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Herzblatt-Geschichten : So sexy wie ein Zehenbruch

Hier noch mit geradem Zeh: Ashton Kutcher und Mila Kunis im Jahr 2014 Bild: dpa

Gewagte Behauptungen der Klatschpresse: Mila Kunis findet gebrochene Zehen sexy, die Royals wollen ein Baby adoptieren, Florian Silbereisen findet sein neues Glück. Die ganze Wahrheit decken die Herzblatt-Geschichten auf.

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          Dass Bild lügt, ist für Verächter dieses Blattes sonnenklar, und an dieser Stelle würden wir das so nie unterschreiben: Bild lügt natürlich nicht immer. Manchmal reicht es schließlich auch, etwas Entscheidendes wegzulassen. Zum Beispiel am Donnerstag dieser Woche beim „Zitat des Tages“, welches von der Schauspielerin Mila Kunis stammt: „Das ist mit Abstand das Sexyste, was ich je gesehen habe.“ Der Satz, erklärt Bild, bezieht sich auf Kunis’ Ehemann und Kollegen Ashton Kutcher: „Er war nachts aufgestanden, um die gemeinsame Tochter Wyatt (4) zu beruhigen, und hatte sich dabei den Zeh gebrochen.“ Das ist aber mal wirklich sexy!

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Problem dabei: Den Zehenbruch als solchen fand Mila Kunis gar nicht sexy, sondern die von Bild unterschlagene Tatsache, dass Kutcher, der nachts keine Lust hatte, ins Krankenhaus zu fahren, sich den schiefen Zeh kurzerhand selbst wieder einrenkte. Liebe Bild-Leser, die ihr aufgrund der unvollständigen News auf die Idee gekommen seid, euch beim Breikochen zu verbrühen, beim Waschen des Kindes auszurutschen und euch ein paar Rippen zu brechen oder euch beim Möhrenschnippeln eine Fingerkuppe abzuhacken: Bedankt euch, sollten eure Frauen das nicht sexy finden, bei eurem Leib-und-Magen-Blatt.

          Trotzige Freizügigkeit

          Ein paar andere Lücken in einer Bild-Geschichte sind ausnahmsweise nicht der Zeitung anzulasten: Die Rede ist von den Ausschnitten der Kleider, die Sylvie Meis zuletzt beim Dresdner Opernball getragen hat und die nun schuld daran sein sollen, dass die Moderatorin dort nicht weiterbeschäftigt wird. Sie habe, wird der Opernball-Chef Hans-Joachim Frey zitiert, „so tief ausgeschnittene Kleider getragen, dass das für unser konservatives Klientel (sic) zu freizügig war. Es gab sehr viel Kritik.“ Als passionierte Verteidigerin der Freiheit schlägt sich Bild auf die Seite von Meis und hat die Sache nachrecherchiert: „Und die Veranstalter bekamen den Dress sogar vorab an einer Puppe gezeigt! Hans-Joachim Frey: ,Da fiel der tiefe Ausschnitt aber nicht so auf.‘“ Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte der Moderationsjob dann nächstes Jahr von der Puppe übernommen werden.

          Zu freizügig? Sylvie Meis in Dresden (mit José Carreras)

          Und noch von anderer Seite droht der armen Sylvie Meis Ungemach: „Drogen-Skandal um ihren neuen Freund?“, raunt In. Besagter Freund, ein Streetart-Künstler, „kommt wegen eines alten Internet-Postings von Silvester 2008 in Bedrängnis. Auf dem Foto wird der Eindruck erweckt, dass jemand Drogen konsumiert. Ob es sich bei dem weißen Pulver tatsächlich um Kokain handelt, ist unklar. Ebenso, ob dieser Schnappschuss eine echte Szene festhielt oder bloß ein seltsamer Scherz war.“ Auf dem elf Jahre alten Foto tut jemand so, als würde er sich mit einem zusammengerollten Papier (einem Geldschein?) eine Linie ziehen, genauer, ganz viele Linien, die zusammen die Worte „Happy New Year“ bilden. Wir würden mal schätzen: Hätte der Mann auf dem Bild in der Tat so viel Kokain konsumiert, er dürfte vom neuen Jahr nicht mehr viel erlebt haben. So oder so ist In nun gespannt, ob Sylvie „jetzt rigoros einen Schlussstrich zieht“. Hoffentlich nicht mit einem zusammengerollten Geldschein!

          Ein viel netteres Bild ziert den Titel von Neue Welt: „Harry & Meghan – Adoption! Ein süßes Mädchen“ steht neben dem Foto, auf dem die Herzogin ein kleines Mädchen herzt. Das Paar, schreibt das Blatt, wolle ein Kind aus Afrika adoptieren – und spätestens da fragt man sich, wieso Neue Welt ein Foto aus dem Herbst 2018 druckt, das Meghan in Neuseeland mit ihrem kleinen Fan Catalina Rivera zeigt. An der Stelle von Catalinas Eltern würden wir nun tunlichst aufpassen, dass ihnen Harry und Meghan die Kleine nicht wegschnappen.

          Neues Glück – alte Leier

          Ebenfalls auf falsche Fährten führen mal wieder die Schlagzeilen um das einstige Paar Helene Fischer und Florian Silbereisen. „Sensation! Er hat schon sein neues Glück gefunden“, titelt Neue Post und zeigt neben einem großen Silbereisen-Foto ein kleines mit einer Kirche – was den Eindruck erweckt, der Schlagerstar habe endlich seine wahre Berufung gefunden und sei Priester geworden. Er soll sich dann aber lediglich ein Haus gekauft haben in dem Ort, in dem auch die Kirche steht.

          Nicht ihre übliche Garderobe: Helene Fischer

          „Helene Fischer – Ihr geheimes Doppelleben“, schlagzeilt schließlich Das goldene Blatt. Jenes geheime Doppelleben schließt das Heft aus Fischers Aussage, sie trage daheim „die meiste Zeit Jeans und irgendein T-Shirt“ – und führe, wie Das goldene Blatt staunt, also auch noch ein „Leben abseits vom Rampenlicht“. Verblüffend: Wir hätten ja gedacht, dass Fischer auch zu Hause ständig im Glitzerkleid an der Deckenleuchte turnt und „Atemlos“ singt.

          Was Fischer und Silbereisen verwehrt blieb, hat Sarah Lombardi erfahren dürfen: Sie hat ein Kind bekommen. Der kleine Alessio, 4, sei freilich gerade in einer Trotzphase, erzählt sie dem Neuen Blatt: „Es gibt Tage, an denen er sich zum Beispiel einfach auf den Boden schmeißt und alle Leute sagen: ,Das ist doch der Sohn von Sarah Lombardi.‘“ Peinlich, aber so kommt es halt, wenn man ein öffentliches Leben führt und auch den eigenen Nachwuchs ständig auf Instagram zeigt; unsere Kinder kann man, wenn sie verrücktspielen, wenigstens nicht gleich zuordnen. Zur Sicherheit werden wir das nächste Mal, wenn eines von ihnen öffentlich einen Anfall kriegt, kopfschüttelnd den Satz sagen: „Das ist doch das Balg von Sarah Lombardi.“

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