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Herzblatt-Geschichten : Toll ist das ja nicht

Ein Junge für Victoria und Daniel? „Ganz Schweden träumt davon” Bild: dapd

Während ganz Schweden von männlichem Nachwuchs für das Prinzenpaar träumt, geht König Carl Gustav auf Elchjagd. Silvio Berlusconi verbringt seine Freizeit lieber auf Bunga-Bunga-Partys - dort würde sich Michael Schumacher bestimmt nicht wohl fühlen.

          Wieder mal spekuliert ein Klatschblatt auf die schwindende Sehkraft seiner Leserschaft: „Victoria & Daniel: Ein Junge!“ titelt Das Goldene Blatt. Erst auf den zweiten Blick erkennt man den kleingedruckten, nicht unerheblichen Zusatz: „Ganz Schweden träumt davon“. Dabei bedarf es gar nicht solch dilettantischer Kniffe, um Neues aus dem Norden zu berichten. Man hätte nur mal in das Buch schauen müssen, das nun über König Carl Gustaf erschienen ist und den Titel trägt: „Der widerwillige Monarch“. Wobei er so widerwillig überhaupt nicht zu sein scheint, im Gegenteil: So soll er, wie Bild berichtet, nicht nur über Jahre eine Affäre mit einer Sängerin gehabt, sondern in Atlanta einen Sexclub besucht haben.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bild dokumentiert, was der König am Rande einer Elchjagd der Presse sagte: „Das, was passiert ist, ist lange her. Ich habe mit Königin Silvia darüber gesprochen. Wir sind uns einig, nicht mehr in der Vergangenheit zu kramen.“ Die Medien dürften sich da nicht so einig sein. Das Buch, so Carl Gustaf, habe er „erst gestern in die Hand bekommen. Gelesen habe ich nicht. Ich kann ja nicht an einem Tag ein Buch lesen.“ Da hat er gewiss recht; zum einen soll er ohnehin nicht der Allerschnellste sein, zum anderen kann man unmöglich zugleich ein Buch lesen und Elche jagen. Und dann fügte der König noch hinzu: „Ich weiß aber, wovon es handelt. Toll ist das ja nicht.“ In diesem letzten Satz, wenn Bild ihn korrekt dokumentiert hat, drückt sich eine würdevoll selbstkritische, wahrhaft königliche Haltung aus.

          Warum hat Sophie Schütt ihm nicht auf die Finger gehauen?

          Fehlt nur noch die Enthüllung, dass Carl Gustaf auch bei den Festivitäten zugegen war, die in südlicheren Gefilden Silvio Berlusconi gab und die wir, weil wir keine deutsche Entsprechung kennen, wie andere Medien auch „Bunga-Bunga-Partys“ nennen wollen. Involviert war auch die junge „Ruby“, zu der Berlusconi ein besonderes, selbstredend rein platonisches Verhältnis haben soll. „Ich habe eben ein großes Herz und helfe, wenn jemand in Not ist“, wird Berlusconi in Bunte zitiert. Schmuck und Uhren von Rolex und Bulgari, ein Audi und 150.000 Euro sollen Rubys Not fürs Erste gelindert haben.

          Großzügig: Daniela Katzenberger spendiert ihrer Schwester ein paar Brüste

          Großzügig ist auch Daniela Katzenberger (24), die nach ihrem eigenen kometenhaften Aufstieg auch Schwesterchen Jenny (18) den Weg zum Erfolg ebnet: „Ich habe genauso kleine Brüste wie meine Schwester früher. 75 A. Aber Dani hat versprochen, dass sie mir zum 21. Geburtstag ein paar größere Brüste schenkt“, freut sich Jenny in Bild. Dass es gleich ein paar sein müssen, wo doch ein Paar locker gereicht hätte, deutet indes auf neureiche Maßlosigkeit.

          Aus kleinen Verhältnissen kommt auch Sänger Seal, dessen Spuren Das neue Blatt in London verfolgt. Unter einem Foto lesen wir: „Verwahrlost: Das Neue Blatt-Mitarbeiterin Gila Bartelt schaut sich die Gegend an, in der Seal aufgewachsen ist.“ Ein starkes Stück, finden wir, eine Kollegin so zu beleidigen, zumal Frau Bartelt auf dem Bild ganz adrett aussieht. Ungalant auch, wie sich Felix, der Freund der Schauspielerin Sophie Schütt (36), beim ersten Treffen benahm: „Er hat mich mehr berührt, als ich zu dem Zeitpunkt wollte“, sagt Schütt zur Bunten. Warum hat sie ihm nicht auf die Finger gehauen? Und findest du, Bunte, es eigentlich passend, die Nachricht über die postumen Einkünfte Michael Jacksons in der Vip-Rubrik „Star News“ unter das Motto zu stellen: „Wer sonst noch von sich hören ließ“? Aber auf RTL hat ja kürzlich auch ein Medium mit Uwe Barschel geplaudert.

          Bunte bläst zum Geschlechterkampf

          Michael Schumacher hat sich derweil, wie Frau im Spiegel weiß, beim Urlaub in einem Hotel auf den Malediven „harmonisch und liebevoll unter die Gäste gemischt“. Sich liebevoll unter die Gäste mischen, das klingt fast wieder nach Bunga-Bunga-Partys, an denen sich Schumi nie beteiligen würde. Er vergnügt sich anderweitig, lesen wir: „Michael und Corinna gratulieren Sohn Mick, der den Wettbewerb ,Wer ist der Langsamste‘ gegen seinen Vater gewann.“ In der Formel 1 gewinnt diesen Wettbewerb zuletzt ja meist Michael. Harten politischen Stoff liefert das Cover von Das Neue: „Angela Merkel: Rücktritt aus Liebe? Die ganze Wahrheit über ihre Ehe“. Der Text dazu liest sich nicht ganz so dramatisch: „Eine normale, glückliche Ehe! Das ist die Wahrheit über Angela Merkels Privatleben.“ Die folgende Frage indes – „Wer würde es Angela Merkel nach all dem Stress nicht gönnen, sich zurückzuziehen?“ – weckt den Verdacht, dass Das Neue von der Opposition gesteuert wird.

          Zum Geschlechterkampf bläst Bunte: „Männer haben weniger Fantasie, ihre Sinne sind nicht so ausgeprägt, sie hören schlechter, ihr Geruchssinn ist schlechter (. . .) Sie sind schwerfälliger und langsamer. Aber ich liebe sie“, erklärt Senta Berger (69), und Cher (64, in Teilen jünger) meint: „Wir Frauen sind einfach ein bisschen besser als die Männer. Wir sind emotional und haben gleichzeitig Power.“ Männer sieht die Sängerin heute nur als „Nachspeise“. Stellvertretend für unser Geschlecht müssen wir hier protestieren – und rufen den Damen kämpferisch entgegen: Toll ist das ja nicht.

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