https://www.faz.net/-hxl-qhs9

Herzblatt-Geschichten : Schön wie Camilla

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Reiner „Calli“ Calmund ist überzeugt von der besonderen Anziehungskraft der Dicken auf das andere Geschlecht und Mrs. Windsor „erstrahlt“ in allen deutschen Knallblättern. Die Herzblatt-Geschichten vom Wochenende.

          3 Min.

          Hallo, Außenminister Joseph Fischer! Geht's gut? Bißchen gestreßt wegen Visa und so? Na, wenn's rücktrittsbedingt nichts mehr werden sollte mit der Außenministerei, dann haben wir hier einen super Tip aus Bild am Sonntag

          „Das erste Reisebüro für Dicke“ ist eröffnet worden. Wahrscheinlich bringt es seine Klientel mit Frachtfliegern ins Hotel, packt sie in stahlverstärkte Betten und paßt am Strand auf, daß die Helfer von Greenpeace sie nicht zurück ins Meer schleifen.

          „Auf edle Weise schön“

          Womit wir nichts gegen Dicke gesagt haben wollen. Oft können sie eine sonderbare Anziehungskraft aufs andere Geschlecht entwickeln. So wie Joseph Fischer. Oder Reiner Calmund (150 Kilo), der eine 22 Jahre jüngere, recht attraktive Gefährtin fand und in Bunte über die Frauen sagt: „Wenn sie mit dem dicken Calli fröhlich ein Glas Wein trinken, sich mit ihm wunderbar unterhalten, haben sie doch mehr davon, als wenn ein hagerer Adonis vor ihnen ein Glas nach dem anderen leert und diesen stieren Gierblick aufsetzt.“ Da mag er recht haben, aber wir wollen ja hier nicht über Dicke schwadronieren, sondern über Camilla reflektieren.

          Die Kehrtwende der Knallblätter seit der Hochzeit ist enorm. „Nie hat Camilla schöner ausgesehen als an ihrem großen Tag“, jubelt Das Neue Blatt, laut Bunte überraschte sie alle „mit ihrer Eleganz und Würde“, und Neue Revue fand sie „auf edle Weise schön“. Auch in uns klingt diese Hochzeit noch nach, sie war auch deshalb so heiter, weil Charles' Söhne so offensichtlich nichts einzuwenden hatten gegen ihre Stiefmutter, sie strahlten sie an und gaben ihr ein Abschiedsküßchen.

          Mit Ausschlag und Pickeln assoziieren

          Nur an Dich, Queen, hätten wir mal eine Frage. Das war immerhin Dein Sohn, der da geheiratet hat. Hättest Du ihn nicht mal in die Arme nehmen können? Oder bei der Segnung wenigstens ein paar Tränchen verdrücken? Nein, wir sagen es nicht gern, er hat uns nicht gefallen, Dein neutraler Gesichtsausdruck. Außerdem ist es ja auch viel gesünder, so wie Uschi Glas seine Gefühle herauszurufen, etwa wenn sie in Bild (“Uschi Glas tobt“) das Urteil über ihre Uschi Glas Hautnah Creme „lächerlich“ und „eine Farce“ nennt. Nun darf jeder Uschi Glas mit Juckreiz, Hautrötungen, Ausschlag und Pickeln assoziieren.

          Nicht schön, aber es gibt Schlimmeres. Beispielsweise fährt der Freund von Helga H. (40) aus Hof dauernd allein in Urlaub, weshalb Helga H. befürchtet, „daß er vielleicht unterwegs andere Frauen kennenlernt“. Oder noch schlimmer und wahrscheinlicher: Er tritt bereits von Anfang an mit einer anderen die Reise an.

          Zacher der Liebhaber

          Schön dagegen, daß man von zwei hyperaktiven Nervensägen der vergangenen Jahre derzeit recht wenig hört: Klausjürgen Wussow schweigt artig unter Witwe Scholzens Kittelschürze, und Hera Lind wird erfreulicherweise nur in der Mondamin-Anzeigenserie „Die Soßen der Stars“ verhaltensauffällig, indem sie eine „Brunnenkresse-Ei-Soße“ mit mittelscharfem Senf andickt, die sie ja mal unserem korpulenten Außenminister einträufeln könnte.

          Wir persönlich verabscheuen Senfsauce ebenso wie Materialismus. Der Schauspieler Rolf Zacher beispielsweise gibt in Neue Welt offen zu, daß er sich früher von Frauen Liebesdienste bezahlen ließ, antwortet aber auf die indiskrete Frage „Waren Sie ein guter Liebhaber?“ mit unverhohlenem Stolz: „Hätten die Frauen sonst gebündeltes Bares auf dem Nachtisch liegenlassen?“

          Das blaue Keuschheitszwiebel-Kostüm

          Nein, das ist nicht schön, wenden wir uns lieber noch einmal der bewegenden Camilla-Hochzeit zu. Wußten Sie, daß sie als Charles' Frau nach den Angaben von Frau im Gotha nicht nur Prinzessin von Wales (diesen Titel wird sie wegen Diana nicht führen) und Herzogin von Cornwall ist, sondern auch noch Herzogin von Rothesay, Gräfin Carrick, Gräfin von Chester, Lady Renfrew und Lady der Inseln?

          Sollten Sie, liebe Leser, ihr demnächst begegnen, müssen Sie als Mann sich vor ihr verneigen und als Frau einen Knicks machen. Camilla werden von nun an auch drei Hofdamen und drei Garderobenfrauen zur Verfügung stehen. Sollte Ihnen das übertrieben vorkommen, so dürfen wir nach der Lektüre von Frau im Spiegel daran erinnern, daß Prinzessin Anne elf Kammerzofen beschäftigt, was aber nicht verhindern konnte, daß sie bei der Hochzeit in einem blauen Keuschheitszwiebel-Kostüm wenig gewinnend wirkte.

          Treudoof, aber treu

          Bei alledem sind wir schon etwas traurig, daß uns Deutschen solche glanzvollen Königshochzeiten für immer versagt bleiben, das Königlichste, was wir in den zurückliegenden fünfzig Jahren zustandegekriegt haben, war Richard von Weizsäcker. Aber dafür dürfen wir uns ein wenig mit dem Gedanken trösten, daß es tatsächlich noch so etwas wie deutsche Tugenden gibt: etwas treudoof, aber eben treu. So lobt uns in Das Goldene Blatt leicht belustigt der französische Entertainer Charles Aznavour: „In ihrer Fan-Post legen die Deutschen immer brav Rückporto bei.“

          Weitere Themen

          Diskussionen um Hitler-Geburtshaus Video-Seite öffnen

          Braunau : Diskussionen um Hitler-Geburtshaus

          Das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau am Inn in Österreich soll künftig von der Polizei genutzt werden. Damit geht ein jahrelanger Streit zu Ende. Denn Vorschläge für die Nutzung des Gebäudes, das einige Jahre leer gestanden hatte, gab es viele.

          Moderator Walter Freiwald gestorben

          Nach Krebserkrankung : Moderator Walter Freiwald gestorben

          Bekannt geworden war Walter Freiwald vor allem mit der Sendung „Der Preis ist heiß“. Erst kürzlich hatte er seine Krebserkrankung öffentlich gemacht. Nun ist er im Alter von 65 Jahren gestorben.

          Topmeldungen

          Hinter den Häusern und Kirchen der Innenstadt in München sind am Morgen die Berge sichtbar.

          Bauvorhaben und Infrastruktur : Bayern und seine Schwächen

          Bayern steht gut da, doch auch im Freistaat hakt es mancherorts außerordentlich. In München droht gar ein verkehrspolitisches Desaster – das bald womöglich den Vergleich mit dem Berliner Flughafen nicht mehr scheuen muss.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.