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Herzblatt-Geschichten : Steh mit mir am Abgrund

„Ich kenne meine Grenzen ganz genau“: Dirk Niebel weiß, wann der Flirt kein Flirt mehr ist. Bild: dapd

Wenn gar Dirk Niebel über sein Flirtverhalten spricht und Veronica Ferres nach Hollywood abzuwandern droht, bleibt uns nichts als uns an Frauen von Format zu klammern.

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          Auch das hat Rainer Brüderle seinen FDP-Kumpels eingebrockt: Jeder, wirklich jeder von ihnen wird nun in Interviews danach gefragt, wie er’s mit dem Flirten hält. Sogar Dirk Niebel. „Solange es beidseitig passiert, nur ein Flirt ist und keine plumpe Anmache, finde ich das auch nicht schlimm“, sagt der Minister zur Bunten. „Ich kenne meine Grenzen ganz genau.“ Und wir, wenn wir uns Niebel so anschauen und anhören, sind sicher, dass die Frauen seine Grenzen auch kennen.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Entwicklungshilfe leisten könnte ihm, was das Flirten angeht, Nicholas Sparks. Von dem erfolgreichen Frauenbuchschreiber möchte Bild den Satz hören, bei dem „jede Frau dahinschmilzt“. Sparks’ Antwort: „Mit dir an meiner Seite habe ich die Gewissheit, dass mein Leben voller Freude sein wird.“ Hm. Nun ja. Vielleicht klingt’s im englischen Original charmanter. Aber wäre es für die Frau nicht verlockender, wenn ihr Leben voller Freude wäre und nicht seines?

          Viel Freude aneinander haben, wie Frau im Spiegel berichtet, Maite Kelly und ihr Ehemann Raimond. „Nur beim unordentlichen Umgang mit Haarspray, Zahnpasta und Cremes versteht er keinen Spaß. ,Maite verliert ständig die Deckel von den Sachen’, so Raimond. ,Ich komme ja auch aus einer Großfamilie’, bringt seine Frau als Entschuldigung an. ,Da lohnte es sich nicht, die Dosen zu schließen.’“ Echt jetzt: Die Kelly Family hat Haarspray, Cremes und Zahnpasta benutzt? Wenn das keine sensationelle Enthüllung ist.

          Irgendwie an die Kellys denken mussten wir auch beim Satz, mit dem Fernsehtrash-Tante Carmen Geiss in Bild den Gerüchten begegnet, sie und ihr Mann seien praktisch pleite: „Solange mein Handtuch fettiger ist als manch anderem seine Suppe, sollen sich die Leute darüber keine Gedanken machen.“ Worüber wir uns jetzt Gedanken machen: Seit wann und warum sind fettige Handtücher ein Ausdruck von Wohlstand? Wir haben jedenfalls beschlossen, unsere nicht mehr ganz so oft zu wechseln.

          „Mit dir wird mein Leben voller Freude sein“: Ob Nicholas Sparks (links) mit diesem Satz bei Frauen punkten kann? Bilderstrecke

          Einen wahrhaft sparsamen Umgang mit Ressourcen demonstriert auch Skistar Felix Neureuther, der sich in Frau im Spiegel an eine Begegnung mit seinem Idol Alberto Tomba erinnert: „Ich saß hinten im Auto, und er hat mir einen Kaugummi geschenkt. Ungefähr ein Jahr lang habe ich den gekaut, immer mal wieder, und nachts habe ich ihn auf dem Nachtkastl abgelegt.“ Ob er dort noch immer klebt? Dann könnte Neureuther ihn auch dem Haus der Geschichte vermachen. Dort hat man ja gerade die Gebirgsjägermütze Dirk Niebels aufgenommen, die er so gern im Ausland trug, weil er damit, wie er feixt, so schön provozieren konnte. Wir fanden ja den Teppich, den er sich in Afghanistan organisierte, noch provokanter, doch den wollte er wohl behalten. Also liegt im Museum nun sein speckiges altes Käppi. Warum nicht bald auch Neureuthers Kaugummi? Oder das Handtuch von Carmen Geiss?

          Frau Geiss zählt auch zu den „10 peinlichsten Deutschen“, die Intouch ausnahmslos im Privatfernsehen entdeckt hat. Zu ihnen zählt ferner das tapsige Schneiderlein Harald Glööckler, dessen Hund Billy King soeben ein Buch veröffentlicht hat. Darin „beschreibt der Vierbeiner seinen Alltag mit dem Modemacher und dessen Verlobten Dieter Schroth“, berichtet Intouch – um sogleich knallhart aufzudecken: „Natürlich ist das Quatsch: Glööckler selbst hatte die Idee zu dem Buch.“ Enttäuschend! Die Allerpeinlichste auf der Intouch-Liste ist Heidi Klum, über die mit Worten, die man ungern wiedergeben mag, auch die Komikerin Joan Rivers gespottet hat. Intouch schreibt über Rivers nur so viel: „Sie macht einen schlechten Holocaust-Witz.“ Gibt’s denn, Intouch, auch gute?

          „Ich habe mich wie im Krieg gefühlt, Kampf an allen Ecken und Enden“: Das sagt, in Bunte, Allegra Curtis über ihre Tage im Dschungelcamp. Nun hat sie besagten Krieg hauptsächlich herumliegend durchgestanden, wehrt sich aber gegen das Bild, das manch Zuschauer von ihr gewonnen haben mag: „Ich bin keine fette, faule Zicke, die ständig rumheult“, heult sie, die sich selbst für „eine Kämpferin wie Lara Croft“ hält. Selbstverständlich, Frau Curtis, und Joey Heindle ist Indiana Jones.

          Wir bleiben bei starken Frauen: „Das ist es“, schreibt Bunte über Bettina Wulff, „was diese Frau wirklich beherrscht: mit einem Lächeln und in stolzer Haltung am Abgrund stehen – und dabei die Zukunft anpeilen.“ Welche hoffentlich nicht in der Tiefe liegt. Eine Frau zwar nicht zum Pferdestehlen, sondern zum Am-Abgrund-Stehen: Das dürfte reizvoll nicht nur für manchen FDP-Politiker sein.

          Die vielen Business-Gespräche übrigens, die Veronica Ferres, noch so ein Superweib, kürzlich in Hollywood führte (wir berichteten), haben ein erstes Ergebnis gezeitigt: „Im Film über Casanova spiele ich seine Geliebte“, erzählt sie stolz in Bunte. Präziser wäre wohl „eine seiner Geliebten“, denn Casanova, liebe Frau Ferres, hatte laut seiner Autobiographie 122 Frauen. Ob das dann tatsächlich eine echte Hauptrolle ist? Wir wünschen Ihnen jedenfalls sehr, dass Sie wenigstens im Abspann auftauchen.

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