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Herzblatt-Geschichten : Stiefel lecken

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Entweder bestechen Frauen durch Selbstreflexion oder sie machen einem Angst: Lesen Sie das Neueste über die Dschungel-Natter Desiree Nick und die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice in den Herzblatt-Geschichten.

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          Heute wollen wir mal wieder die Frauen loben. Und zwar wegen ihrer Fähigkeit zur kritischen Reflexion. Die zeigen manchmal zwar auch Männer, etwa wenn der Fußballer Andy Möller über sich sagt: „Ich bin immer sehr selbstkritisch, auch mir selbst gegenüber.“ Aber bei Frauen ist diese Haltung doch öfter anzutreffen.

          Zum Beispiel bei Rosi Jacob, einem Viertel der sehr lebhaften Jacob Sisters. Der „stern“ sagt gütig: „Fräulein Rosi, der Einfachheit halber verzichten wir auf ein Interview zu viert.“ Und Rosi nickt: „Eine weise Entscheidung! Sonst kannste deinen kompletten stern vollschreiben und hinterher in Kur gehen.“

          Lügen ist nicht schön

          Sehr offen schätzt in „Bunte“ auch die Schauspielerin Barbara Rütting (77) ihre eigene Seelenarchitektur ein: „Ich bin extrem eifersüchtig, aber selbst treulos. Eine katastrophale Kombination.“ Ähnlich realistisch reagiert in „Das Goldene Blatt“ die Schauspielerin Gisela Uhlen (85). Auf die Frage, warum sich ihre Tochter Susanne nicht um sie kümmere, sagt sie: „Ich rede ihr zu viel.“

          Ja, es mag ein Fehler sein, dauernd zu plappern, aber lügen ist auch nicht schön. Dem ernsten Thema der Wahrhaftigkeit widmet sich deshalb in der vorweihnachtlichen Zeit mahnend „Das Goldene Blatt“, zeigt aber gleichzeitig auch ein gewisses Verständnis für Notlügen: „Was wäre, wenn der kleine Angestellte seinem Vorgesetzten freimütig erklärte: ,Ihre letzte Bemerkung fand ich ziemlich dumm.'?“ Ja, was wäre dann? Es wäre mit Sicherheit lustiger als sonst.

          „I hope, we all have a little bit lucky“

          Freilich wollen auch wir bei der Wahrheit bleiben und rufen dir, Lothar Matthäus, recht offen zu: Wir sind skeptisch. In „Bunte“ erzählst du nämlich über die Gründe für das Gelingen deiner dritten Ehe: „Wir sprechen zu Hause nur Englisch, wobei es manchmal ganz gut ist, wenn man sich sprachlich nicht so perfekt, aber sonst gut versteht.“ Sehr interessanter Gedanke. Andererseits dachten wir, daß deine Englischkenntnisse, Lothar, doch wirklich klasse sind. Wenn wir uns recht erinnern, dann hast du damals bei deinem neuen Fußballklub gewandt parliert: „I hope, we all have a little bit lucky.“

          Aber auch dir, sogenannte Dschungel-Natter Desiree Nick, müssen wir schonungslos die Wahrheit sagen. Wir fanden doch etwas seltsam, was du in Bild über Carsten Spengemann gesagt hast. Das Blatt stellt dir die superkritische Frage: „Carsten ist und bleibt für Sie also ein Weichei?“ Und du antwortest: „Er hatte die Chance, mir das Gegenteil zu beweisen, indem er meine Stiefel zuschnürt. Wäre er kein Weichei, hätte er sie mir sogar geleckt.“

          Eine, wie wir finden, recht seltsame Aussage, aber doch auch von jenem schönen Selbstbewußtsein getragen, das auch Elke Sommers (64) Lebenshaltung bestimmt. „Neue Welt“ hat sie gefragt, ob sie keine Angst habe, daß ihr Mann sie mit einer Jüngeren betrüge. Frau Sommer: „Das käme ihm gar nicht in den Sinn. Was heißt denn auch schon jünger? Ich hab 'ne schöne Haut, einen straffen Arsch, ein schönes Gesicht, ich bin lustig.“

          Unheimliche Condoleezza

          Condoleezza Rice würde sicherlich niemals so freizügig reden. Aber die künftige amerikanische Außenministerin ist uns irgendwie unheimlich, denn sie hat keinen Mann und steht immer um fünf auf. Außerdem weiß „Neue Revue“: „Sie liest nur komplizierte Bücher (Dostojewski).“ Und Menschen, mit denen sie eine Unterredung hatte, sagten danach: „Mir lief ein Schauer über den Rücken. Ich fühlte mich wie im Netz einer Spinne.“

          Dann doch lieber offen aggressiv. So wie Naomi Campbell. Weil ihre Assistentin ihr keinen Termin beim Friseur verschaffen konnte, soll sich das Model laut „Neue Revue“ schreiend auf die Mitarbeiterin geworfen, ihren Kopf an die Wand geknallt und ihr in die Unterlippe gebissen haben. Genug. Wenden wir uns lieber einem schöneren Thema zu, der Freundschaft. „Mein Freundeskreis“, sagt der CSU-Politiker Seehofer in „Bunte“ nicht ohne zynischen Unterton, „ist schon deswegen extrem klein, weil kein einziger Speichellecker darunter ist.“

          Vorsicht vor Treuetestern

          Von der Freundschaft zur Treue ist es nicht weit, und deshalb kommt hier ein Tip für die Frauen. Stehen Sie, liebe Leserinnen, eher auf den südländischen, den nordischen oder den väterlichen Typ? Das ist letztlich gleichgültig, aufpassen sollten Sie in jedem Fall. Denn über www.treuetestonline.de können eifersüchtige Männer jetzt Treuetester anheuern. Das geht so: Ein gutaussehender, charmanter Mann macht sich an Sie, Leserinnen, heran und überprüft Ihre Standhaftigkeit. Treuetester Mario in „Das Neue Blatt“: „Es kann schon mal vorkommen, daß ich mich mit einer Dame im Hotel verabrede - nur findet sie dann ihren eigenen Mann im Bett vor.“

          Keine schöne Vorstellung, wie? Also bleiben Sie lieber treu. Auch unserer schönen deutschen Sprache. Wo sonst gäbe es treffendere Worte als „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“?

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