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Herzblatt-Geschichten : Sie stürzte sich gleich auf ihn

Lieber eine Flasche an den Kopf, als Maite Kelly auf dem Arm Bild: dapd

Distanz und Neuanfang. Maite Kelly nimmt seelischen Abstand zu alten Outfits, Thomas Anders zu seiner Vergangenheit mit Dieter Bohlen. Dieser muss bald vielleicht Peter Rists Schlagergesänge ertragen.

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          Der Club der Polit-Aussteiger um Köhler, Koch, von Beust und Rüttgers darf bald ein neues Mitglied begrüßen: Peter Rist, 42, Finanzbürgermeister von Reutlingen, „gibt 2013 sein Amt auf und wird Schlagersänger“, informiert uns Bunte. Für die Stadt Reutlingen und ihre Finanzen dürfte das ein Schlag sein und auch die örtliche Politikverdrossenheit weiter befördern. Aus dem Titel von Rists Debütalbum jedenfalls lässt sich eine gewisse Erleichterung über den bevorstehenden Rückzug aus dem Rathaus herauslesen: „Willkommen im Leben / Unendlich frei“.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das dürfte auch das Aus für die Band „Bürgermeister Rist und die Räte Reutlingens“ bedeuten, von der wir auf der Homepage der Stadt erfahren. Gottlob verfügt Reutlingen über musisch begabten Nachwuchs: Von dorther kommt auch das junge Klavierduo Ingo und Stefan, das Freitagabend in der RTL-Show „Das Supertalent“ sein Instrument nicht mit den Händen spielte, sondern mit einem Körperteil, für den das Schwäbische den Ausdruck Schnäbberle kennt.

          Ob aber Peter Rist sich seinen Schritt gut überlegt hat? Sein neues Betätigungsfeld scheint sogar gefährlicher als der Politikbetrieb, glauben wir der Bild-Zeitung und ihrem Report „Die Akte Volksmusik“. Illustriert unter anderem mit einem Foto des Sängers Tony Marshall mit heruntergelassenen Hosen (aber ohne Sicht aufs Schnäbberle), enthüllt der Bericht Bestürzendes über „die Lieblinge der Massen“, die am Vorabend einer Show „schon mal komatös unterm Tisch in der Bar liegen“, derweil im Hotelzimmer „das eine oder andere Mädchen wartet“. Schlimm, aber letztlich kaum überraschend: Wenn es ohne Rauschmittel schon so schwer erträglich ist, sich diese Lieder anzuhören, wie muss es dann erst sein, sie zu singen?

          Von Schuldenlöchern zu Schlagerfreuden: Peter Rist
          Von Schuldenlöchern zu Schlagerfreuden: Peter Rist : Bild: dpa

          Lieber Flasche am Kopf als Maite auf dem Arm

          Da ist es wohltuend zu lesen, mit welcher Distanz Maite Kelly (31) ihr früheres Schaffen beurteilt: Die Musik der Kelly-Family, sagt sie der Zeitschrift In, sei „schlimmer Kitsch“ gewesen und ihre Outfits nicht besser: „Wir liefen herum wie Zelte und waren nur noch unsere eigene Karikatur.“ Gleich noch einmal begegnet uns Maite Kelly in der Neuen Welt, wo sie aus ihrem bewegten Eheleben berichtet: „Einmal habe ich mit einer Babyflasche geworfen. Aber nicht mit Absicht!“ Statt dann aber zu erklären, wie man etwas ohne Absicht werfen kann, schildert die pfundige Maite sogleich die Versöhnungsszene: „Ich habe mich dann gleich auf ihn gestürzt und mich entschuldigt.“ Da wäre uns dann doch die Babyflasche am Kopf lieber, als dass sich Maite Kelly auf uns stürzte.

          Apropos stürzen: Dass Victoria Beckham, wie ein Gala-Bild beweist, ihre neun Wochen alte Tochter auf dem Arm und dazu Schuhe mit bestimmt zehn Meter hohen Absätzen trägt, stellt in unseren Augen eine Gefährdung des Kindeswohls dar. Tom Cruises Tochter Suri, 5, trägt beim Stadtbummel derweil die hohen Absätze selbst und dazu noch Lippenstift. „Suri sucht sich ihre Kleider selbst aus, seit sie eineinhalb ist“, berichtet die stolze Mama Katie Holmes, was wir ihr nie im Leben glauben. Hätte unsere Tochter mit eineinhalb Jahren selbst wählen dürfen, sie hätte ausschließlich Plastiktüten und Tischdecken angezogen. Weil wir ein paar Wochen nicht in die Herzblätter geschaut hatten, erfahren wir übrigens erst jetzt, wie die Sängerin Sarah Connor ihre Tochter getauft hat: Delphine Malou heißt das Kind. Delphine passt insofern nicht schlecht, als in der Familie ohnehin maritimes Klima vorherrscht: Der Vater des Mädchens heißt Florian Fischer.

          Dieter Bohlens Frauenstrategie

          Wiederum in der Musikszene bewegt sich mit ihrer Titelstory Frau aktuell: „Dieter Bohlen - Sitzen gelassen! Bittere Schlappe für den erfolgsverwöhnten TV-Star“, heißt es dort neben einem Foto von Bohlen und seiner Freundin, deren Name uns gerade entfallen ist. Schaut man ins Heft, hat aber gar nicht sie mit Bohlen Schluss gemacht, sondern ein Mann: Bruce Darnell, der nicht mehr in der schon erwähnten Show „Das Supertalent“ mitmachen wollte.

          Nicht von Bohlen lassen kann offensichtlich Thomas Anders, einst sein Sangesbruder bei Modern Talking: „100 Prozent Anders“ heißt dessen Autobiographie, die aber, nimmt man den Vorabdruck in Bild zum Maßstab, eher zu 90 Prozent aus Bohlen besteht - einem „lästigen Plappermaul“, bei dem laut Anders „zwei Drähtchen im Kopf nicht richtig zusammengelötet sind“ (nur zwei?) und dem „meines Erachtens ein Gefühls-Gen“ (nur eines?) fehle. Außerdem lernen wir, mit welcher Strategie Bohlen in Frauenfragen verfährt: „Erst empfiehlt er den Mädchen, den Umgang mit ihren Eltern und Freunden einzuschränken, dann rät er ihnen, das alte Handy abzugeben. Sie erhalten dann ein neues, das er kontrolliert, und dann lässt er ihnen neue Brüste machen.“

          Anders' Fazit: „Wenn man auf den Typus Mensch Dieter Bohlen steht, kann man nicht gleichzeitig Thomas Anders gut finden - dazu sind wir viel zu unterschiedlich.“ Was aber interessanterweise möglich ist, wie uns viele Bekannte bestätigen: Man kann die beiden gleichzeitig schlecht finden.

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