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Herzblatt-Geschichten : Software ist nur was für Harte

Max Giesinger sucht sich selbst und das normale Leben. Bild: dpa

Der Vater von Frank Thelen weiß, was die Frauen wollen. Max Giesinger kennt auch harte Zeiten. Und die Tochter eines Schauspielers wurde nach dem Ort ihrer Zeugung benannt. Unsere Herzblatt-Geschichten.

          Eines der großen Mysterien der Klatschpresse ist ihr lockerer Umgang mit dem Begriff des Geständnisses. „Das goldene Blatt“ etwa lässt uns über einen Volksmusikanten wissen, dass nun die Adventszeit angebrochen sei: „,Mit dem schönsten Fest im Jahr – Weihnachten‘, gesteht Sänger Hansi Hinterseer (64) voller Vorfreude.“ Das soll ein Geständnis sein? „Bewegende Weihnachts-Beichte“ betitelt dasselbe Blatt einen kleinen Text über George Clooney. Was der zu beichten hat? „,Meine Eltern waren stark wohltätig engagiert, und jedes Jahr halfen wir an den Feiertagen bedürftigen Familien, putzten bei ihnen daheim‘, verrät George.“ Die Beichten sind eindeutig nicht mehr das, was sie früher mal waren. Und die Sünden offenbar auch nicht.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass die Sünde des Erzbischofs Georg Gänswein, der freimütig über ein Treffen mit Michael Schumacher plauderte, nicht folgenlos bleiben würde, war zu erwarten. Das Resultat: Etliche Schumi-Titelgeschichten der Billigblätter, von „Er kehrt zurück – Wie er aussieht – Was er fühlt“ („Freizeitspass“) bis zu „Sein Priester spricht: So geht es ihm wirklich“ („Woche heute“). „Sein Priester“ klingt ja ähnlich gewichtig wie „sein Arzt“, allerdings ist uns nicht bekannt, dass Gänswein Schumachers Privatpriester wäre.

          Apropos Arzt. „Das goldene Blatt“ druckt ein Foto von Hera Linds Familie und beschriftet es wie folgt: „Hera (2. v. l.) mit ihrem Sohn Felix (30), Tochter Franzi (22), Gatte Engelbert Lainer-Wartenberg (62), Tochter Fritzi (20), Nichte und Patenkind Leoni (22) und ihrem Sohn, Kinderarzt Florian (27, von links).“ Haben Felix, Franzi, Fritzi und Leoni denn keine Berufe? Und wenn doch, ist es nicht furchtbar demütigend für sie, dass einzig Florians Arztberuf glanzvoll genug ist, um genannt zu werden? Denkbar ist natürlich, dass es sich bei „Kinderarzt Florian“ um zwei Vornamen handelt. Sollte das der Fall sein, wäre es ein kluger Kniff, um dem Nachwuchs einen vielversprechenden Lebensweg zu ebnen. Ist in Deutschland eigentlich der Vorname „Doktor“ zugelassen?

          Hat gestanden: Sänger Hansi Hinterseer

          Andererseits scheint sich, was achtbare Berufe angeht, eine Wachablösung anzudeuten. Frank Thelen, Investor in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“, erzählt „Gala“: „Ich war früher ein kompletter Verlierer, habe auch keine Freundin gefunden. Das fühlte sich alles schlimm an. Mein Vater hat das gemerkt und ...“ Ja, was mag der Vater getan haben? Schickte er Frank dorthin, wo nach traditioneller Vorstellung Knaben zu Männern reifen, in den Sportverein, zum Bund oder ins Bordell? Pustekuchen: „...und mich deshalb eine Ausbildung zum Software-Entwickler machen lassen“. Jaha, die Siegertypen und Superhelden von morgen lassen sich in Software-Entwicklung ausbilden. If I can make it in Software-Entwicklung, I’ll make it anywhere!

          „Sie wurde im Meer gezeugt“

          Und wo wir gerade von Reifeprozessen und Namen reden: Der bekannte bayerische Schauspieler nennt sich keineswegs, „Aktuelle

          „Ole Larsson“ wiederum klingt so schwedisch, wie es nur geht. Weshalb dieser Name ein zentraler Aspekt ist in der Titelstory, die „Neue Post“ uns vorsetzt: „Königin Silvia – Wie tragisch! Jetzt muss sie ihre Tochter enterben“. Gemeint ist Madeleine, die sich einen vermeintlich schönen Lenz in Miami macht. Es spricht der Kronzeuge: „,Die Königin soll ihre Tochter enterben‘, schimpft Verkäufer Ole Larsson (57). ,Das ist doch nicht zu fassen, wie faul die ist!‘“ Netter Versuch, „Neue Post“. Doch weißt Du was? Auch wir können einen glaubwürdigen schwedischen Kronzeugen aufbieten, und zwar den Busfahrer Kalle Blomquist (62), der schimpft: „Die ,Neue Post' ist eine echt doofe Zeitschrift.“

          War früher ein kompletter Verlierer: Frank Thelen

          Dem dänischen Kronprinzenpaar widmet sich „Das neue Blatt“, das freilich nicht, zum Beispiel, die Friseurin Brigitte Nielsen (42), sondern nur einen anonymen „Insider“ zitiert: „Hinter vorgehaltener Hand sprechen alle von einer Trennung oder gar einer Scheidung. Die Wahrheit ist, dass sich beide wie jedes Ehepaar im Moment schwertun.“ Das ist nun wirklich mal ein wahrer Insider: Jedes Ehepaar dieser Erde tut sich im Moment schwer? Hm, wir sollten schleunigst mal bei unserer Frau durchrufen.

          Harte Zeiten kennt auch der Sänger Max Giesinger, der in „Gala“ über das viele Unterwegssein klagt: „Ich habe die Normalität vermisst. Deshalb bin ich einfach mal sechs Wochen nach Thailand abgedüst, um runterzukommen und herauszufinden, was ich will.“ Nun, jeder nach seiner Façon. Wir hingegen fliegen, wenn es uns in unserem aufreibenden Journalistenleben mal nach Normalität gelüstet, immer für drei Monate nach Barbados.

          Unterwegs gewesen, und zwar nicht ohne Folgen, sind auch Schauspieler Raphaël Vogt und seine Freundin, die Eltern einer Tochter geworden sind. „Die Kleine heißt Océane Amelie“, berichtet „In“. „Der Hintergrund: Sie wurde im Meer gezeugt.“ So genau wollten wir das wirklich nicht wissen, und Océane Amelie, wenn sie einmal groß ist, bestimmt auch nicht. Und wir hoffen, dass sich der Trend zur Taufe nach der Zeugungsstätte nicht großflächig durchsetzt und uns demnächst überall Kinder begegnen, die Cuisine oder Chaiselongue heißen.

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