man Justizministerin Brigitte Zypreis um ein Autogramm?

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          Kürzlich sahen wir in einer Nachrichtensendung etwas Erstaunliches. Die Kamera nahm im Bundestag auf der Suche nach Schwenkfutter eine Szene auf, in der Justizministerin Brigitte Zypries Autogrammkarten unterschrieb, eine nach der anderen. Aber hallo, dachten wir, es muß auf der Welt also Menschen geben, die ein Brigitte-Zypries-Autogramm anfordern. Vielleicht mag es ja sogar Brigitte-Zypries-Fanclubs geben, die ihren Aufenthaltsraum mit diesen Karten tapezieren. Oder im Internet werden zehn Autogramme von Brigitte Zypries gegen hundert von Angela Merkel getauscht, oder irgendein Autogrammjäger sagt zum anderen: "Ey, wenn du mir dein voll geiles Brigitte-Zypries-Autogramm vertickst, dann kriegst du von mir zwei von Lauritz Lauritzen." Jetzt werden sich jüngere Leser nicht mehr an Lauritzen erinnern. Auch er war mal Minister und genauso unbekannt wie Brigitte Zypries.

          Wir persönlich hätten aber am liebsten ein Autogramm von Helmut Dietl. Der zum vierten Mal verheiratete Regisseur gibt in Bunte nämlich echt geldwerte Tips. Auf die Frage, wie er sich seinen Sex-Appeal erkläre, sagt er: "Das muß an meinen traurigen Augen liegen. Da fühlen sich Frauen sofort angesprochen und wollen einen unverzüglich glücklich machen. Über Nacht." Sollten es Ihnen, Leser, als Frohnaturen schwerfallen, traurig zu gucken, dann reißen Sie sich halt mal zusammen, du liebe Güte, das Leben ist doch kein Cafe Chantant. Denken Sie mal an Letizia von Spanien. In ihrer neuen Rolle als Gattin des Thronfolgers muß sie sich doch auch dauernd verstellen: Sie mußte sogar lernen, weiß 7Tage, "auch dann interessiert zu lächeln, wenn sie kurz vor dem Einschlafen war".

          436 Termine für die Queen

          Die Queen ist dergleichen natürlich lange gewöhnt, sie nahm im letzten Jahr nach einer Übersicht der Statistiker von Das Goldene Blatt 436 Termine wahr, das wird sie auch nicht alles wahnsinnig spannend gefunden haben. Aber die Dame ist ja sowieso hart im Nehmen: Der Streß mit Enkel Harry und seinem kindischen Nazi-Auftritt, die Sorge um den mißratenen Sohn Edward, der "fürs süße Nichtstun" 750000 Euro Apanage kassiert, und dann noch der Ärger mit Camilla. Die wollte sich bei der Trauerfeier für Sir Angus Ogilvy nach Beobachtung von Neue Welt "dreist" zur Königsfamilie in die erste Reihe setzen. Da kannte sie aber die Königin schlecht. Die forderte die ungeliebte Niemals-Schwiegertochter "unmißverständlich" auf, sich auf die hinteren Plätze zu verdrücken. Übrigens kann die Queen froh sein, daß sie nicht auch noch Christian Anders (60) zum Sohn hat. Der Sänger vertritt in Das Goldene Blatt die Theorie, daß sich der Mensch früher mit den Tieren paarte und daraus der Affe entstammt, weswegen die Zeitschrift eiskalt schreibt: "Manche halten ihn für geisteskrank."

          So harte Worte würden wir nie verwenden. Wir wollen überhaupt nicht schimpfen, noch nicht einmal mit dir, Roberto Blanco, dir möchten wir nur zurufen: Vertrage dich mit deiner Frau. Ein bisserl ärgerlich sind wir nur über die Tratschtanten in Kitzbühel, die Neue Revue über Uschi Glas' neue Liebe zugeflüstert haben, sie habe sich einer Freundin mit den Worten anvertraut: "Ich weiß nicht, ob ich mich da nicht in was verrannt habe." Wir gönnen Uschi Glas aus vollem Herzen ihr Glück, wo sie doch schon so ein Pech hatte mit ihrer Pickel-Creme.

          Sind Sie lieb genug zu Ihrer Frau?

          Allerdings müssen wir jetzt doch einmal mahnend die Stimme heben und die Männer fragen: Sind Sie eigentlich lieb genug zu Ihrer Frau? Zeigen Sie ihr durch kleine Gesten dann und wann Ihre unverbrüchliche, tiefe Zugeneigtheit? Nein? Dann nehmen Sie sich, bitte schön, ein Beispiel an Freddy Breck (62), dem bekannten Schlagersänger. Zum zehnten Hochzeitstag, entnehmen wir Neue Welt, führte er seine Gattin nach Venedig. Sie durfte ein langes Kleid anziehen, dann trug er sie über den Markusplatz und hob sie, während ein Gondoliere Liebeslieder schmetterte, "in eine mit Tausenden von roten Rosen geschmückte Gondel".

          Freilich sichern solche wunderhübschen Aktionen nicht die Zukunft einer Ehe, wenn es nicht auch mit der Technik klappt. Es nutzte dem hübschen Schauspieler Brad Pitt beispielsweise herzlich wenig, daß er seiner Gattin Jennifer Aniston eine Yacht für 4,2 Millionen Euro schenkte. Denn der Tölpel kannte sich mit seiner eigenen Telefonanlage nicht aus. Während er mit Angelina Jolie verbale Zärtlichkeiten austauschte, hörte Jennifer von einem Nebenapparat alles mit. Oh Gott, muß das grausam sein, dem eigenen Mann zuzuhören, wie er Worte der Liebe zu einer anderen spricht. Allein die Vorstellung macht uns tieftraurig. So sitzen wir also mit hängenden Schultern im Büro und werden von der glockenhellen Stimme unserer schönen Redaktionsassistentin Miranda aus der Trübnis gerissen. "Ach, Sie sehen so traurig aus", sagt sie und tänzelt auf uns zu in ihren extrem engen Jeans, "kann ich Sie irgendwie glücklich machen?"

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