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Herzblatt-Geschichten : Siebeneinhalb Scheidungen

Sorgt mal wieder eher unfreiwillig für Heiterkeit: Boris Becker war gar nicht in der Besenkammer Bild: ASSOCIATED PRESS

Warum Boris Beckers Besenkammeraffäre in Wahrheit ein Treppenwitz war. Michelle Obama sich vor Angela Merkel in Acht nehmen sollte. Und es Heidi Klums neugeborene Tochter schlimmer hätte treffen können. Das alles in den neuen Herzblatt-Geschichten.

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          Wir leben in Zeiten des Wandels. Eine liebgewonnene Gewissheit nach der nächsten zerbröselt: Amerikanische Präsidenten werden nicht mehr als Kriegstreiber gebrandmarkt, sondern bekommen Friedensnobelpreise überreicht. Guido Westerwelle wird Minister. Und nun auch noch das: Eine der großen Erzählungen der Moderne wird als Ente entlarvt, und zwar von einem, der es weiß, weil er dabeigewesen ist. Boris Becker, das hat er jetzt selbst enthüllt, hat nie mit Angela Ermakova eine Besenkammer besucht. Er hat Frau Ermakova zwar im Londoner Restaurant „Nobu“ getroffen und mit ihr ein Kind gezeugt, das unübersehbar seinen genetischen Fingerabdruck trägt - aber eben nicht in einer Besenkammer. Sondern, wie Becker nun in einem Fernseh-Interview mitgeteilt hat, „auf einer Treppe zwischen den Toiletten“.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Appetitlicher wird die Sache dadurch nicht, aber erklärlicher: Auf einer Treppe zwischen zwei Toiletten läuft man ja eher einer Dame über den Weg als in einem Abstellraum. Zwar sind gewisse Defizite in der räumlichen Orientierung nicht neu bei Becker, der schon mal einen Londoner Tennisplatz mit seinem Wohnzimmer verwechselte, doch glauben wir kaum, dass er sich erst jetzt an den wahren Tatort erinnert hat. Womöglich aber schien ihm die kolportierte Version ganz passend, dürfte er Frau Ermakova doch erst als heißen Feger und beim anschließenden Unterhaltsstreit als ziemlichen Besen erlebt haben. „Es war nicht mal eine Affäre, sondern ein Akt von fünf Sekunden“, beichtet Becker, der nach all den Jahren nun wohl endlich ein besenreines Gewissen hat. Besagte Begegnung aber darf nun als Treppenwitz der Tennisgeschichte betrachtet werden. Wir fragen uns jetzt, ob wir uns noch von weiteren scheinbar unumstößlichen Tatsachen aus dem Paralleluniversum der Prominenz verabschieden müssen: Räkelte sich Bohlens legendäres Teppichluder tatsächlich nur auf schnöder Auslegeware? Ist Verona Pooth in Wahrheit doch so doof, wie man glaubt, dass sie sich nur stellt? Gibt es Tatjana Gsell wirklich?

          Süße Versuchungen wie Angela und Hillary

          Die Lektüre der Herzblätter hilft uns bei unseren Zweifeln nicht weiter. Immerhin verstehen wir allmählich ihre Sprache. Wenn etwa Das Goldene Blatt titelt: „Liz Taylor (77): Tragischer Abschied von einem Weltstar“, dann lässt sich das, nachdem man den dazugehörigen Artikel gelesen hat, wie folgt übersetzen: Liz Taylor lebt, sie hat nur gerade eine Operation hinter sich. Wenn wiederum Senta Berger ein Interview zum Thema Arthrose gibt, in welchem der Satz fällt: „Es muss so furchtbar sein, seinen Partner zu verlieren“, dann machen die Übersetzungsprofis vom Goldenen Blatt daraus die Titel-Schlagzeile: „Senta Berger: Erschütternde Todesgedanken“. Da überrascht es uns auch nicht mehr, dass sich die Echo-der-Frau-Titelstory „Carmen Nebel: Der neue Mann an ihrer Seite“ so auflöst: Carmen Nebel und Howard Carpendale, der ein paar Mal in ihrer Show aufgetreten ist, „pflegen eine tolle und enge Freundschaft“.

          War schon totgesagt, obwohl sie nur operiert wurde: Elizabeth Taylor
          War schon totgesagt, obwohl sie nur operiert wurde: Elizabeth Taylor : Bild: REUTERS

          Und gleich die nächste Enthüllung: Andy Borg, raunt das Echo der Frau, „führt ein heimliches Doppelleben, mit dem er seine Frau ganz schön zur Verzweiflung treibt“. Gemeint ist: Borg ist „tatsächlich ein kleiner Macho“, der der Gattin bei der Hausarbeit nicht hilft. Wir verzweifeln ja eher an der anderen, der unheimlichen Hälfte von Borgs Leben, zum Beispiel am Musikantenstadl. Auch nicht einfach mit ihrem Gatten hat es Michelle Obama, die laut Echo der Frau von „Eifersuchtsattacken“ geplagt wird - kein Wunder angesichts so süßer Versuchungen wie Angela Merkel und Hillary Clinton. Der Hoffnung des Blattes, dass der Nobelpreis die „zerrüttete Ehe“ der Obamas gerettet habe, können wir uns nicht anschließen: Uns schwant Böses angesichts all der schönen Schwedinnen, deren Land Obama bald besuchen wird.

          Besser als ein singender Seehund

          Hoffen wir für den Präsidenten, dass sich die First Lady kein Beispiel am Ex-Model Stephanie Seymour nimmt, die, wie Bunte berichtet, „mit dem geliebten Siegerpokal ihres Mannes von einem Poloturnier“ dessen Kunstsammlung zertrümmert hat. Im Ehekrieg verbrannte Erde kann gleichwohl äußerst fruchtbar sein. So im Falle des großen John Cleese, der seiner geschiedenen Gattin 14,5 Millionen Euro Abfindung zahlen muss - und, um die Unkosten wieder reinzuholen, eine „Wie-finanziere-ich-meine-Scheidung-Tour“ (Frau im Spiegel) startet. Eine Kostprobe dessen, was das Publikum zu hören bekommt, liefert Bunte, die Cleese mit dem Satz zitiert: „Für das Geld hätte ich 31/2 Scheidungen von Brigitte Nielsen und 71/2 von Pamela Anderson bekommen.“

          Für die meisten Herzblätter zu spät kam die Geburt des vierten Kindes von Heidi Klum. Den Namen des Mädchens, Lou Sulola, finden wir, ehrlich gesagt, nur so lala. Aber bei einem Vater, der auf den Vornamen Seehund hört, hätte es wohl noch schlimmer kommen können.

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